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Besuch in der Begegnungszone

Im Alterszentrum Platten (AZP) sind bisher keine Bewohner und keine Mitarbeitenden am Corona-Virus erkrankt. Trotz der jetzt möglichen Lockerungen wird alles unternommen, um die Ansteckungsgefahr weiterhin gering zu halten.

  • AZP-Direktorin Gisela Kessler-Berther im Garten des Alterszentrums Platten in Küsnacht am See. Hier dürfen sich Familie und Bewohner treffen – mit Abstand.

  • Das Begegnungs-Zelt kann auf Anmeldung genutzt werden. Fotos: MAZ

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Seit Ende letzter Woche hat nun auch das Alterszentrum sein Besucherzelt: In Küsnacht, wohin knapp sechzig der Bewohner wegen der Bauarbeiten auf der «Platten» umgezogen sind, wurde rechts vom Haupteingang ein weisses Zelt aufgebaut. Darin stehen sich je eine Sitzbank gegenüber, mehr als zwei Meter voneinander entfernt. «Deshalb benötigen wir keine Plexiglasscheibe», erklärt Direktorin Gisela Kessler. Angehörige und Bewohner können sich im Zelt über zwei Blumenarrangements hinweg unterhalten; Umarmungen und Berührungen sind aber weiterhin verboten. 

Gespräche vom Balkon

Die neue «Begegnungszone» ist sehr gefragt, die halbstündigen Zeitfenster, für die man sich voranmelden muss, waren am Wochenende rasch so gut wie ausgebucht.

Wenn das Wetter schön ist, dürfen ausserdem, ohne Voranmeldung, zwei weitere Begegnungszonen im Garten genutzt werden, wo ein Maschendraht- oder ein Doppelzaun für Abstand sorgt. «Ein wenig wie im Chüngelistall» sei es, meint ein Senior. Aber es ist auf jeden Fall besser als nichts. 

Im «Berghaus» in Meilen, wo sich momentan die Pflegeabteilung befindet, kommen die Angehörigen an die Balkone der Bewohner, um so miteinander zu sprechen – das sind auch mehr als zwei Meter Abstand. Und im Foyer wurde eine Begegnungszone an einem langen Tisch eingerichtet, für die eine Anmeldung möglich ist. Dass alle Mitarbeitenden, die mit den Senioren zu tun haben, weiterhin eine Gesichtsmaske tragen, ist selbstverständlich.

Heimweh oder Langeweile

«Wir sind gut versorgt», sagen die meisten Bewohner, wenn man sie fragt, wie es ihnen geht. Sie sind es gewohnt, schwierige Zeiten wie eben das zweimonatige Besuchsverbot zu meistern. «Aber wenn man nachhakt, merkt man doch, dass viele unter der Situation leiden, sie haben Heimweh nach ihren Lieben, sie fühlen sich verlassen, oder es ist ihnen langweilig», sagt Gisela Kessler. Zwar wird in Gruppen weiterhin Aktivierungstherapie angeboten, aber es fehlt zum Beispiel die Möglichkeit, das Gelände auch einmal zu verlassen oder einen längeren Spaziergang zu unternehmen. Wegen Corona dürfen die Bewohner nicht mehr ans Seeufer, sondern müssen in einem Rayon beim Haus bleiben. 

Bei Demenzkranken kann es ausserdem sein, dass sie ihre Tochter oder ihren Sohn nach der langen Besuchspause gar nicht mehr wiedererkennen – eine sehr schwierige Situation für die Angehörigen. 

Die meisten möchten nicht ins Spital

Sollte trotz aller Vorsichtsmassnahmen doch jemand Corona-positiv getestet werden, ist man im AZP gerüstet, muss es auch sein. Eine konsultative Umfrage hat nämlich ergeben, dass von allen knapp hundert Bewohnern nur gerade zwei im Spital behandelt werden möchten, wenn sie an Covid-19 erkranken. Gisela Kessler: «Wir würden vorübergehend mehr Personal anstellen, um die Kranken gut begleiten zu können, und wir sind auch gerüstet, um Menschen in der letzten Phase ihres Lebens auf Wunsch medikamentös zu unterstützen.»

 

Gisela Kessler-Berther verlässt das AZP

Die Direktorin des Alterszentrums Platten, Gisela Kessler-Berther (52), hat am 7. Juli 2020 ihren letzten Arbeitstag. Sie verlässt das AZP auf eigenen Wunsch, um eine neue Herausforderung anzunehmen: Sie wird Lead-Auditorin bei einer Zertifizierungsfirma im Bereich Qualitätsmanagement bei Gesundheits- und Bildungseinrichtungen sowie sozialen Institutionen in der Schweiz.

Gisela Kessler leitete das AZP seit dem 1. Januar 2009. Als wichtige Meilensteine der letzten elfeinhalb Jahre nennt sie die Einführung der neuen Pflegefinanzierung und das Projekt für den Neubau des Alterszentrums auf der Meilemer «Platten», das vor sieben Jahren seinen Anfang nahm und 2021 abgeschlossen wird. «Es ist jetzt für meine Nachfolgerin oder meinen Nachfolger ein guter Zeitpunkt, um einzusteigen und die Organisation und Abläufe im neuen Haus mitzugestalten», sagt Gisela Kessler. Sie sagt, sie werde immer mit viel Freude auf ihre Zeit in Meilen zurückblicken: «Ich bin und war begeistert vom Ort und von den Menschen hier.»

Noch steht die neue Gesamtleitung (eine Geschäftsführerin oder ein Geschäftsleiter) nicht fest; ein Ausschuss des Stiftungsrats des Alterszentrums und ein externes Büro sind aktuell mit dem Selektionsprozess beschäftigt.

xeiro ag