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Gewerbeausstellungs-Volksfest im Dorfzentrum

Die Meilexpo.18 ist Geschichte – und hat Geschichte geschrieben: Die Meilemer Gewerbeschau wurde bei schönstem Frühlingswetter zum grossen Volksfest.

  • Fotos:MAZ

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Er schätze, der Besucheraufmarsch habe 15'000 bis 20'000 Personen betragen, sagte ein glücklicher OK-Präsident nach der dreitägigen Gewerbeausstellung vom letzten Wochenende. Benjamin Stückelberger und die OK-Mitglieder blicken rundum zufrieden auf die Schau zurück: «Es war gut, in jeglicher Hinsicht, es gab keinerlei unerfreuliche Zwischenfälle. Dafür sind wir unglaublich dankbar.» Er habe nur fröhliche Gesichter gesehen, «sowohl bei den Besuchern als auch bei den Ausstellern.» Und der Aufwand habe sich für die Gewerbler gelohnt: «Manche haben tatsächlich direkt am Stand Aufträge hereingeholt» – etwas, was gar nicht selbstverständlich ist.

Un gran success

Die Meilexpo.18 im Dorfzentrum begann am Freitag mit einer Einladung für die Aussteller und Ehrengäste. Gemeindepräsident Christoph Hiller begrüsste im Festzelt die Vertreter der Gastgemeinde St. Moritz auf Rätoromanisch. «Chers amihs», «un grand success» und «inaugurer una pista da bob» verstanden auch die deutschsprachigen Gäste: Die «pista da bob» stand schliesslich direkt vor dem Festzelt und war ein Mitbringsel aus dem Bündnerland. Hier fiel auch der offizielle Startschuss der Gewerbeschau, indem sich Hiller und Stückelberger im Bob sitzend vom St. Moritzer Gemeindepräsident Sigi Asprion und dem Präsidenten des Kur- und Verkehrsvereins St. Moritz Yves Gardiol über einen an den Schienen montierten Kontakt schieben liessen: Mit einem Knall und einer gelben Rauchwolke war die Meilexpo.18 offiziell eröffnet.

Rezept gegen die Digitalisierung

Bereits am Freitagabend strömten die Meilemer in Festzelte, Ausstellungszelte und Turnhalle. Perfektes Wetter lockte zum Abendspaziergang ins Dorf. Wer für die Wärme und den Sonnenschein letztlich verantwortlich war, hatte vorher noch Anlass zu Diskussionen gegeben. 

Beim Reigen der Eröffnungsansprachen reklamierten sowohl OK-Chef Stückelberger, als Pfarrer natürlich mit einem direkten Draht «nach oben», sowie Gemeindepräsident Hiller die Ehre für sich. Die Zürcher Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh bat in ihrer Ansprache jedenfalls ums Rezept, «um den Wettergott so freundlich zu stimmen». Ob eine solche Messe eigentlich noch zeitgemäss sei, fragte sie – «heute ist ja alles digital». Ihre Antwort: «Ich bin der Meinung, die Leute wollen sich begegnen und wollen das Produkt sehen.» Man müsse aber eigene Rezepte finden, um der Herausforderung durch die Digitalisierung zu begegnen. Deshalb habe sie keine Sekunde gezögert, Meilen für die Eröffnung der Gewerbeschau zu besuchen, und sie verspreche auch, sich in der Zürcher Regierung für die Gewerbler einzusetzen, damit sie möglichst wenig unter der Bürokratie zu leiden hätten. 

Da Carmen Walker Späh am Abend zur «Arena» im Schweizer Fernsehen erwartet wurde, musste sie die Festgemeinde früh verlassen. Die anderen Ehrengäste, darunter Hans-Ulrich Bigler, Chef des Schweizerischen Gewerbeverbands (SGV) und Werner Scherrer, Präsident des Kantonalen Gewerbeverbands (KGV), begaben sich hingegen gemeinsam auf einen Rundgang, wobei die Gruppe schon bald zerbröselte – schliesslich gab es an allen Ecken etwas zu sehen, zu probieren, zu degustieren und zu diskutieren. 

1000 Enten auf der Rutschbahn

Lange blieb man etwa bei der sieben Meter hohen Entenrutschbahn von Sanitär Hersperger auf dem oberen Dorfplatz stehen. 1000 gelbe Gummienten rutschten durch wassergespülte, durchsichtige Rohre in ein Becken, weitere 1300 lagen als «Bhaltis» in einer grossen Kiste bereit. Im grossen Rundzelt gleich nebenan offerierten die Aussteller Häppchen inmitten frühlingshafter Blumenarrangements, und auf dem unteren Dorfplatz erwies sich die mobile Schmiede der Burgschlosserei vor einem grossen Holzchalet als Attraktion. Wer etwas Geduld mitbrachte, konnte innerhalb von 15 Minuten einen stählernen Grillspiess mit Spitze und Verzierung selber schmieden und anschliessend torsieren, also in eine Spirale drehen. Gleich daneben wurden Würste im Akkord gebraten und Brot am laufenden Band gebacken. 

