Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Alnatura und Denner kommen ins Zentrum

Seit der Gemeindeversammlung vom Juni 2019 war es still um das Projekt am Dorfplatz. Nun ist die anderthalbjährige Planungsphase abgeschlossen: Bis Ende 2023 soll das fünfstöckige Gebäude mit rund 1000 Quadratmetern Ladenflächen und 18 Mietwohnungen fertiggestellt sein.

  • An der Stelle des Anbaus an das alte Sekundarschulhaus (Bild 1: Situation heute) wird bis Ende 2023 die neue Markthalle stehen – im direkten Anschluss an die Dorfplatztreppe. Foto/Rendering: MAZ/zvg

  • An der Stelle des Anbaus an das alte Sekundarschulhaus (Bild 1: Situation heute) wird bis Ende 2023 die neue Markthalle stehen – im direkten Anschluss an die Dorfplatztreppe. Foto/Rendering: MAZ/zvg

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An der Gemeindeversammlung hatten die Stimmberechtigten bis spät am Abend über die geplante Markthalle diskutiert. Trotz vereinzelter kritischer Stimmen war eine grosse Mehrheit der Anwesenden dem Projekt gegenüber positiv eingestellt: Der Baurechtsvertrag mit den Investoren mit einer Laufzeit von 60 Jahren sowie der Gestaltungsplan mit den planungsrechtlichen Grundlagen für das Gebäude wurden deutlich angenommen. 

Investoren aus Meilen

Eine wichtige Rolle spielte dabei sicher die Tatsache, dass die Investoren Dieter und Alex Jenny in Meilen bekannt und verwurzelt sind. Die beiden betonten, dass ihr Engagement über das Kommerzielle hinausgeht und dass die «Markthalle» für sie nicht einfach ein Renditeobjekt ist: Die Wohnungen werden nach gemeinnützigen Grundsätzen mit Kostenmiete abgegeben.

Dieter Jenny präsidiert die Hochhaus und Immobilien AG, die Betreiberin der Geschäftsflächen, sein Sohn Alex Jenny die Stiftung Gemeinnütziger Wohnungsbau Letzigraben als Vermieterin der 18 Wohnungen. Dass die Wohnungen und der gewerbliche Teil rechtlich getrennt sind, war von Anfang an so gewollt. Sowohl die Hochhaus und Immobilien AG als auch die Stiftung Gemeinnütziger Wohnungsbau Letzigraben sind in Zürich bei der Verit-Gruppe domiziliert. 

Gespräche mit zahlreichen möglichen Mietern

An der konkreten Planung arbeite man, seitdem der Gestaltungsplan im Herbst 2019 rechtskräftig geworden ist, sagt Alex Jenny auf Anfrage. Für die Meilemerinnen und Meilemer zentral ist in diesem Zusammenhang die Frage nach den Mietern der Ladenflächen. Der ursprünglich vorgesehene Hauptmieter Volg (jetzt Prima) war kurz vor der Gemeindeversammlung abgesprungen und bleibt im eigenen Gebäude an der Dorfstrasse. Das Projekt war von der Gemeindeversammlung also ohne konkrete Aussichten auf einen Ankermieter für die Retailflächen genehmigt worden.

Nach zahlreichen intensiven Gesprächen mit möglichen Ankermietern, darunter auch Lidl, sind nun die Verträge mit zwei attraktiven Detailhändlern unter Dach und Fach, beides Migros-Töchter: der Bio-Supermarkt Alnatura wird die gesamte Ladenfläche von 465 Quadratmetern auf der Ebene des oberen Dorfplatzes belegen, und auf der Höhe des unteren Dorfplatzes zieht auf rund 345 Quadratmetern der Discounter Denner ein. Alnatura wird zudem im Innern des Gebäudes beim östlichen Eingang ein Take-Away mit Theke einrichten. «Alnatura war ganz oben auf unserer Wunschliste», sagt Alex Jenny. Denner, der umsatzstärkste Discounter der Schweiz, sieht er als ideale Ergänzung: «Wir haben mit Denner und Alnatura die bestmöglichen Mieter für die Flächen im Dorfzentrum gefunden, die Belebung des Dorfplatzes ist so auf jeden Fall erreicht.» Neben Denner ist in Richtung Süden zurzeit eine Fläche von 140 Quadratmetern noch frei und steht zur Vermietung.

