Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Begriffsverwirrungen

«Nachhaltig» ist ein zentraler Begriff der Ökologie und ist heute in aller Munde, obwohl er uralt ist und eigentlich aus der Forstwirtschaft stammt. Er meinte dort, dem Wald «immer nur so viel Holz zu entnehmen, wie darin nachwachsen kann». Verallgemeinernd bedeutet Nachhaltigkeit, an Ressourcen nicht mehr zu verbrauchen, als künftig wieder bereitgestellt werden kann – so die Definition im «Duden».

Nach dem dem Brundtland-Bericht der UNO von 1987 bedeutet eine nachhaltige Entwicklung eine, welche die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne dass zukünftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können. Da scheint die «IG für ein nachhaltiges Meilen» wunderbar auf dieser Linie zu liegen, welche als Devise «Rettet die Weid (für die nächste Generation)» hat – etwa analog zu «Rettet die Wale». Da die Weid nun aber seit 1955 als Bauland eingezont ist und Bauzonen wohl zum Bauen da sind, müsste dies, logisch zu Ende gedacht, ja heissen, dass man auf eingezontem Land überhaupt nicht mehr bauen dürfte. Aber Bauzonen haben ja den Sinn, dass man nicht irgendwo in der Landschaft baut, sondern eben in dafür vorgesehenen Zonen. Damit wird Zersiedlung verhindert, und Zersiedelung würde dann wirklich die Natur nicht schonen und wäre alles andere als nachhaltig. 

Die genannte IG mit ihren Anwohnern der Weid behauptet auch, die geplante Siedlung Burkwil (vor ihrer Nase) sei schlicht für den falschen Ort vorgesehen. Dies begründet sie mit dem Begriff der «inneren Verdichtung», was nach ihrer Meinung bedeutet, man solle im Zentrum einer Gemeinde und nicht an deren Rand bauen. Damit legt sie ihn aber falsch aus. 

«Innere Verdichtung» ist ein Begriff der Raumplanung und meint gemäss dem zürcherischen Planungs- und Baugesetz (PBG) von 1991 eine haushälterische Nutzung des Bodens. So kann verhindert werden, für eine bauliche Entwicklung das Siedlungsgebiet weiter auszudehnen, also neues Gebiet einzuzonen – völlig unabhängig davon, wo Bauen innerhalb der Gemeinde geplant ist. 

Nun gibt es auch Leute, die finden, es werde – vor ihrer Haustür oder auch weiter entfernt – in Meilen überhaupt zu viel gebaut. Das ist zu verstehen, wenn auch die seinerzeit von Kneschaurek prognostizierte Zahl von 30‘000 Einwohnern in Meilen noch lange nicht erreicht ist. Nur dumm, dass die meisten von uns in Wohnungen leben, welche in den letzten fünfzig bis hundert Jahren auf der grünen Wiese oder Weide gebaut wurden. Wir alle haben also zum Landverschleiss beigetragen oder zumindest davon profitiert. Wären also die Liegenschaften im Gebiet Weid, Lütisämet und Weidächer nie gebaut worden, gäbe es dort auch keine Initianten, welche nun «die Weid retten» könnten. 

 

xeiro ag