AZ Meilen · Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
Erscheint jeden Freitag · Bahnhofstrasse 28, 8706 Meilen, Telefon 044 923 88 33 · info juhui.antispam@protection.nospam meileneranzeiger.ch

Die hoffnungsvolle Zweideutigkeit von Weihnachten

«How the Grinch Stole Christmas!», veröffentlicht 1957 von Theodor Seuss Geisel, bekannt als Dr. Seuss, gehört zur literarischen Grundausstattung jedes englischsprachigen Kindes.
«Dr. Seuss» erzählt von den Machenschaften des «Grinch», der sich entschliesst, sämtliche Weihnachtsgeschenke und Esswaren der Menschen im Dorf «Whoville» zu klauen, um deren Weihnachtsfeier zu verderben. Er verkleidet seinen langmütigen Hund, Max, als Rentier und schleicht als fingierter Weihnachtsmann durchs Dorf. Am Weihnachtsmorgen staunt er aber nicht schlecht: Die Menschen in Whoville sind zwar etwas überrascht, als sie ihre Sachen nicht finden können, lassen sich aber erst recht nicht davon abbringen, den Tag zu geniessen und fröhliche Weihnachtslieder zu singen. Grinchs Herz wird auf einmal weich, er bringt die Geschenke zurück und feiert am Schluss Weihnachten mit dem ganzen Dorf – Max, das wieder zum Hund gewordene Rentier, bekommt sogar den ersten Bissen.
Die Geschichte vom Grinch und seinem Dorf bringt die hoffnungsvolle Zweideutigkeit von Weihnachten besser zum Ausdruck als manches Kirchenlied. Schon die biblischen Geschichten von den Königen oder von Maria und Josef drehen sich um widersprüchliche Erfahrungen: Gastfreundschaft und Desinteresse, Betrug und Idealismus, Sehnsucht und Realität. Die Protagonisten werden enttäuscht, misshandelt oder ausgetrickst. Zu Unrecht natürlich – und doch, wer meint, eine Prise Naivität spiele darin auch eine Rolle, hat nicht Unrecht. Am Schluss zeigt sich aber, dass sie aus einer Überzeugung handeln, die bestätigt wird: Vertrauen in Gott und Menschen ist kein Schwachsinn, sondern eine realistische Lebensstrategie.
Natürlich kommt man auch in einem reellen, zeitgenössischen Dorf an Erfahrungen von Unfairness oder Enttäuschung nicht vorbei. Ein Pfarrer kommt in den Genuss von weiten und kontrastreichen Freundeskreisen – und anschliessend an die kirchlichen und politischen Gemeindeversammlungen der letzten Wochen habe ich mit Leuten gesprochen, die in den jeweiligen Diskussionen gegenseitige Meinungen vertraten. Etwas hatten sie aber gemeinsam: Das Gefühl, missverstanden oder gar ausgetrickst geworden zu sein. Ob es nicht besonders traurig – sogar unpassend! – ist, die Adventszeit mit solchen Quälereien zu beschweren?
Von wegen! Genau deshalb feiert man Weihnachten – als Zeichen, dass wir in einer Welt leben, die zwar nicht immer heil ist, die aber doch geheilt werden kann. Es mag länger gehen, als uns Recht ist, und es mag mehr Mut und Nerven verlangen, als man eigentlich aufbringen will. Aber nach einer komplett unbescholtenen Adventzeit gäbe es eigentlich keinen Grund, Weihnachten zu feiern. Und so wünsche ich Ihnen auch dieses Jahr frohe Weihnachten – mit so viel Mut, Versöhnlichkeit und Segen, wie Sie dieses Jahr gerade nötig haben.
Übrigens: Wer die Geschichte vom Grinch auf Deutsch lesen will, findet sie auch in der Übersetzung von Eike Schönfeld, «Wie der Grinch Weihnachten gestohlen hat» (Rogner & Berhard, 2000). Und natürlich: Es gibt sogar einen Film dazu. Aber wenn’s irgendwie geht: Wagen Sie es doch auf Englisch!

Hardmeier

Aus dem aktuellen Inhalt

  • Radsportfest zum Jahresauftakt

    Zum zweiten Mal in Folge trägt die Schweizer Radquerserie EKZ CrossTour ihr entscheidendes Finalrennen auf der Meilemer Allmend aus.
    Dabei stehen am Montag, 2. Januar 2017 nicht ausschliesslich die Spitzenathleten im Vordergrund. Die EKZ CrossTour soll auch ein Treffpunkt für die Bevölkerung sein und dabei Sport, Gesellschaft und Kulinarisches verbinden.
  • Ergebnisse des Workshops zur Nutzung von Saalbau und DOP
    Welche Nutzungen sollen der geplante Saalbau am Dorfplatz und das Alte Schulhaus Dorfmeilen (DOP) aufnehmen? Ein Workshop brachte mehr Klarheit.
    Über dreissig Teilnehmende diskutierten im Synergie-Workshop vom 6. Oktober im Gemeindehaus die Erkenntnisse der im Sommer durchgeführten Bedarfserhebung. Ziel war, verschiedene Nutzungsszenarien mit dem individuellen Blick der Vereine, gleichzeitig aber auch im Hinblick auf die Bedürfnisse aller Meilemerinnen und Meilemer zu bewerten.
  • Energiestadt-Jahr im Rückblick
    Die Gemeinde Meilen ist seit 2004 Energiestadt. Energiestädte fördern erneuerbare Energien, umweltverträgliche Mobilität und setzen auf eine effiziente Nutzung der Ressourcen.
    Die Legislaturziele des Gemeinderates Meilen sahen vor, dass bei der Rezertifizierung 2016 das Energiestadt-Gold-Label angestrebt werden soll. Das Gold-Label ist die höchste Auszeichnung für Energiestädte und bedeutet, dass 75% der möglichen Punkte erreicht wurden. Meilen trägt das Top-Label seit Oktober 2016. Um dieses zu erreichen, wurden die Aktivitäten in verschiedenen Bereichen verstärkt.
  • Buech-Weihnacht im eigenen Pfadiheim
    Rund 200 Personen besuchten am Samstag das Pfadiheim Buech in Herrliberg, besichtigten das Haus und feierten eine Pfadi-Weihnacht mit grossem «Geschenk». Die Pfadis luden zur Buech-Weihnacht, um den Abschluss der Sammelaktion für den Kauf der Liegenschaft zu feiern und das vergangene Pfadijahr Revue passieren zu lassen.