Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

«5 Frauen, 50 Ideen» im Ortsmuseum

Der Titel «5 Frauen, 50 Ideen» ist äusserst interessant für eine Kunstausstellung – er verspricht viel, und die Ausstellung hält das Versprechen auch ein.

  • Die Künstlerinnen: Olga Schnyder, Svetlana Steiger, Irina Hofmann, Victoria Rechsteiner (v.l.). Aura Elli fehlt auf dem Bild. Fotos: zvg

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Die fünf Frauen haben ihre Wurzeln in der ehemaligen Sowjetunion und leben heute mehrheitlich in Meilen. Kennen gelernt haben sie sich durch den in Einsiedeln gegründeten Verein «Dialog», eine osteuropäische Kulturvereinigung.

Sie sprühen vor Ideen in der Kunst, sind sich aber in der Malerei sehr ähnlich, was zu einem Kunstgenuss in der Ausstellung sowie zu einer Einheit und Geschlossenheit der Ausstellung führt. Man ahnt in ihren Bildern oft die russische Seele, die Schwermut und die Sehnsucht nach Frieden und Geborgenheit. 

Arbeiten im Spätimpressionismus

Viktoria Rechsteiner arbeitet, wie auch mehrheitlich die anderen Damen, im Spätimpressionismus. Es entstanden so herrliche Blumenbilder. Besonders eindrücklich ist ein Seerosenbild, das in Monets Garten entstanden sein könnte. Beeindruckend ist auch eine junge Frau auf einer Wiese in einem in  wunderschönem Blau durchschimmernden, vom Wind leicht bewegten Kleid, die den Betrachter mit verführerischem Blick anschaut. 

Sehr bewegte Pferdebilder

Im Gegensatz dazu arbeitet ihre Tochter Aura Elli mehrheitlich in Grautönen. Es entstanden so sehr bewegte Pferdebilder. Den Pferden gilt ihre Liebe, und sie stellt dieselben in dynamisch bewegten Bildern dar. Sie spielen miteinander, galoppieren, werfen den Kopf nach hinten, und man spürt förmlich ihre physische Nähe. 

Man spürt förmlich die Sagenwelt

Svetlana Steiger widmet sich der Eleganz und Schönheit der Frau. Man fühlt sich in die Zeit der Wiener Secession zurückversetzt und an Klimt erinnert. Junge, hübsche Frauen in sehr eleganten Kleidern, im Stile Klimts gemalt, bewegen sich elegant im Bild. Besonders sei hier das Bild «Zarin» erwähnt, das in seiner Eleganz und Schönheit begeistert. Ganz im Sinne der russischen Schwermut sind Svetlana Steigers Landschaften. Da ist die Fähre, die nachts in den Hafen in Meilen einläuft, Nebel liegt über dem See, ein einzelner Ast ragt ins Bild und gibt ihm die Tiefe, und die Scheinwerfer spiegeln sich im Wasser. Man spürt förmlich die Geister des Sees, hört die Wellen plätschern, und die Sagenwelt wird lebendig. Ebenso beeindruckend ist die Szene im Küsnachter Tobel, vor allem wie sich hier das Licht im Wasser des Dorfbachs spiegelt. Oder wenn man nachts von der Fähre auf Meilen blickt. Der Himmel ist schwarz, aber wie Glühwürmchen leuchten die Lichter der Häuser. Sehenswert ist auch Svetlana Steigers Anleihe bei Chagall. 

Das Braun des Körpers der Marokkanerin

Irina Hofmann, in Richterswil zu Hause, hat sich am weitesten von der Schwere Russlands entfernt und führt den Betrachter über Seerosenbilder und eine traumhafte Küstenlandschaft zu wunderschönen Frauen nach Marokko. Wie sie das Braun des Körpers der Marokkanerin einfängt, wie sie es in all seinen Schattierungen zum Leuchten, Schimmern und Glänzen bringt, ist meisterhaft, und man glaubt, sie stehe lebendig vor einem. Irina Hofmann geht auch einen neuen Weg, indem sie aus 300 Meter farbigem Draht ein Pferd auf die Leinwand zaubert, das dadurch dreidimensional wird. 

Eindrückliche Bilder aus allen Jahreszeiten

Im Gewölbekeller des Ortsmuseums stellen die fünf Damen gemeinsam aus. Hier befinden sich wunderschöne Landschaften, eindrückliche Bergbilder aus allen Jahreszeiten, Winterbilder, gemalt im spätimpressionistischen Stil, in den Farben einfach grossartig. Der Birkenwald mit seinen grünbraunen und weissen Stämmen weckt Erinnerungen an Tolstoi und Dostojewski. Es ist eine Ausstellung, die man gesehen haben muss!

Vernissage morgen, geführte Workshops

Die Vernissage findet morgen Freitag um 18 Uhr im Ortsmuseum statt, begleitet von Gitarrenspiel und Gesang der jungen Musikerin «Jane in flames». Die Ausstellung ist geöffnet samstags und sonntags von 14.00 bis 17.00 Uhr. Um 15.00 Uhr findet jeweils ein geführter Malworkshop statt. Am 30. November gibt es von 15.00 bis 18.00 Uhr ein osteuropäisches Buffet mit Live-Musik vom Kulturverein «Dialog».

xeiro ag