Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Bericht der Architekten

Nach rund acht Jahren Planungs- und Ausführungszeit vervollständigt der Neubau des Weiherhauses die Gesamtanlage der Stiftung Alters- und Pflegeheim Meilen auf der Platten.

  • Die Haupttreppe neben Foyer und Restaurant, das nach Süden ausgerichtet ist. Foto: Alice Das Neves

  • Dank grossen Zimmerfenstern können auch bettlägrige Bewohner die Aussicht geniessen. Foto: Alice Das Neves

  • Eine Trauerweide wird den neu angelegten Teich beschatten. Foto: MAZ

  • Das neue Weiherhaus bietet auf drei Stockwerken Zimmer für 84 Bewohnerinnen und Bewohner. Foto: Hannes Henz

  • Jedes Zimmer verfügt über eine eigene Nasszelle mit WC und Dusche. Foto: Alice Das Neves

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Das neu erstellte Weiherhaus bildet Auftakt und neues Zentrum. Es fügt sich als drittes Bauteil zwischen dem Berghaus im Norden und den beiden Gebäuden der Alterswohnungen im Süden ein. Das neue Weiherhaus ist auf die Altersbetreuung ausgelegt und ergänzt so das Angebot der Stiftung mit ihren Alterswohnungen und der künftigen Demenzpflege im Berghaus. Dazu kommen die allgemeinen und gemeinschaftlichen Nutzungen der Gesamtanlage: Information, öffentliches Restaurant und Bistro, Therapie- und Seminarräume werden im Erdgeschoss zweckmässig organisiert. 

Freiräume mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten

Die Grösse und die Massstäblichkeit der bestehenden Gebäude waren für die Planung des Neubaus massgebend. Seine winkelartige Gestalt bildet Freiräume mit unterschiedlichen Charakteren und vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten. Im Zusammenspiel von Architektur und Landschaftsarchitektur entstand ein sorgfältig gestalteter Park. Dabei wurde der fantastischen Aussichtslage auf der Platten und dem damit zusammenhängenden Landschaftsbezug grösste Aufmerksamkeit geschenkt. 

Ein eingeschossiger Verbindungsbau gliedert den Aussenraum zwischen dem bestehenden Berghaus im Norden und dem Neubau im Süden. Auf der Westseite, zur Plattenstrasse hin, fasst eine geräumige Vorhalle den Ankunftsbereich mit der Vorfahrt und dem Wendeplatz für den Plattenbus. Im Osten des Verbindungsbaus öffnet sich der Tobelhof als dreiseitig gefasster Hof auf den begrünten Einschnitt des Dorfbachtobels. Dieser geschützte Aussenbereich wird je hälftig genutzt als gesicherter Demenzgarten für die Bewohnerinnen und Bewohner des Berghauses und als ruhiger, beschaulicher Platz entlang der Wandelhalle des Neubaus. 

Gedeckte Aussichtsplattform

Im Süden bilden der namensgebende Weiher und eine dazugehörige, stattliche Trauerweide das Zentrum der Freiraumgestaltung. Winkelartig öffnen sich die Terrassen vor dem Restaurant und den Banketträumen auf den Weiherhof. Über die abfallende und parkartig gestaltete Umgebung breitet sich das prächtige Panorama über den Zürichsee und in die Glarner Alpen aus. Eine durchlässig gestaltete Pergola, die zur bestehenden Liftverbindung zu den Alterswohnungen führt, fasst die Terrasse und bietet zusätzlich eine gedeckte Aussichtsplattform an. Auf der gegenüberliegenden Seite, im Westen des Weiherhauses, öffnet sich das Bistro über die vorgelagerte Terrasse zur Landschaft über den See zur Abendsonne. 

Rollstuhlgängige Umgebung

Die unterirdische Besuchergarage wird von der Plattenstrasse her befahren. Daran vorgesetzt liegt die Anlieferung und Entsorgung für Grossfahrzeuge. Diese Disposition ermöglicht eine zusammenhängende, rollstuhlgängige Umgebung, die fast verkehrs- und emissionsfrei bleibt. Im Untergeschoss sind sämtliche Gebäude auf kurzen Wegen miteinander verbunden. Die Abläufe zwischen der neuen Gastroküche und den verschiedenen Lager- und Wirtschaftsräumen wurden betrieblich optimiert angeordnet. 

