Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Grosse Sporterfolge beginnen im Kleinen

An der Generalversammlung der Vereinigung Heimatbuch Meilen findet jeweils auch ein «Forum» statt: Eine von Redaktor Hans-Rudolf Galliker moderierte Fragerunde zum Hauptthema des kommenden Bandes. Am Donnerstag letzter Woche drehte sich nun alles um «150 Jahre Turnen + Sport». Vier Sportler stellten sich den Fragen.

  • Jürg Dolder, Susanne Brunner, Daniel Giubellini und Seraina Joho (v.l.) stellen sich den Fragen von Forums-Moderator Hans-Rudolf Galliker (ganz links). Fotos: George Brabetz

  • Heimatbuch-Präsident Hans Isler führte vor dem Forum durch die Generalversammmlung des Heimatbuch Meilen.

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Als erster berichtete Jürg Dolder, Präsident der Turn- und Sportvereinigung Meilen (TSVM) von den Jubiläumsaktivitäten. Es gab einen Stand an der Meilexpo.18, die grosse Ausstellung im Ortsmuseum Meilen kann noch bis am 17. Juni besucht werden. Zudem wurden im Rahmen der Aktion «Meilen bewegt» Bewegungsminuten gesammelt: Die TSVM hatte sich 250’000 Minuten zum Ziel gesetzt – was mit total 553’333 geleisteten Minuten mehr als nur übertroffen wurde. Jürg Dolder, der in seiner Kindheit und Jugend selber von den lokalen Sportvereinen profitierte, will mit seinem Engagement etwas an die Allgemeinheit zurückgeben. Sein oberstes Ziel als Präsident der TSVM sei es, optimale Rahmenbedingungen für Sportvereine zu schaffen: «Diese können dann den Sportbegeisterten ebenfalls optimale Bedingungen und ein geeignetes Training anbieten.» Als Dachorganisation von zehn Vereinen sei die TSVM genau dafür da. Auch ein reger Austausch mit der Gemeinde Meilen sei wichtig, sagte er: «Nur schon deshalb, damit die Turnhallen in der Dorfkernentwicklung nicht plötzlich verschwinden. Die Infrastruktur muss stimmen.»

Jürg Dolder selber ist seit 40 Jahren Mitglied des Leichtathletik-Club Meilen, betätigt sich heute aber eher polysportiv und selten in der Vereinsstruktur. 

Der Sport als Lebensschule 

Anschliessend befragte Heimatbuch-Redaktor Hans-Rudolf Galliker auf der Bühne des Löwen-Saals drei weitere Sportler mit Bezug zu Meilen. Der erfolgreichste unter ihnen ist zweifellos Barren-Europameister Daniel Giubellini, der heute im Aargau wohnt. Zum Sport gekommen ist er damals, weil seine älteren Geschwister die Meilemer Jugendriege besuchten. «Dann profitierte ich davon, dass aus der Jugendriege zusätzlich eine Kunstturnriege entstand», erzählt Daniel Giubellini: Sein Talent im Kunstturnen wurde früh gefördert. Das Wichtigste war, dass er immer gern trainierte, erinnerte er sich. So war auch der baldige Wechsel, zuerst in einen Verein in Zürich, dann ins nationale Sportzentrum in Magglingen, kein grosses Problem für ihn. Schnell lag das Trainingspensum bei 20 Stunden oder mehr pro Woche. «Nur wenn man die Freude am Sport nie verliert, kann man sich auch in härteren Zeiten durchbeissen. Ich hatte immer Freude.»

Sein grosser Erfolg, der Europameistertitel, kam überraschend. Im Weltcup hatte Daniel Giubellini nie auf dem Podest gestanden. Ohne grossen Erwartungsdruck konnte er plötzlich Höchstleistungen abrufen. Noch heute erinnert er sich an den Empfang, der ihm danach in Meilen ausgerichtet wurde: Ein grosses Erlebnis, das bleibt. 

Der Sport sei für ihn immer auch eine Lebensschule gewesen, sagte Giubellini. Nicht sofort aufzugeben, auch mal wieder bei Null anzufangen, wenn etwas nicht geklappt hat, sich durchzusetzen und sich realistische Ziele zu stecken – das alles seien Fähigkeiten, die er sich zu Sportlerzeiten angeeignet hatte. Als Daniel Giubellini seine Sportlerkarriere mit 24 Jahren beendete, schlug er beruflich einen komplett anderen Weg ein und ist heute in leitender Position bei einem Lebensversicherungskonzern tätig. «Mir war es wichtig, meine Karriere zu einem Zeitpunkt zu beenden, an dem ich die Freude noch nicht verloren hatte und auch der Erfolg noch nicht ganz ausgeblieben war. Es war wichtig, einen klaren Schnitt zu machen.»

