Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Ausgedehnte Turnfahrt des MTV

Inspiriert von der letztjährigen Schau «Drei Partnergemeinden, eine Ausstellung» im Ortsmuseum, hatte die Generalversammlung des Männerturnvereins Meilen (MTV) beschlossen, die Turnreise heuer im Wallis durchzuführen. Jetzt war es soweit.

  • Die Meilemer Mannen auf Tour im Wallis. Foto: zvg

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Die Turner wollten die Meilemer Partnergemeinde Ausserberg und das Oberwallis näher kennen lernen. Allen war auch klar, dass dafür zwei Tage nicht reichen würden, weshalb man beschloss, die Männerriegenreise um einen Tag zu verlängern. 

Ein Spurt und eine erste Wanderung

Sieben Uhr früh – 22 erwartungsvolle Männerturner mit Rucksack und Köfferli warteten am Freitag, 22. September auf die S7. Doch die Durchsage «Die S7 hat in Folge technischer Störung 13 Minuten Verspätung», verhiess nichts Gutes. Sofort ging das Raten los, ob die Meilemer den Zug ab Zürich HB via Bern nach Ausserberg noch erwischen – was passiert wohl mit den bestellten Kaffee und Gipfeli, welche der Reiseleiter als Überraschung organisiert hatte?

Es klappte auf die Minute, in Zürich verhinderten ein Sprint, dass der IC nach Bern ohne die Meilemer abfuhr. Dank einem engagierten Kaffeeverkäufer klappte es auch mit den bestellten Gipfeli und gefüllten Kaffeebechern. In Bern wechselten die Reisenden in den Regionalzug, der sie über die Bergstrecke durch den Lötschbergtunnel nach Ausserberg brachte.

Im Hotel direkt neben dem Bahnhof, gab es von der Hotelchefin einen Willkommenstrunk. Nach dem Zimmerbezug starteten die Turner zur Freitagswanderung. Auf dem «Kulturwanderweg» wanderten sie von Ausserberg nach Raron. Unterwegs auf einem uralten Wegstück erlebten die «Seebuebe» eine wunderschöne Landschaft mit Wiesen und Reben und herrlichem Ausblick auf das Rhonetal und in die Walliser Berge. Bodenfunde zeigen, dass dieser Fussweg schon von den Kelten und den Römern begangen wurde. Bis zur Entwässerung der Rhone-Ebene war dies die einzige Verbindung zu den Dörfern oben am Berg. 

Im Weindorf St. German, einem seit der Römerzeit bewohnten Dorf, war eine Weindegustation mit einem Mittagessen angesagt. Die Winzerfamilie Werner und Fabian Salzgeber verwöhnte die Wanderer mit einem hervorragenden Walliserteller mit Hobelkäse, Trockenfleisch, Walliser Wurst und Roggenbrot. Dazu gab es herrlich filigrane und rassige Weissweine sowie fruchtige, geschmeidige Rotweine. Nach dem Besuch des Heinisch Biel, wo bereits in vorchristlicher Zeit Menschen ansässig waren, ging es weiter nach Raron. Auch die Geschichte von Raron geht in die Steinzeit zurück. 

Im Mittelalter beherrschten die Freiherren von Raron grosse Teile des Wallis. Sie bauten eine Burg und eine Kirche auf dem Burghügel. In der Neuzeit wurde am Fusse des Burghügels eine Felsenkirche errichtet, weil der Fussweg zur Burgkirche für die älteren Menschen zu mühsam war. Auch das Grab des Dichters Rainer Maria Rilke kann auf dem Burghügel – direkt neben der Kirche – besichtigt werden. 

Am späteren Nachmittag ging es mit dem Zug nach Ausserberg zurück, und herausgeputzt traf man sich später zum Apéro und Nachtessen. Den Rest des Abends verbrachten die Turner mit Jassen und Diskussionen über Gott und die Welt. Für einen Männerturner war der Abend besonders aufregend: er wartete nämlich auf die SMS-Nachricht, dass er Grossvater geworden sei. Doch daraus wurde nichts, seine Enkelin erblickte erst zwei Wochen später das Licht der Welt.

