Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Viele Zahlen und ein Temporekord

Das sei eine rekordverdächtig schnelle Gemeindeversammlung gewesen, meinte Gemeindepräsident Christoph Hiller am Montagabend um 21.15 Uhr: Nicht mehr als eine Stunde hatte die Verabschiedung der Jahresrechnung und einer Abrechnung gedauert.

 

  • Gemeindeversammlung

    Nach der Gemeindeversammlung wurde in der Seeanlage vor dramatischem Abendrot Weisswein aus dem Dorf ausgeschenkt. Foto: MAZ

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125 Personen liessen sich im «Löwen»-Saal von Finanzvorsteherin Beatrix Frey-Eigenmann die Jahresrechnung 2016 erklären. Sie schliesst mit einem Defizit von etwas über 2,3 Mio. Franken ab: Einem Aufwand von 136,55 Mio. Franken steht ein Ertrag von 134,21 Mio. Franken gegenüber. Im Voranschlag war mit einem noch grösseren Defizit von 4,53 Millionen gerechnet worden. 

Dass das Ergebnis besser ausfiel, lag aber nicht daran, dass mehr Steuern eingenommen wurden als erwartet, wie die Finanzvorsteherin erklärte: «Bei den Steuererträgen haben wir alles in allem eine Punktlandung hingelegt», sagte sie. Es wurden also von den Meilemern unter dem Strich so viel Steuern entrichtet wie budgetiert, und die Steuereinnahmen sollten sich, so wird erwartet, auch weiterhin positiv entwickeln.

Die Kehrseite der Medaille

Eine Abkühlung ist allerdings bei den Grundstückgewinnsteuern zu verzeichnen: Die einzelnen Handänderungen sind tendenziell weniger ertragreich. Für 2017 sind noch 10 Millionen Franken budgetiert, im 2016 wurden noch knapp 13 Millionen erwartet und 12,48 Mio. schliesslich eingenommen. 

Die Kehrseite der Medaille ist der immer höhere Finanzausgleich, den Meilen dem Kanton Zürich zu entrichten hat. Im Rechnungsjahr waren es knapp 27 Millionen Franken. Beim aktuellen Steuerfuss von 79 Prozent müssen von jedem Franken zusätzlicher Steuerkraft rund neun Zehntel abgeliefert werden. Ein Blick in die Zukunft liess zusammenzucken: 2019 könnte der Betrag auf über 40 Millionen Franken anwachsen. Wie der Finanzausgleich berechnet wird, hatte Beatrix Frey-Eigenmann in der Infostunde vor der Gemeindeversammlung erklärt (siehe separaten Artikel). 

Negative Parkhaus-Überraschung

Verantwortlich für das bessere Ergebnis sind also hauptsächlich Mehreinnahmen und Minderausgaben in den Bereichen allgemeine Verwaltung und soziale Wohlfahrt. Insgesamt sei das Resultat die Folge vom sorgfältigen Umgang mit Steuergeldern und «Glück gehabt», meinte Beatrix Frey-Eigenmann. So wies beispielsweis die FEE (Familien- und schulergänzende Betreuung) Minderkosten von über 450'000 Franken aus. Die Finanzvorsteherin verschwieg auch nicht, dass es die eine oder andere negative Überraschung gab. Die Einnahmen aus dem neuen Dorfplatz-Parkhaus etwa wurden zu optimistisch budgetiert – die Mieteinnahmen und Parkplatzgebühren liegen mit lediglich 0,2 Mio. Franken um rund 0,18 Mio. Franken unter Budget. Dafür resultierte aus dem neuen Parkregime im Dorf mit Parkuhren ein Plus von 100'000 Franken.

In der ausführlichen Weisung (online abrufbar auf www.meilen.ch) lässt sich im Detail nachlesen, was wo gespart oder mehr eingenommen wurde. Erstmals wurde den Stimmberechtigten statt der Weisung nur eine Kurz-Einladung zugestellt. Damit spart man mehrere zehntausend Franken jährlich.

Selbstfinanzierungsgrad ist zu tief

Sorgen bereitet weiterhin der
Cashflow, der mit rund 6,3 Mio. Franken deutlich unter den 10 Millionen liegt, die nötig wären, um die Werterhaltung der bestehenden Infrastruktur zu sichern. «Seit 2011 leben wir ‚aus dem Kässeli’», brachte es Beatrix Frey-Eigenmann auf den Punkt. Und der Trend ist ungebrochen: In den Bereichen soziale Wohlfahrt, Bildung und Pflegefinanzierung fallen Jahr für Jahr höhere Kosten an. Noch sei die Kasse ja einigermassen gut gefüllt, sagte die Finanzvorsteherin, doch langfristig werde es problematisch. Bereits jetzt beträgt der Selbstfinanzierungsgrad nur noch rund 25 Prozent statt der angestrebten mindestens 35 Prozent.

 

Einstimmig angenommen

Trotz des Defizits und der warnenden Worte von Beatrix Frey-Eigenmann hatten die Versammelten kaum Einwände oder Fragen. Ein Votant wollte wissen, was es mit der Umbuchung eines Darlehens in der Höhe von rund 8,3 Mio. Franken an die Spital Männedorf AG auf sich habe. Diese Umbuchung vom Finanz- in das Verwaltungsvermögen erfolgte aufgrund einer Verfügung des Kantons Zürich. Schliesslich wurde die Jahresrechnung 2016 einstimmig angenommen.

Auch die Abrechnung über den Baukredit von 671'265.25 Franken für den FEE-Pavillon in Obermeilen genehmigte die Versammlung einstimmig. Im Pavillon befinden sich der Mittagstisch und der Schülerclub. Präsentiert wurde die Rechnung, die mit rund 26'500 Franken Minderkosten abschloss, von Schulpräsidentin Cordula Kaiss statt von Gemeinderätin Irene Ritz. Christoph Hiller erklärte den traurigen Grund für das Fehlen der Liegenschaftenvorsteherin: Irene Ritz’ allseits bekannter und geschätzter Ehemann Geni Ritz ist in der Nacht vom Sonntag auf Montag nach langer Krankheit verstorben.

Apéro in der Seeanlage statt im Gewölbekeller

Anschliessend an die Versammlung lud Gemeindepräsident Christoph Hiller die Versammelten zum Umtrunk in der Seeanlage statt im Gewölbekeller. Wer gedacht hatte, die Gemeinde spare nun auch beim Apéro, lag übrigens falsch: Die feinen Flammkuchen und Schinkengipfeli wurden mit etwas Verspätung doch noch geliefert – offenbar war man in der Löwen-Küche vom erstaunlich frühen Ende der Versammlung überrascht worden.

xeiro ag