Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Berührende Kontraste

Heute Abend öffnet eine interessante Ausstellung im OMM ihre Pforten. Ein Dreigestirn – bestehend aus Doris Spalinger, Fotografie, Ursula Hug-Spalinger, Malerei und Rolf Stuber, Skulpturen – zeigt seine jüngsten Arbeiten.

  • Doris Spalinger, Fotos Die Fotografien von Doris Spalinger entstehen durch die Kombination mehrerer Bilder. Fotos: zvg

  • Ursula Hug-Spalinger malt in Öl imd Acryl und hat ihre eigene Handschrift gefunden.

  • Als Art-Brut-Artist schafft Rolf Stuber aus seinem Innersten mit seinen Skulpturen eine reine Kunst.

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Die Ausstellung strahlt grosse Harmonie aus. Die beiden Frauen kennen sich seit Jahren, Rolf Stuber stiess erst kürzlich dazu. Die unterschiedlichen künstlerischen Werke konkurrenzieren sich nicht, sondern steigern ihren Wert gegenseitig.

Beim Betreten des Museums begegnet man den Ölgemälden von Ursula Hug-Spalinger. Sie lebte 30 Jahre in Meilen und begann erst spät unter Anleitung ihrer Schwägerin Doris Spalinger zu malen. Ihre Frühwerke sind Versuche, die wohl schön, aber noch durchschnittlich sind. Doch die neuesten Bilder zeigen ihre eigene Handschrift, sind frei, die Farben fliessen. In ihren Landschaften erzeugt sie mit grossem Können wunderschöne Stimmungen. 

Aber auch versteckten Schalk lässt die Künstlerlin durchblitzen, indem in einer glühenden Wüste mit heissem Sand und Sanddünen vier Palmen stehen, die Schatten spenden, während sich am Himmel zarte Cumuluswolken bilden. 

Hier begegnet man im Ortsmuseum bereits den ersten Fotografien von Doris Spalinger. Sie erfasst den Moment und bringt eine wunderbare Ruhe in ihre Werke. Ist es Malerei oder Fotografie? Doris Spalinger legt zwei, drei oder mehr Fotografien übereinander, bearbeitet sie mit Photoshop und lässt sie dann auf Leinwand drucken. So lösen sich Strukturen auf und wirken wie mit dem Pinsel hingeworfene Farbtupfer, bleiben aber im Bildzentrum gestochen scharf. 

Besonders beeindruckend ist ein grösseres Werk, das im Schwarzwald aufgenommen wurde. Es ist Herbst, Braun dominiert, im Mittelpunkt steht in einem Garten eine Steinfigur aus dem 19. Jahrhundert – eine griechische Göttin, deren Arm eine Fackel hält und zum Bogen wird, daneben wächst ein mit Eis und Schnee überzogener grosser Strauch. Es ist kalt, aber die Jugend der Göttin überstrahlt alles, Jugend dominiert. Ein herrliches Festhalten von Vergänglichkeit und Leben! 

Im Kellergewölbe empfangen bunte Blumen die Besucher. Es faszinieren vor allem zwei Tierbilder. Das eine hält im Grossformat einen Falter auf Sardinien fest. Jede Einzelheit seiner Zeichnung ist sichtbar. Einmalig das Bild einer Katze. Das Gesicht, von der Stirne über die Augen bis zu den Tasthaaren, füllt das Format. Der Betrachter hat den Eindruck, sie sei auf dem Sprung. Aber das Bild ist bewegt, als betrachte uns die Katze durch eine Scheibe oder durch Wasser von oben herab. So schafft Doris Spalinger eine ganz eigene Welt.

Überall verteilt stehen Rolf Stubers Skulpturen. Man könnte glauben, sie seien extra für diese Ausstellung geschaffen worden, so fügen sie sich ein und ergänzen auf einmalige Art die Bilder. Stuber ist ein Art-Brut-Künstler, sammelt er doch Steine und Holzreste, die er dann zu Skulpturen zusammenfügt. Er wehrte sich zuerst gegen den Begriff Art Brut, meinte er doch, dafür müsste eine Behinderung vorliegen. Das war einmal, heute bedeutet Art Brut, keine künstlerische Ausbildung genossen zu haben, dafür aus seinem Innersten eine reine Kunst zu schaffen. 

Es sind sehr meditative Skulpturen, die uns nachdenken lassen über Tod und Sterben, und die eine beruhigende, fast religiöse Wirkung haben. Eine Blumenvase besteht aus dem Rest eines alten Keramikrohrs. Die Blumenstängel sind aus Granit, und die Blumen sind Röntgenaufnahmen des Knies des Sohnes, die nach einem Unfall entstanden. 

Berührende Kontraste, Ausstellung im Ortsmuseum Meilen, Kirchgasse 14. Vernissage heute Freitag, 18.30 Uhr. Ausstellung bis 7. Juli, offen jeweils samstags und sonntags 14.00 bis 17.00 Uhr. 

xeiro ag