Aber auch High-Tech-Ausstellungsstücke gab es zu bestaunen. So war das Spital Männedorf mit einem bestens ausgerüsteten Krankenwagen und dem Operationsroboter Da Vinci im Ausstellungszelt zu Gast. Den Roboter mit seinen Greifarmen durfte man für ein Geduldsspiel selber steuern, die Erklärungen dazu gab Spital-CEO Stefan Metzker persönlich ab. Zusätzlich wurden den Kindern auf Wunsch Finger eingegipst und Arme verbunden, die Erwachsenen liessen sich Blutdruck und Blutzucker messen.

«Goodies» an allen Ecken

Den Blutzuckerspiegel bei Bedarf anheben konnten die Besucherinnen und Besucher mit allerlei Gratishäppchen wie Popcorn, Gummibärchen, Traubenzucker, Schokolade, Glacé, Chips und Nüssli. Der «Löwen» verkaufte Hot Dogs zu je mindestens 1 Franken pro Stück und nahm dadurch 1619 Franken an Spenden für die Kispitex ein. 

Neben topmodernen OP-Robotern, Autos, Solarzellen gab es auch Gewerbeschau-Klassiker wie etwa die «Malertrommel», die schon in den 1970er-Jahren bei Schlagenhauf für Furore sorgte. Farbe wird auf ein schnell rotierendes Blatt Papier gegeben und erzeugt ein schwungvolles Muster. Im Unterschied zu damals sei die Farbe heute aber giftfrei, versicherte man am Stand. Das Harassenstapeln der Pfadis funktionierte ebenfalls wie eh und je und zog auch nach wie vor viele Zuschauer an. Ebenfalls ein pièce de résistance war das Spiel bei der Zimmerei Diethelm: Eine Schraube mit Namenszettel von oben in ein Brett bohren und hoffen, dass sie auf der Unterseite das aufgemalte Kreuz trifft: Hauptgewinn! 

Zu gewinnen gab es auch bei der Tombola mit ihren 16'000 Losen einiges: Sofortpreise wie Rucksäcke, Kappen, Aschenbecher, Weinflaschen und Geschenkgutscheine waren immerhin der Spatz in der Hand. Die Hauptpreise – von Ferien in der Gastgemeinde St. Moritz bis zum Mini One First – waren die Tauben auf dem Dach. Wer diese Tauben erhalten sollte, zeigte sich aber erst am Sonntagnachmittag bei der Endverlosung. 

Ideal für Sonnenbrände

Zuerst galt es, neben dem Angebot der Gewerbler auch das Rahmenprogramm zu geniessen. Am Freitag brachten «The Black Barons» das Festzelt zum Beben, am Samstag sorgten unter anderem «Filterlos» mit ihrem brandneuen Feuerwehrsong für die abendliche Bombenstimmung, und tagsüber spielten diverse Meilemer Formationen. Gut, dass auch vor dem Festzelt Bänke und Tische standen – es war das ideale Wochenende, um sich den ersten Sonnenbrand des Jahres zu holen. Speaker Giacinto In-Albon mischte sich derweil mit Mikrophon unters Publikum, sein früherer Arbeitgeber Radio Zürisee sendete live vom Festgelände.

Besonders viele Besucher und Bewunderer zog die Ausstellung der Vereine im Gemeindehaus an. Die vier Wachtvereine und mehr als 20 weitere Meilemer Vereine präsentierten sich mit Spielen, optischen Täuschungen, puppenstubenähnlichen Arrangements und allerlei Schabernack in Holzkisten. An allen Ecken beugten sich Besucher über Kisten oder linsten durch Gucklöcher. Bei der Schützenverein-Box beispielsweise konnte man eine Gummikugel auf ein Ziel spicken und zum Blinken bringen, beim Schwimmclub hiess es «fest auf den Knopf drücken», worauf ein Sprutz Wasser die Stirn traf. In einer Box war das Kirchgassfest en miniature aufgebaut, und das Heimatbuch präsentierte eine Art Puppenstube samt handgrosser reformierter Kirche. Es gab von der WAVO einen Drohnen-Film vom Beugenbach zu sehen, der Gemeinschaftsgarten Minga zeigte einen Erntekorb. 

Begleitet wurde die Ausstellung von diversen «Boxenstopps» in Form von Apéros und Darbietungen (zur Vernissage des Buchs «Meilen entdecken» siehe S. XXX). Die Jugendarbeit wurde fast 300 selbst bedruckte T-Shirts mit dem Meilemerwappen oder «8706» auf der Brust los. Sie waren gratis, wurden aber nur abgegeben, wenn man auf dem Smartphone zeigen konnte, dass man sich mit der Gemeinde Meilen auf Facebook oder Instagram verbunden hatte.

Eine sprachlose Gewinnerin

Schluss- und Höhepunkt der Schau war am Sonntag um 17 Uhr die Verlosung der Hauptpreise. «Glücksfee» Benjamin Stückelberger zog die Nummern, die Meilemer Moderatorin und Sängerin Sandra Studer moderierte charmant-witzig und erwähnte am Rande, dass sie mit OK-Chef Stückelberger einst an der Hohen Promenade fast im selben Jahrgang die Schulbank gedrückt hatte. Den Hauptpreis in Form eines Mini im Wert von 24'000 Franken gewann Lucy Ebner von Ebner & Co. Parkettarbeiten, die ihr Glück ganz offensichtlich kaum fassen konnte. Sie sei selten sprachlos, meinte sie auf der Bühne – aber im Moment könne sie vor lauter Begeisterung wirklich kaum Worte finden. 

xeiro ag