Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Gewerbe-Zmorge mit Parkhaus-Talern

Immer im Januar geniessen die Meilemer «Gewerbler» an einem frühen Morgen auf Einladung des Gemeinderats Gastrecht im «Löwen». Bei einem Frühstück mit Gipfeli, Käse und Konfitüre werden ihnen jeweils Informationen zum politischen Geschehen im Dorf serviert, inklusive kleiner «Primeurs».

 

  • Rund 70 Gäste lauschten den Ausführungen der Lokalpolitikerinnen und -politiker. Foto: MAZ

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Den ersten dieser Primeurs konnten die rund 70 anwesenden Handwerker, Detaillisten und Geschäftsführer in die Hand nehmen: Die goldglänzenden Münzen, die sie am Dienstagmorgen an ihrem Platz vorfanden, sind neu. Gewerbler können sie ab nächster Woche exklusiv und zum Spezialpreis von 90 Rappen bei der Sicherheitsabteilung beziehen. Die Münzen sind einen Franken wert und können als kleine Aufmerksamkeit an die Kunden abgegeben werden, die damit die Parkgebühr im Parkhaus bezahlen.

Vor der Pleite oder nicht?

Gemeindepräsident Christoph Hiller blickte bei seiner Begrüssung kurz auf wichtige Ereignisse im politischen Jahr 2017 zurück. «Unerfreulich» sei, was in der Presse über die Budget-Gemeindeversammlung vom Dezember berichtet wurde, an der die Stimmbürger beschlossen, den Steuerfuss nicht zu erhöhen. Er mache sich nachgerade Sorgen um die Qualität des Journalismus. «Die meisten Zeitungen – inklusive Sonntagsblick und NZZ – waren nicht an der Versammlung, schrieben aber seitenlange Texte darüber, die nicht einmal zur Hälfte stimmten.» 

Gemeinderätin Beatrix Frey-Eigenmann legte später die Finanzsituation der Gemeinde dar. Ob Meilen nun kurz vor der Pleite stehe oder nicht, sei auch eine Frage der Perspektive. Einerseits verfügt die Gemeinde über ein beträchtliches Eigenkapital von rund 200 Millionen Franken. Dieses kann aber, weil es sich um das Betriebsvermögen der Kommune handelt, nicht versilbert werden: Schulhäuser und Strassen sind nicht verkäuflich. Meilen habe seine Investitionen der letzten Jahre, durchschnittlich 20 Millionen Franken, lange aus der einst gut gefüllten «Sparsau» bezahlt, sagte Beatrix Frey-Eigenmann. Heute werde nun aber schlicht zu wenig Cash Flow generiert, um das Schweinchen wieder aufzufüttern – es verliert demnach weiter an Substanz. 

«2018 wird eine Steuererhöhung sicher Thema sein», sagte die Finanzvorsteherin. Christoph Hiller wurde konkret: «Auch ein Steuerfuss von 84 Prozent behält uns im Kanton in den Top Ten», sagte er. Ob es in Richtung rosig-rundes Sparschweinchen oder doch in Richtung Pleitegeier geht, liegt also im Dezember 2018 in der Hand der Stimmbürger.

Saalbau: Mit gedrosselter Kraft voraus

Dass die Gemeinde bei Investitionen zurückhaltend geworden ist, zeigte sich, als Christoph Hiller über die Dorfkernentwicklung berichtete. Der Prozess begann vor Jahren, seither wurden Gemeindehausanbau, Dorfplatz und Parkhaus erstellt. Als nächstes sollten ein Saalbau für kulturelle Veranstaltungen und die «Markthalle» folgen. 

Beim Saalbau mit Bühne und 600 bis 1000 Plätzen in Konzertbestuhlung «kann man wegen der finanziellen Situation der Gemeinde nicht sofort anfangen», so Hiller, das Thema sei aber nicht vom Tisch. Ein Architekturwettbewerb wird folgen: Er umfasst einen Neubau an Stelle des neuen Schulhausteils (nördlicher Teil des DOP) und die Sanierung des alten Schulhauses. Für die «Markthalle» – ein Gebäude, das keinen Grossverteiler, sondern mehrere kleinere Detailhandelsgeschäfte beherbergen soll – läuft noch bis Mitte Februar ein Investorenwettbewerb: Das Grundstück im Dorfzentrum soll im Baurecht abgegeben werden. 

Alterszentrum und Gemeindewerke

Wie bereits im Vorjahr stellte Gisela Kessler-Berther, Direktorin des Alterszentrums Platten, die Neubaupläne des AZ vor – mit einem Investitionsvolumen von über 50 Millionen Franken Meilens grösstes Projekt. Am 27. Mai ist Abschiedsfest, im Juli ziehen die betagten Bewohner für mehr als zwei Jahre nach Küsnacht in ein Ersatzgebäude am See. Nur die Pflegeabteilung bleibt in Meilen. Anfangs 2021 wird der Neubau bezogen.

