Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Teuflische Live-Hörspiele auf der Löwen-Bühne

Über 42 Jahre Erfahrung in szenischer Gestalt: Das «Schreckmümpfeli» bot am Mittwoch letzter Woche geistreiche Unterhaltung zum Mitdenken.

  • Hörspiel auf der Bühne mit Begleitung am Piano (Till Löffler). Fotos: MAZ

1/1

Zur Begrüssung erinnerte MGM-Copräsident Alain Chervet das – leider nicht sehr zahlreiche – Publikum an Zeiten, wo er sich als Knabe mitwochs jeweils um 23 Uhr vom Wecker aus dem Schlaf holen liess, um quasi unter der Bettdecke auf SRF 1 die Sendung «Schreckmümpfeli» zu hören – das Kultformat, das Voraussetzungen wie «Neid und Hass, Eifersucht und Gier, Rache und Machtstreben» erheischte. Am Mittwoch vergangener Woche nun waren die besten der kurzen, schwarzhumorigen Kult-Krimis als schaurigschöne Live-Hörspiele auf der Bühne zu erleben.

Alain Chervet verdankte die Zusammenarbeit der Mittwochgesellschaft Meilen (MGM) mit der Redaktion «Hörspiel und Satire» von Radio SRF 1, welche derartige gehaltvolle Unterhaltung ermöglicht. Die Protagonisten Karin Berry (mit ausserordentlicher Diktion in Presto-Passagen und gehobener Intonation singend), Franziska von Fischer, Christian Heller, Siegfried Terpoorten (alle studiogemäss vom Blatt lesend) und Till Löffler (Klavier- und Song-Komponist, sehr begabter Improvisator) gaben unter der Ägide von Regisseur Buschi Luginbühl auf hohem Niveau ihr Bestes, den gegebenen Bühnen-Rahmen adäquat nutzend. Der Programmreigen war geschickt in vier «Moderationen» aufgeteilt.

1. Moderation: Vampire

Nach dem Intro des Pianisten Till Löffler (er ersetzte auf Tasten das ehemals mittels Sägeblatt realisierte «Guten Abend, gut' Nacht» von Johannes Brahms) war u.a. von Heinrich Manz im Gespenster-Zimmer, von fünf kleinen schwarzen Fingern, von Blutegeln («ihre Geschichten sind so alt wie die Welt»), von Frauengesang (sarkastisch von Windmaschinengeräusch untermalt) die Rede. Das Zitat von Beethovens Allegretto aus der 7. Sinfonie A-Dur op. 92 rückte die Stimmung ins rechte Licht, die Zuhörer so zur 2. Moderation («Rache») führend.

2. Moderation: Rache

Gedankengänge wie «Das Strafen befriedigt das Gehirn» erinnerten  dabei ebenso an vergangene Sendungen wie «Alles habe ich für Dich getan». Vom Unfall-Protokoll führte die Nummernabfolge über eine Dealer-Jagd zur Frage: «Wer war der Fixer?», und alsbald vernahm man «Chim Chimmeny» aus dem unvergesslichen Broadway-Musical «Mary Poppins». Das darauffolgende Vertauschen der vergifteten Sektgläser endete artgerecht mit «Ihr Pech können Sie sich abschminken» und erntete Szenenapplaus. Das Publikum hatte oft zu schmunzeln, zu lachen, aber auch zu sinnieren. Nach der Pause dann erfuhr man in der 3. Moderation (Beziehungsdelikte, Gift) von der eigenen Frau als Killer.

3. Moderation: Beziehungsdelikte, Gift

Im Tango «Wenn schon sterben, dann mit Stil», kulminieren gegenseitige Abschiedsbriefe im «Wiedersehen in der Ewigkeit»: «Höchste Zeit, die Notbremse zu ziehen». «Du fühlst Dich wie gehackt» passte – arg sarkastisch – zum Bauchschuss. In die gleiche Richtung zielte der Entschluss «er muss sterben», ehe man sich heiter im Lied «Ach, das ist bitter… ja, das ist es wirklich» erging. Weiter gings zur 4. Moderation – «Schicksal».

4. Moderation: Schicksal

Sie führte über den Titel «Es spricht der Tod» zum Lied «Geben Sie acht» (von Georg Kreisler), und über die gesprochenen «Das Karma», «Der Illusionist», «Minimümpfeli» zum Schluss-Titel «Tingeltangel», ehe über «der Vorhang kracht» das finale «die nächste Nummer steigt nicht mehr» den Reigen abschloss. 

Ein bunter Strauss 42-jähriger Wirkungszeit fand so sein wohlgelauntes Ende. Der Begeisterung kann nochmals nachgelebt werden: am 31. Januar 2018 wird das Programm in der Villa Streuli, Winterthur, gegeben.

Vorher, am Abend des 18. November mit Beginn um 19 Uhr, steigt im «Löwen» die zweite «Ballnacht» der MGM. Das – menschlichere – Motto ganz ohne teuflische Pläne lautet «Casino Royale». Anmeldung online: www.mg-meilen.ch.

xeiro ag