Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Aus den Annalen des SOM

Die Vereinstätigkeit wird durch Statuten geregelt: Ein Vergleich zwischen (vor)gestern und heute, zwischen Orchesterverein damals und Sinfonie Orchester Meilen 2019.

  • Die ältesten erhaltenen Statuten stammen aus dem Jahr 1900. Fotos: zvg

  • Die Namen der 20 aktiven Mitglieder des Orchestervereins im 1900 – minus drei Ausgetretene.

  • Passivmitglieder bezahlten vier Franken pro Jahr und erhielten dafür eine dekorative Karte für einen Freiplatz.

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Das Vereinsleben des damaligen Orchestervereins Meilen wurde wie in allen Vereinen mit den Statuten geregelt. Die älteste überlieferte Version wurde von der Generalversammlung des OVM am 26. Januar 1900 genehmigt und in Kraft gesetzt. In den Statuten stellte sich der Verein «die Aufgabe, unter seinen Mitgliedern und in weiteren Kreisen durch eifrige Pflege der Musik den Kunstsinn und die Geselligkeit zu fördern.» In den aktuellen Statuten – online auf www.s-o-m.ch zugänglich – stellt sich das Sinfonieorchester Meilen die Aufgabe, das Musikleben zu fördern und kulturelle Werte zu schaffen. Dass die Förderung der Geselligkeit nicht mehr erwähnt ist, illustriert natürlich auch den Wandel der Zeit! 

Formelles Wahlprozedere

Der Vorstand setzte sich damals aus Präsident, Direktor, Aktuar, Quästor und Bibliothekar zusammen – im SOM ist der Dirigent nicht mehr Vorstandsmitglied, aber natürlich mit beratender Stimme an allen Sitzungen dabei. Das Wahlprozedere war sehr formell: «Die Wahl sämtlicher Mitglieder des Vorstandes findet durch absolut geheimes Stimmenmehr beim ersten, durch relatives Stimmenmehr beim zweiten Wahlgang statt und zwar auf die Dauer von zwei Jahren. Jedes Mitglied ist verpflichtet, eine Wahl wenigstens eine Amtsdauer zu übernehmen.» Aus anderen Vereinsakten wissen wir, dass es wohl auch vor 125 Jahren nicht wirkliche Kampfwahlen gab, sondern dass alle froh waren, wenn sich jemand zur Verfügung stellte. In dieser Hinsicht fand kein Zeitenwandel statt.

Der Probenbetrieb war streng geregelt (was nicht heisst, dass das heutige SOM eine schlechtere Disziplin hat!) Die Statuten von 1900 halten in §8 fest: «Der Verein versammelt sich in der Regel wöchentlich ein Mal. Übungszeit und Lokal werden vom Verein bestimmt. In dringenden Fällen können vom Vorstande noch weitere Übungen angeordnet werden. Über den Besuch der Übungen wird durch den Vorstand eine genaue Kontrolle geführt (§9)». 

Bussen für verpasste Probenbesuche

Bei so strengen Regeln brauchte es natürlich auch Sanktionen. Diese sind im den Bussen gewidmeten §13 festgehalten. «Einfache Busse für unentschuldigtes Ausbleiben an gewöhnlichen Übungen: 30 Rp. Doppelte Busse für unentschuldigtes Ausbleiben an wichtigen Proben: 1 Fr. Ausserordentliche Busse für unentschuldigtes Ausbleiben an Konzerten: 5 Fr.» Als Entschuldigungsgründe galten: «Eigene oder gefährliche Krankheit eines Familienmitgliedes, Todesfall in der Familie (Trauerzeit 3 Monate), Militärdienst, Andere Obliegenheiten, über deren Gültigkeit der Vorstand entscheidet». 

Diese Regelungen zeigen nun natürlich wieder klar wie sich die Zeiten und die Werte ändern. Das Sinfonie Orchester Meilen ist glücklich, dass es in den geltenden Statuten auf solche Regeln verzichten kann, es verlangt von seinen Mitgliedern einfach einen regelmässigen Probenbesuch.

Die Zeiten wandeln sich

Die Einnahmen des Vereins (§12) waren die Jahresbeiträge der Passiven (4 Fr.), die Bussen, die Konzerterträge, die Austrittsgelder für Aktive (10 Fr.) und die Austrittsgelder der Passiven (2 Fr.). Die Aktiven bezahlten somit keine Jahresbeiträge. (SOM heute: Aktivmitgliederbeitrag 220 Franken). Die Passivmitglieder bekamen eine schöne Mitgliederkarte, mit welcher sie einen Freiplatz in der 1. Kategorie erhielten. In den Akten finden sich leider keine Hinweise darauf, wie oft die Austrittsgebühren erfolgreich in die Kasse eingegangen sind.

Anlässlich der Generalversammlung vom 26. Januar 1900 haben alle Aktivmitglieder «vorstehende Statuten durch ihre Unterschrift bestätigt und bekräftigt». Diese Unterschriftsliste zeigt, dass der OVM damals 20 Mitglieder umfasste – alles Männer. Die Liste wurde dann noch ein Jahr lang weiter geführt. 

Heute hat das SOM über 50 Aktiv-Vereins-Mitglieder, darunter sind über 30 Frauen. Auch hier zeigt sich: Die Zeiten wandeln sich, zum Glück!

xeiro ag