Unerwartete Herausforderungen

Ein Vorteil für die Bauherrschaft war, dass die Profis genau wissen, welche Haustechnik und welche Installationen sie benötigen. Dabei tauchten dann allerdings auch ganz unerwartete Herausforderungen auf: «Wir mussten die interne Erschliessung umplanen», sagt Dieter Jenny. Zwar habe man bereits früher gemerkt, dass sich gewisse Flächen nicht leicht vermieten liessen, aber erst beim intensiveren Einstieg in die Materie wurde klar, dass Kompromisse nötig sein würden. Primär die Idee eines grösseren Retailers als «Anker» in Kombination mit kleineren einzelnen Mietern in einer luftigen Markt-Atmosphäre mit Lichthof bis ins untere Verkaufsgeschoss hielt der Realitätsprüfung auch aus Sicherheits- und Brandschutzgründen nicht stand.

«Sowohl Alnatura als auch Denner machten klar, dass sie die Flächen nur mit Anpassungen des Layouts so bespielen können, dass es für sie Sinn macht», sagt Alex Jenny. Am schmerzhaftesten: Auf die ursprünglich als wichtiges architektonisches Element gepriesene Rolltreppe im Zentrum der beiden «Hallen» muss verzichtet werden: «Vielleicht waren wir zu Beginn etwas naiv», sagt Alex Jenny rückblickend. Mit der notwendigen Umgestaltung taten sie sich nicht leicht: «Wir erarbeiteten fünf Varianten.» Am Ende entschied man sich, ganz pragmatisch, für einen Lift sowie eine Treppe in der südöstlichen Ecke des Gebäudes, welche die obere mit untere Verkaufsfläche verbinden. Beide Verkaufsflächen sind wie ursprünglich geplant weiterhin von aussen über Zugänge vom Dorfplatz, via die neue «Marktgasse» und direkt über das angeschlossene Dorfplatzparking erreichbar.

Das Atrium bringt Licht ins Gebäude

In den drei oberen Stockwerken des fünfstöckigen Gebäudes der von Ballmos Partner Architekten AG sind die 18 Wohnungen der Stiftung vorgesehen mit Sichtbezug zwischen der oberen Einkaufsebene und den Wohnungen über eine grosszügige Öffnung bis zum Dach. Ein solches Atrium mit natürlichem Lichteinfall wurde bereits beim neuen Gemeindehaus-Anbau umgesetzt.

Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde als Baurechtgeberin und Eigentümerin des Parkhauses und des nördlichen Teils des DOP, der abgerissen wird, empfanden Vater und Sohn Jenny als «extrem bereichernd». «Wir gehen gemeinsam in dieselbe Richtung», umschreibt Alex Jenny. Die bauliche Situation ist kompliziert. Vor allem die Themen Brandschutz, Anschluss an das bestehende Parkhaus und die Zivilschutzanlage sowie die Anbindung an die von der Gemeinde zu erstellende «Marktgasse» im Westen erwiesen sich als herausfordernd. 

Es gibt zahlreiche Schnittstellen und diverse involvierte Parteien, zumal sich das Parkhaus teilweise auf dem Boden der Swisscanto-Anlagestiftungen befindet. Für die Umgebungsplanung aus einem Guss wurde bewusst derselbe Landschaftsarchitekt engagiert, der vor sechs Jahren den neuen Dorfplatz gestaltete. 

Fassade mit sandgestrahlten Betonelementen

Der ursprünglichen Planung gegenüber wenig verändert hat sich das äussere Erscheinungsbild der «Markthalle». Die Fassade des Gebäudes wird mit vorgehängten, vorgefertigten und teilweise sandgestrahlten Betonelementen in einem grün-grauen Farbton gestaltet. 

Die Investoren rechnen mit Baubeginn Anfang 2022 und Fertigstellung im Herbst/Winter 2023 und sind nach wie vor mit Herzblut engagiert: «Es macht weiterhin Freude», sagt Dieter Jenny, «die vielfältigen, herausfordernden und manchmal auch kniffligen Aufgaben in diesem Projekt zu lösen.» Spätestens Mitte März können die Meilemer anhand der Bauvisiere erahnen, wie sich die Umrisse der Markthalle präsentieren werden. 

 

Ein Teil der Zentrumsentwicklung

Erstmals im Spätsommer vor dreieinhalb Jahren kommunizierte der Gemeinderat, dass am heutigen Standort des nördlichen Anbaus des ehemaligen Sekundarschulhauses – im bergseitigen Teil des Dorfprovisoriums DOP – im Rahmen der Zentrumsentwicklung ein Neubau mit Ladengeschäften entstehen soll. «In den weiteren Obergeschossen sind allenfalls Wohnungen vorgesehen», schrieb der Gemeinderat weiter. Damit solle das Angebot des Detailhandels im Dorfkern ergänzt und die Attraktivität von Meilen als Wohn- und Einkaufort weiter erhöht werden.

xeiro ag