Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

10'000 Fotos für drei Minuten

Andreas Köng macht Zeitraffer-Filme, die Stunden auf Sekunden reduzieren – in beeindruckender 8K-Qualität und brillanten Farben. Am liebsten zeigt der Meilemer unberührte Natur und wilde Landschaften.

  • Andreas Köng bei der Arbeit mit dem motorisierten Kamera-Slider. Foto: Martin Doebele

  • Ausschnitt aus «Swiss Landscapes» (Schynige Platte). Foto: Andreas Köng

  • Letzte Woche am Filmfestival Zürich. Foto: zvg

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Diese und letzte Woche ist das Zurich Film Festival: Andreas Köng war eingeladen. Nicht als Zaungast, sondern als Künstler. Seine 8K-Zeitrafferbilder werden im Festivalzentrum auf dem Sechseläutenplatz noch bis am Sonntag auf den brandneuen QLED-8K-Fernsehapparaten von Samsung gezeigt.

Was das menschliche Auge nicht wahrnimmt

Er habe extra für die Festival-Premiere einen Anzug kaufen müssen, um auf dem grünen Teppich eine gute Figur zu machen, lacht Köng.Seinen ersten Zeitrafferfilm drehte der heute 42-jährige Meilemer vor acht Jahren, «aber erst vor vier Jahren habe ich wirklich ernsthaft damit angefangen», erzählt er. Time-Lapse-Aufnahmen haben ihn in ihren Bann gezogen: «Man kann Dinge darstellen, die das menschliche Auge sonst nicht wahrnimmt, zum Beispiel, wie die Wolken über den Himmel ziehen.» 

Für ihn sind Zeitrafferaufnahmen die perfekte Symbiose von Foto und Film und eine wunderbare Möglichkeit, anderen Menschen die Schönheit der Landschaft zu zeigen: Der Mond steigt in wenigen Sekunden am Nachthimmel auf, die Schatten verändern sich im Eiltempo, und der Wind kräuselt die Wasseroberfläche wie der Blitz.

Dank Nachbearbeitung vom Foto zum Film

Andreas Köng ist es wichtig, an Orten zu drehen, die nicht schon zu bekannt sind. Das Matterhorn reizt ihn nicht, stattdessen filmt er etwa die Landschaft um den Talalpsee oberhalb von Filzbach im Glarnerland und achtet auch auf eine gute Bildkomposition. Im Meilemer Schälehuus hat er unter anderem bereits Kurse zum Thema Landschaftsfotografie gegeben. Das Dorf Meilen hat er allerdings nur ganz zu Beginn seiner Timelapse-Karriere aufgenommen, denn seine Leidenschaft gehört den Bergen. 

Technisch gesehen bestehen die Filme aus Einzelfotos. Erst in der aufwändigen Nachbearbeitung werden diese Fotos mit Hilfe einer speziellen Software zu einem Video geschnitten, wobei für 1 Sekunde 30 Einzelaufnahmen erforderlich sind. Für den dreiminütigen 8K-Film «Swiss Landscapes» brauchte es total 2 Terabyte Daten. Ist die Kamera einmal installiert und programmiert, kann der Fotograf deshalb in aller Ruhe daneben sitzen, die Elektronik arbeiten lassen und die Landschaft in Echtzeit auf sich wirken lassen.

Andreas Köng, der hauptberuflich in der Elektronikproduktion arbeitet, reizt immer auch die technische Seite seiner Projekte, die Herausforderung. Seine ersten Videos hat er noch in 4K-Auflösung erstellt und bereits damit einige Preise eingeheimst. Besonders stolz ist er, dass sein Video «Scotland 4K – A Timelapse Journey» von National Geographic Italia auf der Website gezeigt wird. 

Auf Wolken hoffen

Seit Ende 2017 besitzt Köng eine Sony A7RIII. Diese Kamera macht Fotos, die 42.4 Megapixel Auflösung besitzen, also genug, um damit ein 8K-Video zu erstellen. Noch gibt es nur wenig Inhalte in 8K-Auflösung und kaum TVs, die das Format abspielen können – der Samsung-TV, der am Zurich Film Festival vorgestellt wird, ist ein erster Vorgeschmack. Köng versichert aber, dass auch 4K-Monitore vom 8K-Material profitieren: «Das volle 4K-Schärfepotenzial wird ausgenutzt».

Fünf Monate ist der Vater von zwei Kindern durch die Schweiz gereist, um drei Minuten Film zu realisieren. «Noch ist es ein Hobby», sagt er, «aber mein Ziel ist es, einen Teil des Einkommens durch die Videos zu generieren.» Ein weiteres Ziel: 1000 Abonnenten auf youtube, heute sind es bereits fast 500, die sich über das erste auf youtube heraufgeladene 8K-Zeitraffervideo der Schweiz freuen.

Aktuell ist Andreas Köng mit seinem Equipment in Island unterwegs und hofft auf nicht allzu blauen Himmel – damit möglichst dramatische Wolkenbilder entstehen. 

Links zu den Videos: www.jahdouproduction.com. Um ein Video in 8K zu sehen, muss in den youtube-Einstellungen (Zahnrad beim Videofenster unten rechts) die entsprechende Qualität eingestellt werden.

xeiro ag