Ebenfalls wie gehabt präsentierte Felix Krämer, Verwaltungsratspräsident der Energie und Wasser Meilen AG, die juristisch komplizierten Prozesse bis zur Fusion der Meilemer und der Uetiker Gemeindewerke, die im vergangenen Jahr weiter fortgeschritten sind. Nun konnte er das konkrete Datum für die Urnenabstimmungen in den beiden Gemeinden nennen: Am 23. September 2018 wird entschieden, ob die neue Gesellschaft gegründet werden kann. Auch der Name der AG, die zu rund 75 Prozent Meilen und zu etwa 25 Prozent Uetikon gehören wird, ist jetzt kein Geheimnis mehr: «Infrastruktur Zürichsee AG» oder kurz «Infra».

Gute Bedingungen für das Gewerbe im Dorfkern schaffen

Gemeinderat Heini Bossert präsentierte die kommunale Richtplanung, wie sie an den Gemeindeversammlungen vom 4. und 5. Dezember festgesetzt wurde. Hier interessierten vor allem die vorgesehenen Nutzungen. Gewerbegebiete können grundsätzlich flexibel weiterentwickelt werden. Mischzonen sollen vermehrt möglich sein, d.h. reine Wohnzonen können mit Gewerbeanteilen erweitert werden. Eine Verdichtung ist in der Nähe der Zentren bzw. Bahnhöfe geplant, insbesondere in Dorf- und Feldmeilen. Eine neue Idee ist es, im Erdgeschoss der Zentren allenfalls Pflichtanteile für Handel und Gewerbe einzuführen. «In Meilen bedrängen Wohnbauten in den Zentren die Dienstleistungsbetriebe und den Handel. Wir versuchen, schrittweise darauf hinzuwirken, dass das Gewerbe im Dorfkern gute Bedingungen vorfindet», sagte Heini Bossert. 

Dorfstrasse soll Begegnungszone werden

Die aktuellen Tiefbauprojekte wurden von Gemeinderat Peter Jenny präsentiert.  So etwa der Verkehrsknoten Burg-, Bruech- und Rainstrasse beim Friedhof. «Einsprachen und Einwendungen wurden abschliessend behandelt», so Peter Jenny. Am 19. Dezember wurde das Projekt im Gemeinderat festgesetzt. Als einzige grosse Änderung gegenüber der Planauflage wird auf die eigentlich vorgesehene Verengung der Rainstrasse verzichtet. Sobald das Projekt Rechtskraft erlangt hat, was im Januar der Fall sein soll, beginnen die Arbeiten, die bis Ende Jahr dauern. Die Burgstrasse ist währenddessen nur einspurig befahrbar, der Verkehr wird mit einer Lichtsignalanlage geregelt.

Für die Gewerbler wichtiger ist die Neugestaltung der Dorfstrasse. Im Januar letzten Jahres beschloss der Gemeinderat, das Dorfzentrum als Begegnungszone auszugestalten. Das Projekt für die Dorfstrasse wird nun dem Handwerks- und Gewerbeverein vorgestellt, und am 12. März folgt eine öffentliche Orientierungsversammlung. Nach dem üblichen Prozedere mit Planauflage etc. soll im Jahr 2019 dann der entsprechende Kredit an der Urne kommen.

Gewerbeschau mit Bobbahn

Aus aktuellem Anlass meldete sich schliesslich Gemeinderat Beat Hodel, zuständig für Natur und Kultur, zu Wort und berichtete, was mit den fünf hundertjährigen Pappeln in der Seeanlage geschehen soll (siehe dazu Seite 1 und 3). 

Zu guter Letzt trat Benjamin Stückelberger ans Mikrofon. Er ist als OK-Präsident für die Gewerbeausstellung Meilexpo 18 zuständig, die vom 6. bis 8. April im Dorfzentrum stattfinden wird. Angemeldet für diese Leistungsschau des lokalen Gewerbes sind 34 Einzel- und 38 Gruppenaussteller in elf Gruppen, auch die Vereine werden ihren Auftritt haben – und die Gastgemeinde St. Moritz, welche mit einer Bobbahn anreist, auf der explosive Starts geübt werden können

Das weitere Rahmenprogramm findet im Festzelt statt, ein weiteres Zelt kommt auf den Pausenplatz West zu stehen. Wie es sich für eine Gewerbeschau gehört, ist auch eine Tombola mit attraktiven Preisen angesagt; vor allem der Hauptpreis, ein Auto, ist beachtlich. Die Meilexpo-Infoveranstaltung für die teilnehmenden Gewerbler findet am 31. Januar um 19 Uhr statt. 

Ein neuer lokaler Feiertag

Bei der letzten Tasse Kaffee wies Christoph Hiller die Anwesenden auf den neuen lokalen Feiertag hin, den «Chilbifriitig». Die Chilbi wird heuer erstmals vor dem Bettags-Wochenende sattfinden, also Donnerstag, 13. bis Samstag, 15. September inklusive schulfreiem Freitag. Nachdem die Chilbi unter Besucherschwund litt, weil sie in den Sommerferien stattfand und von der Street Parade konkurrenziert wurde, versucht man so, wieder mehr Volk, vor allem auch Kinder, anzulocken. 

Um viertel vor zehn war der Infomarathon zu Ende. Es wurde keine einzige Frage aus dem Publikum gestellt, dafür am Ende der Veranstaltung kräftig applaudiert. Wenn man diese Tatsache als Gradmesser für die Zufriedenheit der Gewerbler mit ihrem Gemeinderat nehmen will: Es gibt offenbar nichts zu klagen. Der nächste Gewerbezmorge findet statt am 8. Januar 2019.

xeiro ag