Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Auf Alpha folgt Omega

Ernst Buscagne, Kantor von Meilen und Egg, hat am vergangenen Wochenende mit dem Singkreis Egg/ Meilen in den reformierten Kirchen beider Gemeinden in grösster Innigkeit und Konzentration das Omega-Projekt aufgeführt.

  • Chor, Solisten und Musiker boten ein berührendes Musikerlebnis. Foto: zvg

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Omega – das war die logische Fortsetzung des Alpha-Projektes des gleichen Chors, bei dem 2017 Haydns «Die Schöpfung» aufgeführt wurde. Als ruhiger Gegenpol zu jenem musikalischem Feuerwerk mit Orchester und zwei Chören zur Entstehung der Welt stand jetzt die kammermusikalische Fassung von «Ein Deutsches Requiem» von Johannes Brahms mit vierhändiger Klavierbegleitung im Mittelpunkt.

Dem Werk gingen kleinen Juwelen der Chorliteratur aus dem 19. und 20. Jahrhundert voraus. Die a capella vorgetragenen Stücke von Sven David Sandström (To see a world in a grain of sand), Lajos Bardos (Libera me) und MacMillan (Oh Radiant Dawn) forderten vom Chor äusserste Präzision bei Intonation und Dynamik. Die Pianistinnen Tabitha Stäheli und Seraina Braun begleiteten abwechslungsweise die Werke von Roeland Temmingh (Himne) und Gustav Mahler (Ich bin der Welt abhanden gekommen).

Biblische und literarische Texte, zusammengestellt und mit grosser Leuchtkraft vorgetragen von Alke de Groot, ergänzten das musikalische Programm. Mit diesen führte sie Publikum und Chor vor Augen, was der Mensch der Schöpfung und sich selber antut – keine leichte Kost. Mit ihrem Schalk konnte sie die Schwere der Botschaft etwas relativieren. In der Mitte des Programms brachten Anna Gschwend (Bratsche) und Seraina Braun mit Max Bruchs (Kol nidrei) warmen Klängen noch eine instrumentale Dimension ins Konzert.

Nach einer kurzen Pause ging es dann los mit den letzten vier Teilen aus dem «Requiem». Mit scheinbarer Leichtigkeit versprach Sopranistin Anna Gschwend in Teil V den Menschen Trost nach erlittener Traurigkeit. In Teil VI ergänzten sich Bariton Johannes Michael Blume und der Chor wunderbar. In den Fugen konnten die einzelnen Stimmen dank den präzisen und ausdrucksstarken Anweisungen des Dirigenten dem Werk Tiefe verleihen. 

Unter der beflügelnden Leitung von Ernst Buscagne gelang es Chor, Solisten und Pianistinnen zusammen mit Alke de Groot, dem Publikum während 90 Minuten ein intensives, ausdrucksstarkes und berührendes Musikerlebnis zu bieten.

xeiro ag