Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Ein Riesen-Geschenk für Meilen

Zum 500. Geburtstag des Kirchturms der reformierten Kirche Meilen und der Reformation spendierte die katholischen Kirche St. Martin ein Konzert im eigenen Haus.

  • Die junge Violinistin Elea Nick überzeugte vom ersten bis zum letzten Ton.

  • Das Ensemble harmonierte in der katholischen Kirche perfekt mit der begabten Solistin. Fotos: MAZ

1/1

Der katholische Pfarrer Otmar Bischof begrüsste in der bis auf den letzten Platz gefüllten Kirche das Publikum, darunter zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus Kirche, Politik und Kultur. Er fusste seine Begrüssung auf das Motto «Ecclesia semper reformanda» (die Kirche muss stetig erneuert werden) und spannte den Bogen von der Reformation bis zur heutigen Zeit. Dabei beleuchtete er die von unseren Vorfahren angestossenen Reformen in Kirche und Gesellschaft, aber auch neuere Bewegungen wie das «aggiornamento», eine von Papst Johannes XXIII. eingeführte Bezeichnung für die notwendige Öffnung der katholischen Kirche.

Nachdem das 10-köpfige Ad hoc-Ensemble unter Konzertmeister Stefan Tarara den Altarraum betreten hatte, gesellte sich die 18-jährige Meilemer Geigensolistin Elea Nick in luftig-schmuckem Gewand dazu und wurde vom Publikum herzlichst mit Applaus begrüsst. Sie nahm sich den Konzertzyklus «Le Quattro Stagioni» von Antonio Vivaldi vor.

Der aus Brescia stammende, zum Venezianer gewordene, vom Barbier zum Priester und Violinisten mutierte Komponist (1678 – 1741) hatte jedem der vier dreisätzigen Konzerte (wohl eigene) Sonette vorangestellt. Elea Nick, vielfach prämierte und schon weitgereiste Musikerin, agierte von Beginn weg unprätentiös, liess nach kurzer Akklimatisation tonreiche Saiten- und Körperbeherrschung walten, dass es eine Freude war. 

Ihr gutes Einvernehmen mit dem Ensemble fiel sofort auf: Agierte sie in Ripieno-Partien mit geschmeidiger Tongebung, liess sie in Tutti-Passagen Vollklang ihrer italienischen Violine durch die Kirche rauschen, ehe sich allesamt in Pianissimi vom Edelsten ergingen. Bezug zum Alltag stellten da einzig die Glocken der Kirchturmuhr her. Gefiel im dritten Satz des «Primavera»(Frühling)-Konzertes nebst sorgsamem Umgang in leisen Passagen das präzise Spiccato im Ensemble besonders, herrschte in «Estate» (Sommer) die draussen tatsächlich herrschende, stehende Hitze des Sonntagnachmittages auch drinnen. 

Lerchen zwitscherten gleichsam, der beherzte Zugriff aller wechselte mit auch im Pianissimo tragender Tongebung der Solistin berückend ab. Rasantes Laufwerk, in allen Stimmen mit Verve geboten, zeugte aufs Schönste vom Volleinsatz aller. Die Tempoveränderungen in «Autunno» (Herbst) gelangen Solistin und Ensemble vorzüglich, der geschmeidige Continuo-Ton des Violoncellisten war ebenso bemerkenswert wie die überlegene Doppelgriff-Beherrschung von Elea Nick. Ihre behänden Arpeggien füllten den Kirchenraum locker. 

Im «Inverno» (Winter) betitelten Teil pflegten die Ensemble-Mitglieder den Ponticello-Einsatz geradezu genüsslich, kaltes Ambiente genial suggerierend. Elea Nick überzeugte mit stupender Technik, das Zusammenwirken mit dem Ensemble war aus einem Guss – die Begeisterung total: Bravorufe und Standing Ovations begleiteten den langanhaltenden Applaus. Eine Dreingabe musste her! Im vielgespielten Effektstück «Czardas» des Italieners Vittorio Monti brillierte die sympathische Solistin in hohen G-Saiten-Bereichen und und mit offensichtlicher Spielfreude. 

Ein derart frenetisch gefeiertes Jubiläum hat sich wohl kein Kirchenturm, keine Reformation erträumt – vergelt's Gott!

xeiro ag