Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

«Wir sind auch verantwortlich für das, was wir nicht tun»

Zum diesjährigen Nationalfeiertag sprach in Meilen ein vergleichsweise junger Redner. Der international tätige Unternehmer und Hirnforscher Pascal Kaufmann begeisterte das Publikum mit interessanten Gedankengängen.

  • 1. Augustrede Meilen

    Pascal Kaufmann mit «Roboy», einem Roboter, der zum Teil in Meilen entwickelt wurde. Fotos: MAZ

  • 1. Augustrede Meilen

    Für die musikalische Umrahmung sorgte der Männerchor Meilen.

  • 1. Augustrede Meilen

    Als Dank für die interessanten Ideen gab es einen Früchtekorb aus den Händen von Festordner Urs Bischof und Gemeindepräsident Christoph Hiller.

  • 1. Augustrede Meilen

    Volles Haus: Rund 500 Personen kamen, um die Ansprache zur Bundesfeier zu hören.

  • 1. Augustrede Meilen

    Der Festredner Pascal Kaufmann mit seiner Partnerin.

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Die Feier begann mit dem Einzug der Fahnenträger: des Handballclubs, des Schützenvereins, der Sportschützen, des Samaritervereins, des Sporttreffs und des Männerchors. Der Chor eröffnete dann die mit rund 500 Personen gut besuchte Geburtstagsfeier der Schweiz. Und Gemeindepräsident Christoph Hiller liess es sich auch nicht nehmen, einem weiteren Geburtstagskind zu gratulieren: Die ehemalige Gemeinderätin Helen Gucker ist nämlich auf den Tag genau 650 Jahre jünger geworden als die Schweiz.

Das Ziel: Ein künstliches Hirn

Mit Pascal Kaufmann habe er für dieses Jahr einen unüblich jungen Redner verpflichtet, sagte Hiller anschliessend; für einmal habe er ausser dem Wohnort kaum etwas mit ihm gemeinsam. Allerdings würden sie zur selben Friseurin gehen. Was überraschen mag, da Kaufmann auch in New York einen Wohnsitz hat. Aber, so meinte Hiller, wahrscheinlich sei eben die Frisur des Meilemer Gemeindepräsidenten doch die besser Referenz als die des Präsidenten der USA. 

Der diplomierte Biologe und Hirnforscher Pascal Kaufmann lebt seit zehn Jahren in Meilen und hat hier seine Firma Starmind gegründet. Dabei geht es – vereinfacht gesagt – darum, ein künstliches Hirn zu schaffen. Um dies zu veranschaulichen, hatte Kaufmann Roboy mitgebracht, einen Roboter, der zu grossen Teilen in Meilen entwickelt wurde. 

Pascal Kaufmann präsentierte diese Schöpfung, indem er sagte, Roboy sei einer der ersten Vorboten einer neuen Welt und einer neuen Spezies, die vom Menschen geschaffen werde. «Ich bin sicher, dass eines Tages unsere Zeit als eine Zeit in die Geschichtsbücher eingehen werde, in der das Zusammenleben der Menschen grundlegend verändert worden ist.» Grosskonzerne wie Google, Apple und Facebook würden unser Denken und Leben bereits heute mehr beeinflussen, als uns bewusst ist. 

Naive Schweizer

«Wir Schweizer verhalten uns diesbezüglich erstaunlich naiv»: Freiheit, Selbstbestimmung und der Schutz der Privatsphäre seien uns doch sehr wichtig, sagte Kaufmann weiter. Gerade diese Bereiche würden aber von besagten Grosskonzernen mehr und mehr beeinflusst. Dieser Tage werden Milliarden in das Knacken des «Brain Codes», also in die Schaffung künstlicher Intelligenz investiert. Wem dies gelinge, der habe im Machtspiel der Zukunft einen entscheidenden Vorteil. Wir als Schweizer sollten doch ein besonderes Interesse daran haben, diesen Erfolg nicht irgendwelchen obskuren Unternehmen oder diktatorischen Mächten zu überlassen: «Gerade wenn uns die Selbstbestimmung so wichtig sei, sollten wir in diese Technologien investieren und die besten Köpfe der Welt engagieren, um bei der Entschlüsselung des Brain Codes eine führende Rolle zu übernehmen.» 

Das stehe auch in bester helvetischer Tradition, hat doch die Schweiz verglichen mit ihrer Grösse weltweit am meisten Nobelpreisträger hervorgebracht.

Die Schweiz muss eine entscheidende Rolle spielen

«Vergessen Sie nicht», gab Kaufmann den Anwesenden zu bedenken, «wir sind nicht nur für das verantwortlich, was wir tun. Wir sind auch für das verantwortlich, was wir nicht tun! Wir können und wir müssen eine entscheidende Rolle spielen im globalen Rennen um die Entschlüsselung des Brain Codes.» 

Pascal Kaufmanns Rede war mehr als in anderen Jahren eine Rede, die energisch die Zukunft in den Blick nahm und die Schweizerinnen und Schweizer daran erinnerte, dass wir die Schmiede unseres Glückes und Unglückes sind. Der lang anhaltende Beifall zeigte die Begeisterung der Anwesenden.

Feuerwerk dank Sponsoring

Christoph Hiller schliesslich dankte nach allen Seiten und konnte Erfreuliches mitteilen: Das aus Spargründen aus dem Budget gestrichene abendliche 1.-August-Feuerwerk der Gemeinde konnte dank eines anonymen Spenders aus Feldmeilen nun doch stattfinden. 

Nun wurde der von der Gemeinde offerierte Apéro gereicht, und noch lange sass die Festgemeinde beisammen und genoss die gute Stimmung. Festordner Urs Bischof führte knapp und sicher durch den Anlass, und der Handballclub Meilen leistete wertvolle Dienste bei der Verpflegung der Gäste. 

xeiro ag