Eine Tour mit dem Alt Gemeindepräsidenten

Nach einer längeren oder kürzeren Nachtruhe war wiederum eine Wanderung vorgesehen. Begleitet vom früheren Ausserberger Gemeindepräsidenten Christoph Meichtry, ging es auf der Lötschberg-Südrampe von Hohtenn nach Ausserberg – ein Wechselspiel zwischen alpiner und südlicher Vegetation, spektakulären Bahnbauten und toller Aussicht ins Tal und in die Berge. Die Wanderung führte durch Tunnels, über Bahnbrücken und entlang von Suonen, den jahrhundertalten Bewässerungskanälen, dazu gab es interessante Ausführungen des ehemaligen Gemeindepräsidenten Christoph. Nach der Bewältigung dieser Wanderroute mit ihrem langgezogenen Aufstieg nach Ausserberg gab es zur Belohnung einen Gipfeltrunk. 

Am Abend – «süber gepützt und dargetan» – fuhren alle mit dem Postauto in den alten Dorfteil von Ausserberg, wo bereits Christoph und Eggi für eine Dorfführung warteten. In der Burger-Stube erklärte Christoph Meichtry die Wasserzuteilung, die «Tässlete», denn seit über 1000 Jahren müssen die Ausserberger ihr «heiliges» Wasser aus dem Bietschtal herleiten. Anschliessend wurde die alte, noch funktionierende Wassermühle vorgeführt, in der noch heute Roggen gemahlen wird, und das neu renovierte Backhaus, in dem das Roggenbrot gebacken wird. Vorbei an alten Stadeln und Speichern gings zu Bauer Orlando und seiner Frau Liselotte, die für die Gäste ein feines Raclette mit Walliser Rohmilchkäse zubereiteten – ein herrlicher Genuss! Der geschmolzene Käse schmeckte einfach wunderbar, auch ohne weitere Gewürze. Dazu servierten die Gastgeber wunderschöne weisse und rote Walliser Weine. 

Ein Männerturner erhielt sogar besondere Aufmerksamkeit. Da ihm Käse nicht bekommt, verwöhnte ihn die Gastgeberin mit einem Steak mit Nüdeli und Salat, welches er in der Küche essen durfte, ganz ohne Käsedüfte. Er genoss die traumhafte Aussicht ins Rhonetal und auf «Visp by Night» und fühlte sich im siebten Himmel. Als Dank an die Gastgeber erklang vor dem Aufbruch das Seebuebe-Lied mehrstimmig in die laue Nacht. Zu Fuss marschierten die Männer dann bei angenehmen Temperaturen und einem klaren Nachthimmel ins Hotel zurück.

Eine Führung, die auch dem Magen gefällt

Nach dem Frühstück hiess es Abschied nehmen. Abschied von Ausserberg, vom Hotel und seinen Gastgebern. Gemäss Reiseprogramm erwartete die Turner in Brig eine «kulinarische Stadtführung». Während der interessanten Führung kehrten die Teilnehmer viermal in ein Restaurant ein, wo jeweils eine kulinarische Köstlichkeit aus dem Wallis serviert wurde. Was für ein Erlebnis! Keine Führung, bei der man irgendwann nicht mehr zuhören mag, sondern eine kurzweilige, interessante und abwechslungsreiche Runde, unterbrochen durch den Apéro, die Vorspeise, die Hauptspeise und das Dessert in je einem anderen Restaurant. 

Während den vier Stunden, in denen die Meilemer unter anderem den Stockalperpalast, Teile der Altstadt und die Saltina Bücke besichtigten, wurde es nie langweilig. Besonders die zwei Bündner Turner hatten ihre helle Freude, war doch die Stadtführerin eine ehemalige Romantsch-Bündnerin aus dem Münstertal. Einzig bei der Frage, welches Idiom der romanischen Sprache das Schönste sei, schieden sich die Geister. Einem anderen Männerturner wurden im Stockalperpalast Erinnerungen wach, war er doch vor 49 Jahren im Walliser-WK des Seebataillons 109 bei der Fahnenübergabe dabei.

Schliesslich brachte die SBB die Männerturner durch den Lötschberg-Basistunnel pünktlich nach Meilen zurück.

Wer Interesse hat oder mehr wissen möchte, darf gerne versuchsweise mitmachen: Die Männer turnen – mit Spass, und um fit zu bleiben – jeweils am Donnerstag ab 20.15 Uhr in der Turnhalle Allmend in Meilen.

xeiro ag