Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Brillantes Quartett mit kongenialem Solisten

Die Konzertreihe «Vier Jahreszeiten» widmet sich in der 13. Saison der Frage «Was ist in der Musik essentiell?»

  • Vier Jahreszeiten

    Hervorragend: Das Quatuor Terpsycordes mit Klarinettist Dimitry Ashkenazy in der reformierten Kirche Meilen. Foto: zvg

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Der 23-jährige Komponist Franz Schubert (1797 – 1828) befand sich 1820 – im Entstehungsjahr des Quartettsatzes c-moll D. 703 – an einem Wendepunkt in seinem Schaffen: Nach etlichen Instrumentalwerken mit vorwiegend unterhaltsam-leichten Inhalten vertiefte er Aussage und Struktur wesentlich. 

Schubert: Artgerecht geheimnisvoll

Die in der Kirche am See agierenden «Quatuor Terpsycordes» aus Genf boten schon die das Stück eröffnenden Tremoli artgerecht geheimnisvoll, ihnen den vielfach inliegenden Füll-Charakter nehmend, themeneigen eben. So erlebte man diesen Torso (Franz Schubert hatte eigentlich ein ausgewachsenes Streichquartett vorgesehen) unerhört farben- und dynamikreich. 

Die vier Musiker Girolamo Bottiglieri und Raya Raytcheva (Violinen), Blythe Teh Engstroem (Viola) und François Grin (Violoncello) funktionieren auf Höchstniveau. Ihr Zusammenspiel ist von Selbstverständlich- und Genauigkeit geprägt. Nebst burschikosem Einsatz liessen sie hübsche Al-fresco-Passagen und feinstes Diskant-Piano berückend durch den Kirchenraum strömen. Sie belegten auch, wie herrlich sich – auch im Duo – Nebenstimmenfigurationen ausnehmen. Die reichlichen Bravo-Rufe bezeugten dies leichtens.

Beethoven: grosse Klanglichkeit

Das als zweites angesetzte Streichquartett f-moll op. 95 von Ludwig van Beethoven (1770 – 1827) trägt die Benennung «Quartetto serioso», ist 1810 entstanden und wird als denkbares Vorbild für Schuberts Quartettsatz c-moll angesehen – viel geschickter kann man wohl kaum programmieren! Bravo! 

Der im Leben bekannterweise oft leidende Tonschöpfer verarbeitet in seinem op. 95 zwei unglückliche Lieben, was als ausschlaggebend für die düstere Grundstimmung angesehen wird. 

Die Terpsycordes-Mitglieder boten den viralen Einstieg titelgemäss «con brio» und erreichten grosse Klanglichkeit, ohne die Meilemer Kirchenakustik zu überfordern. Quer durch die vier Sätze faszinierten einzigartige Tonqualitäten, den diversifizierten Anforderungen der Partitur aufs Genüsslichste mehr als gerecht werdend. Die Spielfreude schwappte auf die Zuhörerschaft über: So ist diese Musik nichts als herrlich! 

Mozart: Spielfreudig bis zum Schiffshorn

«Seit Mozart die Klarinette 1778 in Mannheim kennen gelernt hatte, liebte er den warmen und ausdrucksvollen Klang dieses Instruments. Seiner Freundschaft zu Anton Paul Stadler, Klarinettist des k. u. k. Hoforchesters zu Wien, verdanken wir dieses 'Quintett aller Quintette', das zwei Jahre vor Mozarts Tod entstand» (Henrik Wiese).

Mozarts Freundschaft zu Stadler war denn auch Ursache, warum das Meisterwerk den Titel «Stadler-Quintett» erhielt. Nicht erstaunlich, dass Konzert-Organisatorin Annette Bartholdy einleitend sagte: «Es ist für mich das schönste Werk in der Kammermusik überhaupt». Mozart (1756 – 1791) gelingt es bestens, die Klarinette genau zwischen den beiden Klangfeldern der Streicher zu positionieren und zugleich das Streichquartett als solches zur Geltung kommen zu lassen. Dem trug die vorgenommene Platzierung im Altarraum vollends Rechnung: Dimitri Ashkenazy agierte mittens der Streicher. 

Nach dem artgerechten Cantilenen-Einstieg der Streicher fiel mit den ersten Tönen des Klarinettisten sein ungewohnt warmer, fülliger Ton auf. Die Tätigkeit als weitherum gereister Solist (und die Tatsache, dass er infolge Instrumentendiebstahl seit zwei Wochen auf sein «altes» Instrument ausweichen musste) manifestierte sich darin, dass er das Spiel im Pianissimo-Bereich auch dann mied, wenn die Terpsycordisten vorbehaltlos in dynamischer Zurückhaltung agierten. Auch zu fünft generierten die Musiker quasi blindes Einvernehmen, übernahmen motivisches Material in kongenialer Manier spielfreudig, was in der spontanen Übernahme eines im Satzübergang ertönenden Schiff-Hornsignals durch den Klarinettisten erheiternd belegt wurde! 

Mozarts Meiserwerk wurde zum Genuss:  Herbes Zupacken im Wechselspiel mit geschmeidiger Tongebung faszinierten. Dass an jedem Instrument allesamt Könner am Werk waren, belegten die heraushörbaren Hauptstimmen leichtens. 

Riesenapplaus und Vorfreude

Solches Konzertieren faszinierte: Der Riesenapplaus zu den überreichten Blumen war mehr als verdient, man hätte gerne noch länger zugehört…

Freue man sich also auf das «Winter»-Konzert vom 14. Januar 2018 um 17.00 Uhr: Schuberts Klaviertrio B-Dur op. 99 steht als Kammermusikperle der des Klavierquartettes Es-Dur KV 493 gegenüber. 

xeiro ag