Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Agrarintiativen gegen Handels- und Gewerbefreiheit

Die Pestizidinitiative verlangt das Verbot der Verwendung von synthetischen Spritzmitteln. Auch wir als Bio-Umstellbetrieb verwenden biologische Pestizide, aber keine synthetischen. Der Produktekatalog des bekanntesten Herstellers von Bio-Spritzmitteln umfasst 21 Seiten mit total 121 Spritzmitteln und Köderprodukten. Auch die Bio-Landwirtschaft kommt nicht ohne Pestizide aus, um gesunde Produkte ernten zu können.

Grosse Teile der konventionellen Landwirtschaft wurden von den Initianten zu Unrecht verteufelt, sie haben nämlich gar keine Kulturen, auf denen Pestizide eingesetzt werden müssen. Dies betrifft vor allem die Landwirtschaft in den Voralpen. 

Die Wartezeit, bis Umstell-Biobetriebe Milch als Biomilch abliefern können, beträgt mindestens zwei bis drei Jahre. Der Marktzuwachs ist klein. Es ist ein Irrglaube der Initianten, wenn sie meinen, die Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten würden sich klar dazu bekennen, in Zukunft täglich biologische Lebensmittel auf dem Teller zu haben. Jedermann soll weiterhin selber entscheiden können, ob er biologische Produkte einkaufen will oder nicht.

Die Trinkwasserinitiative geht noch weiter. Es sollen nur noch Betriebe Direktzahlungen erhalten, die ihr Futter selber produzieren. Wir sind ein solcher Betrieb. Auch diesen Winter haben wir wieder Heu an Biobetriebe verkauft. Auch Stroh können wir gut verkaufen, in die Voralpen, wo kein Getreidestroh vorhanden ist. Im Jahr 2018, mit der enormen Trockenheit, waren auch wir auf Zukäufe von anderen Höfen angewiesen, weil die Kühe im Winter sonst nichts mehr zu fressen gehabt hätten. Der Verkauf und Zukauf von Futtermitteln aller Art sind auf den Biobetrieben wie auch auf den konventionellen Betrieben oft eine Selbstverständlichkeit, da die Erträge auf den Feldern jedes Jahr schwanken und durch den Handel und Verkauf ausgeglichen werden müssen.

Die Trinkwasserinitiative will die gesamten Marktmechanismen ausser Kraft setzen. Die Staatswirtschaft à la DDR lässt grüssen.

Es ist am Parlament in Bern, die Direktzahlungen so zu ändern, dass Betriebe, die Spritzmittel dort einsetzen, wo es auch mit weniger Chemie ginge, gestoppt werden. Die beiden Initiativen untergraben ein Grundrecht der Schweiz, nämlich die Handels- und Gewerbefreiheit.

Anna und Edwin Bolleter,
Bio-Umsteller, Meilen

xeiro ag