Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Eindrückliche Bilder zweier Meilemer

Zwei Meilemer Urgesteine fanden sich zu einer hervorragenden Kunstausstellung zusammen. Heute Freitag ist Vernissage von «Quo vadis?» im Ortsmuseum.

  • Bei Pierre Kächs Bildern lässt sich sein ehemaliger Beruf, er war Schriftsetzer, erahnen.

  • Peter Burkhards Kuba-Fotografien zeugen von Einfühlungsvermögen und sicherem Blick. Foto: zvg

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Es sind dies der seit 1982 in Meilen wohnhafte, ursprünglich aus Porrentruy stammende Pierre Käch sowie der von 1986 bis 2012 als Seklehrer für naturwissenschaftliche und mathematische Fächer in Meilen wirkende Peter Burkhard. Vielsagend ist der von ihnen gewählte Ausstellungstitel: Quo vadis? Wohin gehst du? 

Poetischer Maler oder malender Philosoph

Beim Betreten des Museums wird der Besucher von den Bildern des ehemaligen Schriftsetzers Pierre Käch empfangen. In seinen Bildern lässt sich sein ehemaliger Beruf nicht verleugnen, sind doch meist tiefsinnige Texte in die Bilder eingebaut, und die Raumaufteilung beruht fast ausschliesslich auf dem Goldenen Schnitt, was bedeutet, dass die einzelnen Teile immer optisch richtig in der Bildfläche stehen. Er selbst nennt sich einen poetischen Maler, aber beim Betrachten seiner Bilder stellt man fest, dass er vielmehr ein malender Poet ist. Einst war er nahe bei der fotorealistischen Malerei, aber er hat sich enorm weiter entwickelt. Er wurde zum Philosophen, der den Betrachter durch seine Bilder zum Nachdenken über die Vergangenheit bringt und ihn die Gegenwart hinterfragen lässt. 

Es sind meist Collagen, mit Acryl auf Papier gemalt und auf Alu aufgezogen. Es sind aber auch wichtige Rückblicke auf sein Leben, an denen er uns teilhaben lässt. So beim Bild «Bob Dylan», dem eine ganze Generation prägenden Sänger, der auch ein hervorragender Texter sowie Komponist seiner eigenen Lieder ist. Da steht einmal im Bild «Dona Nobis Pacem», dann sieht man Fotografien von  Dylan sowie einer traurig blickenden Frau, rechts gemalte drei Kreuze – wie auf dem Kalvarienberg. Und daneben ein Text von Dylan: «With God On Our Side». Oder Zucchero mit dem Text aus Nabucco: «Flieg, Gedanke…». Hier erleben wir doch die Sehnsucht nach Freiheit, Unabhängigkeit, Selbstständigkeit. Vieles davon ging uns heute verloren. Ergreifend ist auch das Porträt von Edith Piaf, die Fotografie zeigt die tiefe Traurigkeit in ihren Augen, daneben ist eine Rose gemalt, die Blume der Liebe, die durch diese einmalige Sängerin bis zur Zerstörung intensiv gelebt wurde, in der Mitte ihr berühmtes Lied: «Non, rien de rien…». Sehr ergreifend ist auch die Darstellung mit Elvis Presley. Man sieht den jungen, verführerischen Elvis, eine Gitarre, einen Notenschlüssel und den Liedtext «Live by the sun, love by the moon…». Ganz ergreifend ist das Bild über und mit Anna Göldin, der letzten in der Schweiz als Hexe hingerichteten jungen Frau. Es besteht aus mehreren einzelnen Bildern und schildert ihr Schicksal. Bis heute wird doch die Schuld bei einer ungewollten Schwangerschaft der Frau in die Schuhe geschoben. In der Bibel verführt sie Adam und ist schuld an der Vertreibung aus dem Paradies. 

So sind Kächs Bilder nicht nur zum Betrachten, sondern sie müssen gelesen und hinterfragt werden. 

