Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Immer wieder mit Neuem überraschen

Zum zweiten Mal in diesem Jahr werden im Ortsmuseum Fotografien und Bilder ausgestellt. Die Fotos und Glasgravuren stammen von Beatrice Roth aus Höngg ZH, die den oberen Stock bespielt. Somit gehört der untere Teil dem Meilemer Tausendsassa Albert Sidler beziehungsweise dessen Bildern und Keramiken.

  • Beatrice Roth ist in den unterschiedlichsten Bereichen künstlerisch tätig und hat sich unter anderem auf Fotografie spezialisiert.

  • Beatrice Roth ist in den unterschiedlichsten Bereichen künstlerisch tätig und hat sich unter anderem auf Fotografie spezialisiert.

  • Albert Sidler gilt als wahrer Kunst-Tausendsassa. Er zeigt seine neuen Keramikarbeiten.

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Beatrice Roth ist eine Autodidaktin und erreichte durch grossen Einsatz und unglaubliche Lernbereitschaft grosses künstlerisches Können. Bei der Fotografie ist es wichtig, das Auge fürs Sujet, den Ausschnitt und die Situation zu haben und rasch zu reagieren – das beherrscht sie vollkommen. 

 

Ein Auge für den Moment

Eigentlich wollte Beatrice Roth sich als junge Frau der Mode widmen, doch der Vater fand, es müsse etwas Richtiges gelernt werden und schrieb sie in der Handelsschule ein, die sie erfolgreich abschloss. Es gelang ihr aber sehr rasch, ihren Beruf und den Wunsch, Modedesignerin zu sein, zu verbinden, indem sie bei der damals bekannten Frauenzeitschrift «Orella» als Redaktionssekretärin arbeitete und die Chefredaktorin schnell erkannte, dass Beatrice Roth eine äusserst kreative Mitarbeiterin war. Sie durfte für die Zeitschrift Kleidermodelle entwerfen, mit denen sie verschiedene Preise gewann. Mehrere Jahre führte sie für ihren Mann, der ein bekannter Werber war, das Sekretariat. 

Doch Beatrice Roth wollte mehr und nahm bei Frau Weber in Erlenbach Kurse im Glasritzen. Die im Ortsmuseum Meilen (OMM) ausgestellten Objekte zeigen, dass sie es auch hier zu absoluter Meisterschaft brachte. So zieren Blumen und Blätter voller Zartheit Vasen und Schalen. Aber auch das genügte Beatrice Roth nicht, und da sie schon immer fotografierte, unternahm sie mit dem bekannten Fotograf Dölf Reist Reisen. Er wurde zu ihrem Lehrer. Das erste, was er ihr sagte, war: «Verwende nie ein Stativ.» Das bedeutete, dass sie lernen musste, den Atem beim Abdrücken anzuhalten, damit die Bilder nicht verwackeln. 

Ihre grosse Liebe gilt den Tieren, die auf ihrem grossen Balkon ein- und ausfliegen. So wird der Ausstellungsbesucher nach dem Eintritt ins Museum im rechten Raum mit meisterhaften, verspielten, wunderschönen Tier- und Blumenaufnahmen empfangen. Da ist die Meise, die ihre Flügel spreizt oder sich ein Körnchen holt und auf dem Kopf eines Keramikschwans sitzt und uns frech und belustigt anschaut. Farbenprächtig sind auch die im Zoo fotografierten Chamäleons, deren Schwanz in den weissen Hintergrund reicht. Hervorragend die Aufnahme einer Schnecke, die über eine Glasplatte kriecht und sich dabei spiegelt. Auf Beatrice Roths Fotos wird praktisch nichts bearbeitet, was beweist, über welch künstlerisches Auge sie verfügt. 

Im linken Raum zeigt die Fotografin ihre Makroaufnahmen. Sie nimmt einen Tropfen Leim, lässt ihn zuerst schwarzweiss fliessen und unterlegt die Glasplatte später mit farbigem Papier und gibt Lichteffekte hinzu. Es entsteht eine Welt der Fantasie und Bewegung. Eindrücklich auch der Wassertropfen in einer Petflasche, die in die Sonne gestellt wird. Es entstehen ganze Feuerwerke. Im Zwischengang werden frühe Arbeiten gezeigt aus der Zeit, als Beatrice Roth grosse Reisen unternahm. Schon damals waren ihre Fotografien meisterhaft. Das lässt sich am besten bei der Stimmung in der namibischen Wüste sowie der Wucht der Islandgletscher erkennen. Beatrice Roth ist eine vielseitige Meisterfotografin, die ihren Bildern Leben einhaucht und beim Betrachter Gefühle und Sehnsüchte hervorruft.

 

Leuchtende Kunst dank 

südfranzösischem Licht

Der in Meilen und in Südfrankreich lebende Meilemer Albert Sidler konnte seine Arbeiten vor einiger Zeit bereits einmal im OMM ausstellen, und sie wurden damals ausführlich besprochen. Er ist in seiner Malerei virtuos und beherrscht Farben und Leinwand. Er ist aber auch ein wahrer Tausendsassa, der alles versucht und ausprobiert und den Betrachter immer wieder mit Neuem überrascht.

Man spürt beim Betrachten seiner Bilder, dass viele in Südfrankreich entstanden sind, denn dieses Licht, diese Leuchtkraft der Farben ist in unseren Breitengraden unmöglich. Es sind Bilder, die viel über des Künstlers Temperament aussagen.

Wie der Titel «Vielfalt» der Ausstellung verheisst, zeigt Sidler, wie er immer wieder nach neuen Techniken und Ausdrucksmöglichkeiten sucht und sich stets weiterentwickelt. 

Neben älteren Acrylbildern zeigt er seine neuen Keramikarbeiten sowie minimalistische Kunst. Die Keramikarbeiten sind in der Herstellung sehr aufwändig und erinnern ein wenig an Arbeiten von Miró. Man kann sie auch als einzelne Fliesen kaufen. Es sind mehrheitlich Kopien seiner abstrakten Bilder, die in kräftigen Farben gemalt sind und hauptsächlich geometrische Formen umfassen. Der Ton wird durch Walzen so lange gedrückt, bis er die passende Dicke hat. Nun wird die Tonmasse in einzelne Platten geschnitten. Anschliessend bearbeitet Sidler den Ton, indem er zur Dekoration Vertiefungen und Erhebungen herausarbeitet. Teilweise werden an einigen Stellen auch ganze Elemente eingearbeitet. Ist diese Arbeit beendet, werden die bearbeiteten Tonplatten getrocknet und anschliessend bei 1085 Grad gebrannt. 

Was nach dem Brand für gut befunden wird, muss nun mit kräftigen, leuchtenden Farben bemalt und bei über 1000 Grad ein zweites Mal gebrannt werden. Die Platten, die dem kritischen Blick des Künstlers endgültig standhalten, werden emailliert und ein drittes Mal gebrannt. Nun werden die einzelnen Platten zu einem mosaikartigen Bild zusammengefügt, auf eine Holzplatte geklebt und ausgefugt. Damit das Ganze als Bild an die Wand gehängt werden kann, wird es mit Eisen gerahmt. Die Bilder oder einzelne Fliesen eignen sich auch hervorragend als künstlerischer Schmuck für Garten und Bad. 

 

«Vielfalt» im Ortsmuseum Meilen, Kirchgasse 14. Bis 25. März. Vernissage heute Freitag, 18.00 Uhr. Geöffnet Freitag 17.00 bis 20.00 Uhr, Samstag und Sonntag 14.00 bis 17.00 Uhr. 

xeiro ag