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Berührende Kontraste

In der aktuellen Ausstellung des Ortsmuseum Meilen stellen drei Künstler aus, die sich unterschiedlicher Techniken bedienen. Heute vor einer Woche fand die Vernissage statt. Neben den Augen wurden auch die Ohren verwöhnt: Die Vernissage wurde musikalisch untermalt.

  • Nur schon die unterschiedlichen Kunststile der drei Künstler bieten dem Besucher Kontraste. Die berührenden Werke von Doris Spalinger, Rolf Stuber und Ursula Spalinger-Hug (v.l.) sind jetzt im Ortsmuseum zu sehen. Foto: MAZ

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Die Ausstellung trägt den Titel «Berührende Kontraste». Aber können sich Kontraste überhaupt berühren? Driften sie nicht einfach auseinander und berühren sich nie? Die Antwort darauf müsse sich jeder selber geben, meinte der Laudator Jürg Kauer, seines Zeichens Mitglied der Seniorenbühne Zürich, Journalist und ehemaliger Radiomoderator. 

Allerdings: Der Titel der Ausstellung liesse sich auch als emotionale – nicht physische – Berührung verstehen. Die Kontraste entstehen durch unterschiedliche Materialien, Arbeitsweisen und Kombinationen von Kunststilen. So widmet sich etwa Doris Spalinger nicht nur der Malerei, sondern kombiniert Fotografie und Malerei auf eine Weise, die sich optimal ergänzt. 

Lange Zeit habe es nur die Malerei gegeben, sagte Jürg Kauer. Als die Fotografie aufkam, wurde die klassische Malerei für einige Zeit etwas in den Hintergrund gestellt. «Mit Fotografien konnte man Gegenstände viel besser in Szene setzen. Es gibt kaum einen Ort auf der Welt, der nicht fotografisch festgehalten wurde.» Künstler mussten sich entscheiden – Fotografie oder Malerei. Doris Spalinger verbindet nun die beiden Kunststile gekonnt in ihren Werken und schafft somit eine neue Welt der Kunst. 

Materialien aus der Natur

Bei Rolf Stuber ist es nicht die Kunstrichtung, sondern es sind die Materialien, die einen Kontrast bilden. In seinen Skulpturen kombiniert er Holz, meist Schwemmholz aus dem Walensee – der Zürichsee ist nicht geeignet, da er zu sauber ist –, mit Steinen oder anderen Materialien, die er aus der Natur gewinnt. Der Weg zum Künstler war für Rolf Stuber abwechslungsreich. Seine Eltern bestanden darauf, dass er zuerst einen «richtigen» Beruf erlernen müsse. Seine Ausbildung absolvierte er bei der Post. Trotz einer sicheren Anstellung verliess er das Unternehmen, um nach einem Schreinerpraktikum als Werklehrer zu arbeiten. Zu dieser Zeit widmete er sein künstlerisches Können der Töpferei. Danach liess er sich zum Sozialpädagogen ausbilden. In diesem Beruf ist er bis heute in einem Teilzeitpensum tätig. 

Weil sich Rolf Stuber durch die Materialien aus der Natur inspirieren lässt, fertigt er keine Auftragsarbeiten. Auch tragen seine Werke keine Namen. Der Betrachter soll selber spüren, was eine Skulptur in ihm auslöst. «Auch für mich als Künstler ist es immer sehr spannend, zu erfahren, wie meine Werke interpretiert werden», so Rolf Stuber. Daraus zieht er dann seine Inspiration für weitere Skulpturen. 

Acryl-Malerei als weiteren Kontrast

Ursula Hug-Spalinger liefert mit ihren Acrylmalereien einen weiteren Kontrast, dies innerhalb der gesamten Ausstellung im Vergleich zu den Werken der anderen beiden Künstler. Zwar war sie am Anfang ihrer künstlerischen Karriere überzeugt: «Dieses Handwerk lerne ich nie.» Weil ihr die Malerei aber Freude bereitete, besuchte sie bei ihrer Schwägerin Doris Spalinger einen Malkurs. Sie lernte, dass es für ein gutes Bild auch Herzblut und Emotionen braucht. Und plötzlich wurden die Bilder so, wie sie sich das vorgestellt hatte. 

Es gab aber auch eine Zeit, in der sie keinen Pinsel mehr in die Hand nehmen wollte und ihr genau diese Emotionen und das Herzblut für die Kunst fehlten. Erst ein Schicksalsschlag brachte die Gefühle zurück: «Ihr Bruder wurde schwer krank und verstarb kurze Zeit später. Das war der Auslöser, neue Bilder entstehen zu lassen. Fast wie besessen sass sie nächtelang an ihrer Staffelei und brachte ihre Gefühle auf die Leinwand», sagt Jürg Kauer. Es war auch die Zeit, in der sie die Acryltechnik für sich entdeckte. Das Resultat dieser emotionalen Reise ist nun im Ortsmuseum Meilen zu sehen. 

Laudatio und Musik im Wechsel

Auch musikalisch wurden die rund 50 Vernissagebesucher unterhalten. Die Ansprache ging ausnahmsweise nicht im Gewölbekeller über die Bühne, sondern im Parterre des Museums. Bereits beim Betreten der Ausstellungsräume wurden die Besucher von Banjo, Keyboard und Blasinstrument empfangen, und im Wechsel mit den Worten des Laudators spielten die Musiker immer wieder das eine oder andere Stück. 

«Berührende Kontraste» im Ortsmuseum Meilen, Kirchgasse 14. Die Ausstellung dauert bis am 7. Juli und ist jeweils samstags und sonntags von 14.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Die Künstler sind während der Öffnungszeiten anwesend.

xeiro ag