Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Vernissage von «Meilen kreativ» im Ortsmuseum

Den Ausstellungsmachern ist es gelungen, Werke von sehr guter künstlerischer Qualität von Meilenern und Meilenerinnen zusammenzutragen. Fast alle Kunsttechniken sind vertreten. Davon konnten sich die Gäste der Vernissage vom vergangenen Freitag im Ortsmuseum persönlich überzeugen.

  • Gruppenbild der ausstellenden Künstlerinnen und Künstler im Gewölbekeller des renovierten Ortsmuseums. Fotos: MAZ

  • Eine Besucherin studiert das Werk der Plastikerin Maria Mathis.

  • Der Elefant im Porzellanladen: Auf dem Bild von Thomas Spuler gibt es viel zu entdecken.

  • Liza Lütolf-Fischer hält Erinnerungen an den Sommer fest.

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Es entstand sogar eine Einheit des Ausgestellten, was bei so vielen unterschiedlichen Teilnehmenden mit ganz verschiedenen Kunstauffassungen wahrlich nicht selbstverständlich ist. Vertreten sind die Malerei, die Textilkunst, die Bildhauerei sowie die Kunst des Aquarellierens. Allerdings fehlen die Zeichnung, der Scherenschnitt und die Fotografie. 

Zarte Holzschnitte und getragene Schuhe

Alle Ausstellenden zu würdigen, obwohl sie es verdient hätten, sprengt den Rahmen. So seien einige der auffälligsten Arbeiten hervorgehoben. Betritt man das Ortsmuseum und begibt man sich in den linken Raum, so steht man bewundernd vor den Holzschnitten des betagten Kartographen Heinz Leuzinger. Er schöpft aus seiner Erinnerung einerseits und andererseits aus seiner unmittelbaren Umgebung. Die Holzschnitte sind sehr reduziert und in zarten Farben gedruckt. Ein kahler Baumstamm in Braun, darüber ein kleiner Zweig, frei schwebend, mit wenigen grünen Blättern, auf einem Ast ein Vögelchen sitzend. Seine Arbeiten erinnern an jene von Hainard und von Gehr. 

Für das grosse Bild, das sich aus verschiedenen Teilen zusammensetzt, fand Leuzinger die grosse Glockenblume im Garten vor dem Altersheim, die Mauer mit der Eidechse ist Teil der Friedhofsmauer, und der Wald befindet sich hinter der Alterssiedlung zum Tobel hin – ein Tryptichon in einem Bild. Tägliche Eindrücke, wunderschön eingefangen! 

Gegenüber zeigt Kaja Gähler alte, getragene, braune, bearbeitete Schuhe, die für sie mit unvergesslichen Erlebnissen verbunden sind. Sehr eindrücklich sind im Gang die Bilder von Liza Lütolf-Fischer. In wunderschönen Farbabstufungen hält sie Erinnerungen aus den Ferien fest. Einerseits sind die Porträts in einer fotografischen Sachlichkeit gemalt, anderseits lebt die Umgebung von einer Idylle und Romantik. Besonders beim Gartenrestaurant ist das gut zu sehen. Man sitzt in der Abendstimmung unter Bäumen an einem Tisch, umgeben von sommerlicher Wärme, und wäre auch sehr gerne dort. Das Ganze ist in warmen Farben gemalt. Anders beim Bild «Amsterdam», bei dem man eine gewisse Kälte des Frühlings spürt. 

Der schwierige Schnee

Hanspeter Stumps reizende Aquarelle halten landschaftliche Eindrücke und Erinnerungen fest. Besonders beeindruckend ist eine Winterstimmung. Schnee zu malen ist sehr schwierig! Monika Müggler hingegen widmet sich der abstrakten, fast informellen Malerei. Die Farbsinfonien strahlen eine gewisse Strenge und Kühle aus. Ganz im Gegensatz dazu ein Bild mit Blau und Weiss. Es ist wohl das Meer, über das der Wind streicht. Über dem Gesamten liegt weisser Dunst und lässt den Betrachter rätseln, was sich darunter wohl verstecken könnte. Sehr gut passen die von Ursula Büttner gestalteten Quilts in ihren verhaltenen, beruhigenden Farben dazu. 

Im Keller befinden sich die Wilden. Hier explodieren die Farben! Beeindruckend ist die Landschaft mit einem See und Bergen im Hintergrund von Victoria Rechsteiner. Es ist eine Abendstimmung, die Sonne bescheint noch die Wolken und spiegelt sich im dunklen See, und es zieht sich eine Spur von Steinen im Vordergrund quer durchs Bild. Man erlebt eine etwas düstere Stimmung in wunderschönen Blauabstufungen, die aber nicht Angst und Furcht einflösst, sondern eher beruhigt und zum Träumen und Nachdenken verleitet. 

In ähnlicher Art sind die Bilder ihrer Tochter Saniya Sagutdinova. Der Hintergrund ist meist eher dunkel, aber das Mädchen, das ein Kalb liebkost, ist in herrlichen Farben gemalt. Auf seinem Kleid spiegelt sich die Sonne, die Umgebung versprüht Kraft und zeigt uns den Sommer. Doch Lebensfreude strahlen sie nicht aus, sondern eher Sehnsucht nach Liebe und Zärtlichkeit. 

