Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

«Auf der Platten wird gelebt!»

Seit sechs Wochen ist die neue Geschäftsführerin des Alterszentrums Platten im Amt. Wegen der Coronapandemie gab es für die Nachfolgerin von Gisela Kessler-Berther keinen grossen Willkommensanlass mit vielen Menschen – wir konnten sie aber auf der «Platten» besuchen.

  • Serenella von Schulthess im Neubau mit Blick auf See und Berge. Die Hauseinweihung ist auf Frühsommer 2021 geplant. Foto: MAZ

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Gute zehn Jahre ist es her, da lernte Serenella von Schulthess das Alterszentrum intensiv kennen. Damals wohnte ihr Grossvater hier, sie besuchte ihn häufig, und er organisierte sogar einmal eine kleine Hausführung für seine wissbegierige Enkelin. «An einen Moment in der Küche erinnere ich mich gut», sagt Serenella von Schulthess lachend: «Es gab zum Znacht ein ‘Café complet’ mit Wurst. Und ich sagte, ob es denn ein so schweres Essen sein müsse auf die Nacht. Worauf mir geantwortet wurde, ‘die Leute müssen doch auf ihre alten Tage nicht noch zu Körnlipickern werden!’» 

Wurst oder nicht Wurst: Serenella von Schulthess war es ausnehmend wohl im AZP. Es gefiel ihr sogar so gut, dass sie, halb im Scherz, sagte: «Wenn hier die Stelle als Direktorin frei wird, bewerbe ich mich!» Dass sie ihren Grossvater nach drei Jahren in geschützter und würdevoller Atmosphäre in den Tod begleiten durfte, hat ihr die «Platten» noch näher gebracht.

Spürbare Werschätzung

Damals leitete von Schulthess, sie hat die Hotelfachschule absolviert, die Hauswirtschaft und die Hotellerie des Spitals Lachen. Später war sie Geschäftsführerin in drei Residenzen der Tertianum AG, zuletzt in der Altersresidenz Zollikerberg. Dass die 47-Jährige nun seit Anfang November tatsächlich dem AZP vorsteht, freut sie riesig. «Die Philosophie des Hauses entspricht meinen Werten», sagt sie, unter anderem gefalle ihr die spürbare Wertschätzung den rund 130 Mitarbeitenden gegenüber. 

Noch konnte sie nicht alle persönlich kennenlernen, «und wegen der einheitlichen Dienstkleidung und den Gesichtsmasken begrüsse ich manchmal jemanden mit dem falschen Namen, aber dafür haben alle sehr viel Verständnis», sagt sie. Sie könne ja noch nicht alles wissen. Umso besser, dass sie sich auf die Unterstützung von langjährigen Mitarbeitern verlassen kann. Ein dreiköpfiges, eingespieltes Leitungsteam hat das AZP von Juli bis Oktober interimistisch geführt und arbeitet jetzt mit der neuen Geschäftsführerin.

Corona bleibt präsent

Serenella von Schulthess ist in Feldmeilen aufgewachsen, hat auf der Allmend die Sek besucht, und seit bald 20 Jahren wohnt sie an der Grenze zu Obermeilen am Justrain. Von dort geht sie fast täglich zu Fuss zur Arbeit und kommt gut durchlüftet und winterfrisch an der Plattenstrasse an. «Geht nicht gibt’s nicht» steht auf einer Postkarte, die sie an ihre Bürotüre geklebt hat. Anzupacken gibt es für Serenella von Schulthess tatsächlich einiges – Gefreutes und weniger Gefreutes.

So ist das Thema Corona weiterhin sehr präsent. Anfang Dezember wurden erstmals drei Bewohner des AZP positiv auf das Virus getestet. «Wir machen alles, was möglich ist, schützen uns sehr gewissenhaft», sagt Serenella von Schulthess. Manches tue ihr im Herzen weh – aber es muss sein. So zum Beispiel, dass die Bewohnerinnen und Bewohner über Weihnachten von ihren Angehörigen nicht nach Hause geholt werden dürfen, denn das Risiko, dass sie sich im Familienkreis mit Covid-19 anstecken, ist einfach zu gross. Am 25. Dezember gibt es indes im Alterszentrum ein Weihnachtsfest für die Bewohnerinnen und Bewohner mit Christbaum, Festmenu und Weihnachtsliedern ab Band, die neue Geschäftsführerin wird in manchen Gruppen und Abteilungen auch mitfeiern.

Öffentliches «Esszimmer»

Die zwei parallel geführten AZP-Standorte Meilen und Küsnacht am See sind zum Glück gut eingespielt. In Endspurt wie geplant sind erfreulicherweise die Arbeiten am Meilemer Neubau «Weiherhaus» mit seinen 84 Pflegeplätzen. Direkt vor Serenella von Schulthess’ Büro befindet sich der zukünftige «Demenzgarten», dahinter ist die Nordfassade des Gebäudes zu sehen, wo der Innenausbau vorangetrieben wird. Die Eröffnung ist auf Frühsommer 2021 geplant. Wie hochwertig und freundlich die Materialien sind, wie luftig und hell die Räume, ist auch an einem grauen Dezembernachmittag zu erkennen, und die Aussicht von den Zimmern auf Dorf, See und Berge ist schlichtweg atemberaubend.

Hier warten viele konzeptionelle Aufgaben auf die neue Geschäftsführerin. Besonders freut sie sich darauf, dass die Bewohnerinnen und Bewohner zukünftig ihr «Esszimmer» mit der Meilemer Bevölkerung teilen können. Es wird ein öffentliches Restaurant geben, einen Raum für Bankette sowie ein unkompliziertes Bistro für Znüni oder Feierabendbier, alles 365 Tage im Jahr geöffnet. «Eine grosse Herausforderung», sagt von Schulthess, «das Restaurant soll wohnlich und gemütlich sein und trotzdem offen und modern.» Auch der bereits bekannte «Plattensaal» steht wieder zur Verfügung. Parallel zur Eröffnung des neuen Hauses ist unter von Schulthess’ Leitung auch der neue visuelle Auftritt des AZP geplant, mit neuem Logo und neuer Website.

Immer ein rosa Farbtupfer

«Wir wollen offen sein für alle Meilemer, unabhängig ihres Alters», sagt Serenella von Schulthess, «auf der Platten wird gelebt! Das möchte ich gegen aussen vermitteln. Auch wenn der Tod zum Leben dazugehört, hier etwas mehr als anderswo.» Erholung findet sie, die mit einem Fotografen liiert ist, beim Reisen, beim Skifahren und Wandern oder beim Malen. Ihre Bilder sind gross, farbig und abstrakt «und es ist immer etwas Rosafarbenes darauf zu sehen», wie sie verrät. Auch ihre Kleidung hat oft einen pinken Farbtupfer: diesmal ist es ein zartrosa Schal, der etwas Frische in den Wintertag bringt.

xeiro ag