Foyer, Restaurant und Bistro mit Aussicht

Die Besucher betreten das erweiterte Alterszentrum über den Vorplatz und die Vorhalle. Im neuen Verbindungsbau zum Berghaus finden sie gleich neben dem Windfang den Empfang. In der Fortsetzung der geräumigen Halle liegen das Foyer mit einer loungemässigen Bestuhlung und anschliessend das Restaurant. Der Blick gleitet an der Haupttreppe vorbei hinaus zum Weiherhof, wo sich schon die Aussicht auf den See ankündigt. 

Restaurant und Bistro verfügen über grosszügige Terrassen, die vom Morgen bis am Abend besonnt sind. Neben dem Restaurant folgen die gemeinschaftlichen Nutzungen für die Bewohnenden; vom unterteilbaren Seminarraum über den Gymnastikraum bis zur Aktivierungstherapie. Sie sind über eine seitliche Wandelhalle erschlossen, die sich über ihre gesamte Länge auf den Tobelhof öffnet. Auch hier haben alle Räume direkten Zugang zur davorliegenden Terrasse oder zum rückwärtigen Hof zum Berghaus. 

Drei identische Bewohneretagen mit Wohnbereich 

Auf den drei identischen Bewohnergeschossen öffnen sich alle Bewohnerzimmer über den vorgelagerten Balkon auf die Landschaft und die Aussicht. Die Zimmer wirken geräumig und haben einen Zuschnitt, der flexible Möblierungen ermöglicht. Das grosse Zimmerfenster mit der integrierten Sitzbank bietet auch bettlägerigen Bewohnern die Aussicht in die Landschaft und den Sichtbezug zum Park. 

Zwei Bewohnergruppen teilen sich pro Etage einen gemeinsamen, grossen Ess- und Aufenthaltsraum mit eigener Stationsküche. Zusätzlich verfügt jede Bewohnergruppe an den Gebäudeköpfen über einen hellen Wohnbereich mit vorgelagertem tiefem Balkon. Die Korridore auf den Etagen wurden abwechslungsreich gestaltet und bieten mit ihren Nischen zusätzliche Aufenthaltsqualitäten. Zusammen mit dem Angebot der drei Ferienzimmer können auf den drei Bewohneretagen rund 84 Bewohnerinnen und Bewohner wohnen und gepflegt werden. 

Eiche, Fischgratparkett und stoffbespannte Lampenschirme

Die Gestaltung der Innenräume ist durch die sorgfältige Wahl der Materialien und den gepflegten Schreinerausbau in Eiche sehr wohnlich und einladend. Dazu tragen auch die ausgesuchten Textilien, das Fischgratparkett, die stoffbespannten Lampenschirme sowie die Holzmöbel mit ihren Bespannungen aus Wienergeflecht bei. Die Farbgebung der tapetenbespannten Wände ist auf das wohnliche Ambiente abgestimmt. Sie wurde zusammen mit dem Künstler Thomas Rutherfoord entwickelt. Verschiedene Bepflanzungsinseln helfen im Restaurant mit, den grossen Raum stimmungsvoll in kleinere Bereiche aufzugliedern. 

Minergie-ECO-Standard für ökologisches Bauen eingehalten

Die Architektur des Erweiterungsbaus lehnt sich in ihrer Sprache und Materialität an das bestehende Berghaus an. Dabei werden die vorherrschenden Attribute wie die horizontale Gliederung der Geschosse mit den auskragenden Balkonplatten und grosszügigen Verglasungen aufgenommen. Ziel ist die Integration des Neubaus in ein gesamtheitliches und sich ergänzendes Ensemble. Die filigrane Struktur und die horizontale Ausdehnung der Balkone haben eine moderne Allüre und sind architektonischer Ausdruck des Landschaftsbezugs. Die differenzierte Farbgestaltung der Fassade geht auf die tektonische Gliederung der Fassadenelemente ein. Die eher dunkle Farbgebung der Fassade versucht die stattliche Grösse des Gebäudes und seine physische Erscheinung auf vornehme Art zurückzunehmen. 

Das ausgeführte Projekt hält die Minergie-ECO-Standards für ökologisches Bauen ein. Die vorgesehene technische Bestückung der Heizungsanlage mit Wärmepumpen sieht die Nutzung der Erdwärme vor. Die Sonnenenergie wird durch eine grosse Photovoltaikanlage auf dem Flachdach effizient genutzt. 

Die Baukosten konnten eingehalten und der Kostenvoranschlag konnte unterschritten werden. 

/Althammer Hochuli Architekten AG

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