Das Beste: Meditationsbilder

Zum Besten der Ausstellung gehören die drei Bilder von Manuela Alice Naef-Bianchi. Sie sind in sehr zarten Grau- und Brauntönen mit etwas Weiss gemalt. Man sieht eine junge Frau hinter einem Vorhang oder Fenster stehen, aufrecht, von der Seite her gesehen. Ein leichter Schleier liegt über dem ganzen Bild. Was macht diese Frau, wovor hat sie Angst? Geht sie zu Bett? Es sind Erzähl-, ja es sind Meditationsbilder, geheimnisvoll und doch voller Zärtlichkeit. 

Hervorragend in ihrer künstlerischen Fertigkeit sowie in ihrem Ausdruck sind die Plastiken von Maria Mathis. Sie sind wahrscheinlich aus Bronze, die dunkel, oft fast schwarz ist. Elegant und schlank stehen sie da, mit nach oben gestreckten, leicht gebeugten Armen, in ebenfalls aus Metall gearbeiteten Abendroben. Sie symbolisieren tänzerische Bewegungen, verführerisch in ihrer Haltung, den Betrachter auffordernd zum Mittanzen. Daneben befindet sich ein Dreigestirn aus Beton, das aber so gearbeitet wurde, als wäre es aus Gips. Ohnehin versteht es Mathis, die von ihr bearbeiteten Materialien optisch zu verändern. 

Eine Augenweide sind die Arbeiten von Thomas Spuler. Sie sind von hervorragender malerischer Qualität und sehr witzig. Seine Porträts wurden in der Art der fotografischen Sachlichkeit gemalt. Aber beim grossen Bild mit dem Elefanten im Porzellanladen muss sehr genau hingeschaut werden. Der Elefant ist unglaublich genau gemalt, jede Hautfalte ist exakt erkennbar. Aber im Gegensatz zu manchem Politiker im Porzellanladen zerschlägt und zerstört der Elefant nichts. Er hebt vorsichtig und elegant sein Bein, schreitet voller Gefühl über die Schachtel mit Glaskugeln hinweg. Und die Kundin im angrenzenden Raum kehrt uns den Rücken zu, da sie gar nichts bemerkt. Das Bild ist gefüllt mit unzähligen Gegenständen und strahlt eine Ruhe und Liebe zum Tier aus. Im Bild daneben wird ein Raum gezeigt, der einem Messie gehören könnte, so angefüllt ist er. Auch die Perspektive ist sehr eigenartig, gibt dem Raum im Bild aber eine gewisse Gelassenheit. Um alles zu erkennen, was hier dargestellt ist, müsste man sehr lange und sehr genau hinschauen. 

Witzige Collagen

Zum Abschluss nehme man sich die Zeit und geniesse die Collagen von Freda Alschuler: Es sind Collagen kombiniert mit Malerei. Ganze Geschichten werden hier mit Witz, Humor und viel Weisheit erzählt. Man erkennt Meilen sowie auch Zürich und andere Orte und staunt, wie viel über diese Orte mitgeteilt wird. Aber den Höhepunkt bildet das Porträt von Ex-Bundesrat Couchepin, das aus verschiedenen, übereinander geklebten Gesichtern besteht und an Mephisto erinnert…

Diese Schau mit Werken von 25 Künstlerinnen und Künstlern aus Meilen bietet einen sehr interessanten Überblick über das künstlerische Schaffen in der Gemeinde und ist ein abwechslungsreiches Sehvergnügen – darüber waren sich die gut hundert Besucherinnen und Besucher der Vernissage vom vergangenen Freitag einig. 

Kreativität kann teuer werden

Die Ausstellungseröffnung im Ortsmuseum war auch insofern speziell, als sich das OMM nach der Renovation erstmals im Zusammenhang mit einer Wechselausstellung im aufgefrischten Kleid präsentierte (die neue Dauerausstellung wurde bereits in der Woche zuvor eröffnet, siehe auch Meilener Anzeiger von letzter Woche). 

Gemeindepräsident Christoph Hiller war ebenfalls zu Gast und lobte in seiner Rede die Schaffenskraft der Künstlerinnen und Künstler, bevor er den Bogen zur Politik schlug: «Die Steuerzahler sind wohl froh, wenn die Politiker nicht allzu kreativ sind – es könnten ja noch Ideen daraus resultieren, die am Ende sogar etwas kosten…» Es sei auf jeden Fall nicht selbstverständlich, dass in Meilen, in viertelstündiger Distanz von Opernhaus oder Kunsthaus, ein eigenständiges und hochstehendes Kulturprogramm angeboten werde.

Nach einer Würdigung einer Auswahl von Werken durch den Gemeindepräsidenten hiess es dann: Viel Spass beim Entdecken! Und wer genug hatte von Kunst, der konnte sich am Brot laben, denn beim Apéro gab es Selbstgebackenes aller ausstellenden Kreativen.

«Meilen kreativ», Ortsmuseum, Kirchgasse 14, Meilen. Ausstellung noch bis 10. Dezember, offen jeweils Samstag und Sonntag, 14.00 bis 17.00 Uhr.

xeiro ag