Heute sind drei seiner vier Kinder aktive Turner, die bereits im nationalen Kader über 20 Stunden pro Woche trainieren. Daniel Giubellini mischt sich bewusst nicht ein: «Unsere Aufgabe ist es, die Kinder zu unterstützen, nicht zu pushen. Ich sehe das noch immer gleich wie in meiner eigenen Karriere – dem Trainingsdruck kann man nur standhalten, wenn man die Freude am Sport behält. Wir besprechen zu Hause alle möglichen Themen und setzen den Sport nicht immer in den Fokus.»

Wettrennen in Gummistiefeln

Noch am Anfang ihrer sportlichen Karriere steht Seraina Joho. In ihrer Altersklasse gehört die Sekschülerin im Sprint zur nationalen Spitze. Schon als kleiner Knirps forderte sie ihre Mutter ständig zu Wettrennen auf. Egal wo, egal wann, egal in welcher Kleidung, «ich habe sogar in Gummistiefeln Wettrennen gemacht», erinnert sie sich. Von der Meitliriege kam sie über die Leistungsriege zur Leichtathletik. Schnell zeigt sich ihr Talent für die Sprintdisziplin. «Wir trainieren Verschiedenes, von Sprint bis Kugelstossen. Aber in den Wurfdisziplinen fühle ich mich nicht so wohl wie im Sprint. Ich bin auch nicht so gut darin», sagte Seraina. 

Die grösste Herausforderung für die junge Sportlerin ist das Zeitmanagement. Neben Schule, Hausaufgaben und dem Training dürfen auch die weiteren Hobbys wie die Musik und die gemeinsame Zeit mit Freunden nicht zu kurz kommen. Den Weg zum Training in Zürich nutzt sie häufig, um im Zug Hausaufgaben zu erledigen. Das braucht viel Disziplin. Da der jungen Athletin ein Ausgleich zum Sport sehr wichtig ist, steht für sie momentan ein Sportgymnasium nicht zur Debatte: «Ich möchte nicht, dass sich in meinem Leben alles nur um den Sport dreht. Nur so bin ich sicher, dass es mir nicht zu viel wird.» Ambitionen hat sie trotzdem, ihr Ziel sind die Olympischen Spiele. 

Die Mannschaft als Motivations-Motor

Die Volleyball-Trainerin Susanne Brunner lässt die Faszination für den und die Freude am Sport nicht mehr los, seit sie im zehnten Schuljahr mit Volleyballspielen angefangen hat. Neben dem sportlichen Aspekt gefällt ihr, dass Volleyball ein Mannschaftssport ist. 

In die Trainertätigkeit ist sie hereingerutscht, weil ihre Mannschaft 1990 dringend einen Ersatz für eine Trainerin brauchte. Obwohl ihr die Arbeit mit dem Team von Anfang an Freude bereitet, hätte sie nie gedacht, dass sie über zwanzig Jahre lang Trainerin derselben Mannschaft sein würde. Noch heute sind Spielerinnen in der Mannschaft, die 1990 dabei waren. 

Das sei auch ihr Motivations-Motor: «Solange das Team stimmt und ich Freude am Sport habe, bin ich bereit, weiter zu machen. Mich würde es natürlich freuen, wenn wir motivierte Sportler finden, die auch ein Traineramt nicht ausschliessen. Nachwuchs zu finden ist aber schwierig.» Wie engagiert Susanne Brunner ist, zeigt sich direkt: «Wir haben immer am Donnerstag Training, deshalb bleibe ich heute nicht zum Essen, sondern gehe nachher noch in die Turnhalle. Zum Glück kann ich mich auf meine Frauen verlassen. Sie starten das Training einfach ohne mich.» 

Ein schöner Abschluss für das Forum, welches einmal mehr aufzeigt, dass ohne persönliche Hingabe und viel Engagement von Freiwilligen eine solche Fülle von Sportangeboten nicht möglich wäre. Das Heimatbuch 2018, das im Herbst erscheint, soll genau das zeigen. 

xeiro ag