Kuba als Farbsinfonie

Eine Gemeinsamkeit der beiden Ausstellenden zeigt sich nicht nur im Vornamen, sondern auch in einem Bezug zu Kuba, indem Käch – unabhängig von Burkhard – ein eindrückliches Bild von Che Guevara schuf. Man sieht den selbstbewusst dreinblickenden Revolutionär, der vom Text «Hasta la victoria siempre» eingerahmt wird. Rechts von ihm befindet sich eine verzweifelte Frauengestalt, eingerahmt wie durch Einschusslöcher sowie ein Todeskreuz. Und dieses Bild führt den Besucher in den unteren Stock zu den grossartigen Fotografien von Peter Burkhard.

Burkhard reiht sich nahtlos in die Reihe der grossen Schweizer Fotografen ein. Er erinnert in seinen Fotografien an den hervorragenden Gotthard Schuh, der im letzten Jahrhundert mit seinen Schwarzweiss-Reportagen den Menschen andere Länder, andere Kulturen, andere Lebensweisen näher brachte. Burkhards auf Aluminium aufgezogene Kuba-Fotografien sind wahre Farbsinfonien, herrlich komponiert und voller Romantik. Sie sind nie beleidigend, sondern voller Respekt den dortigen Menschen gegenüber, nie blossstellend, sondern immer voller Achtung gegenüber der Würde der Fotografierten. Sie sind aber auch nicht romantisierend oder beschönigend, sondern sie zeigen in ihrer Ehrlichkeit die harte Realität des Alltags. 

Im Betrachter wecken sie die Sehnsucht nach einer für uns nicht mehr existierenden Zeit. Uns gingen Ruhe, Bescheidenheit, Respekt verloren und wurden ersetzt durch Materialismus und Hektik, Egoismus und Respektlosigkeit. Doch wer ist nicht entzückt beim Anblick des Amischlittens aus den 1950er-Jahren, der bei blauem Himmel dem Meer entlangfährt und uns träumen lässt. Allerdings darf man nicht daran denken, wie viel Benzin der tolle Schlitten schluckt… 

Der Fotograf führt uns mit sicherem Blick durch die lebendigen Märkte mit ihren Früchten und Blumen. Er hält Alltagsszenen auf der Strasse fest und zeigt uns auch wunderschöne alte Gebäude. Burkhard lässt uns aber auch schmunzeln beim Bild von Frauen jeden Alters auf einer Betonstiege, die mit ihren Handys beschäftigt sind. Er lässt uns nachdenken beim Anblick einer die Möwen fütternden Frau am Meer. Die Möwen flattern um sie herum und fliegen davon, vielleicht in die erträumte Freiheit. Er lässt uns aber auch teilhaben am Alltag des Bauern und der reichen Artenvielfalt des Landes.

Wenn Fotografie so gepflegt wird wie von Burkhard, ist sie sogar ganz grosse Kunst. Es genügt nicht, einfach nur durch den Sucher zu blicken und den Auslöser zu bedienen, sondern man muss das Auge für den optimalen Ausschnitt haben, den richtigen Moment erkennen, wissen, dass das Licht günstig ist, die festzuhaltende Bewegung stimmt, und dies alles im Bruchteil einer Sekunde entscheiden, denn sonst ist es schon zu spät.  

Praktisch keine Nachbearbeitungen nötig

Den Bogen zur Malerei schlägt Burkhard mit einer Aufnahme von Street Art, die in Kuba schon lange blüht. Darauf sieht man ein Bild des Comandante Fidel Castro. Heute kann man ja jede Fotografie am Computer bearbeiten, aber bei einem Fotografen wie Peter Burkhard muss praktisch nichts korrigiert werden, da sein Auge schon beim Abdrücken erfasst, dass alles richtig ist. 

Die Ausstellung wird bis am 11. Februar gezeigt und ist geöffnet samstags und sonntags von 14.00 bis 17.00 Uhr.

Quo vadis? Ausstellung Pierre Käch, Malerei; Peter Burkhard, Fotografie. Ortsmuseum Meilen. Vernissage heute Freitag, 12. Januar, 18.00 Uhr, Kirchgasse 14, Meilen.

xeiro ag