Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Am Ende der Geduld

Bis Sommer 2017 war Feldmeilen ein beschaulicher und ruhiger Dorfteil von Meilen. Natürlich, die S-Bahn rauschte ab und zu durch, doch auch deren Lärmpegel bewegte sich in durchaus aktzeptablen Grenzen. Bis die SBB auf die Idee kamen, ein Wendegleis (Abstellgleis) für die S16 zu bauen.

Fast zwei Jahre lang wurde gebaut. Bedenkt man, dass es für den 57 Kilometer langen Gotthard-Basistunnel «nur» 17 Jahre brauchte, sind zwei Jahre für 300 Meter Schienenlegen (ohne Tunnel!) schon erstaunlich viel. Aber sei's drum. Wir, die Bewohner von Feldmeilen, liessen den oft unerträglichen Baulärm und die einjährige Sperrung des Haldengässli tapfer über uns ergehen, obwohl dieses neue Wendegleis nun wirklich keinem Einzigen von uns in Feldmeilen wirklich etwas nützt: Die neue S20 denkt gar nicht daran, an unserem Bahnhöfchen Passagiere aufzunehmen, sie fährt einfach vorbei. Unsere einzige Freude war der Gedanke, dass es im Juni 2019 endlich vorbei sein werde. Doch falsch gedacht.

Denn jetzt quietscht und rattert es erbärmlich, wenn die S16 auf das Wendegleis verschoben wird – und zurück, also viermal pro Stunde, Tag und Nacht, sieben Tage die Woche. Zudem ein lautes nervtötendes Sirren und Summen, während die S16 auf dem Abstellgleis wartet. Ein schier unerträglicher Zustand für alle Anwohner der General-Wille-Strasse und der Heerenstrasse. Sogar Hausbesitzer der viel weiter oben liegenden Teienstrasse haben bereits bei den SBB reklamiert. Und damit komme ich zum Punkt: Das Quietschen, Surren und Rattern wird auch in Zukunft bleiben, denn die SBB denkt nicht daran, sich das Ärgernis nochmal anzuschauen. 

Der Verantwortliche bei den SBB ist der Meinung: Was gehen mich hier in Zürich die Probleme der Feldmeilemer an? Anders ist es nicht zu erklären, dass er unsere Bitten um Behebung des Lärms mit herablassenden Antworten wie «Wo Züge fahren, gibts halt Emissionen» oder «Das beste ist wohl, eine neue Wohnung zu suchen» beantwortet. Später blockierte er Antworten, liess sich verleugnen und meldete sich schliesslich sechs Wochen in die Ferien ab.

Wir möchten weder physikalische Erklärungen des Quietschens noch ein Aussitzen des Problems seitens SBB. Wir möchten einfach die frühere Ruhe zurück haben. So wie es jetzt ist, riskieren zumindest die direkten Anwohner gesundheitliche Folgen; allen voran jene an der Heerenstrasse und an der General-Wille-Strasse rund ums Coop-Zentrum, wo hinten die S-Bahn quietscht und nun auch vorne bis Herbst 2020 die Strasse aufgerissen wird. 

Interessant: In einer Medienmitteilung vom 10. November 2016, also noch vor Beginn der Bauarbeiten, schreiben die SBB wörtlich: «Die S16 wird nur auf dem Wendegleis abgestellt, während die Züge der S20 durchfahren.» Also viermal morgens und dreimal abends. Und keinesfalls am Wochenende und noch weniger nachts. Und warum nun dauernd? Auch wenn die S20 gar nicht fährt? Nur weil es der SBB in den logistischen Kram passt, müssen wir Anwohner leiden? Mit der in der Medienmitteilung erwähnten Lösung könnten wir leben. Mit den augenblicklichen Zuständen nicht. 

Wir wissen, dass es schwer ist, gegen den Monopolbetrieb SBB anzukämpfen, doch wir fordern trotzdem die Gemeinde Meilen auf, sich umgehend hinter ihre Bewohner zu stellen und den SBB von höchster Stelle und zeitnah Dampf zu machen. Sie sind dafür gewählt, die Interessen ihrer Bürger zu vertreten und nicht die Ignoranz der SBB. 

xeiro ag