Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

«Alt Meilen» neu präsentiert

Seit letztem Freitag verfügt das OMM wieder über eine attraktive Dauerausstellung. Unter dem Titel «Alt Meilen» steht im frisch renovierten Ortsmuseum eine moderne, interaktive Schau bereit – perfekt für verregnete Wochenend-Nachmittage!

  • Die eben eröffnete Dauerausstellung wurde eigens für Meilen massgeschneidert. Fotos: MAZ

  • An verschiedenen Hörstationen lässt sich Meilemer Dorfgeschichte direkt erfahren.

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Die Aufgabe, auf nur 35 Quadratmetern eine ansprechende Ausstellung zu gestalten, war keine einfache, wie der erfahrene Ausstellungsmacher Ralph Weingarten zugibt: «Es musste eine Umsetzung gefunden werden, die positiv auf die besonders schwierigen räumlichen Verhältnisse reagiert», erklärte er an der Vernissage vom vergangenen Freitag. «Aufgabe gelöst», ist man nun angesichts der einladenden neuen Ausstellung versucht zu sagen.

Es gibt viel zu sehen und zu hören

Im heimeligen Raum mit Kachelofen und knarrendem Holzboden im ersten Obergeschoss des Museums gibt es viel zu sehen, auch zu hören – und zu riechen, denn alles duftet noch ein wenig nach Farbe im frisch renovierten Haus. Frisch, leicht und locker soll auch der Zugang zu den Themen sein. Die Geschichte ist nicht abstrakt, sondern personifiziert: An acht Hörstationen, ausgestattet mit massgeschneiderten weissen Möbeln, ist jeweils ein Audiogerät angebracht, das man ans Ohr halten kann, worauf ein Pfarrer (je reformiert und katholisch), eine Industriearbeiterin, eine Bewohnerin der Kirchgasse, ein Lehrer, ein Bahnhofvorstand, ein Weinbauer oder gar der Untervogt Brändli aus dem 18. Jahrhundert direkt und frisch von der Leber weg aus dem Meilemer Alltag vergangener Zeiten erzählen. 

Anfassen erlaubt

Ihre Stimmen erhielten die einzelnen Personen von professionellen Sprechern, unter anderem von Manuel Löwensberg, dem Sohn von Ex-Bundesrat Moritz Leuenberger. Er spricht den Text des Weinbauern, der die Brücke schlägt vom Weinbau um 1900, den die Landwirte zahlreich und oft nebenher betrieben, zu den nur noch vier heutigen Profi-Winzern in Dorf.

Dazu kommen kurze, prägnante Texte auf Tafeln und sorgfältig ausgewählte Ausstellungsobjekte – es gibt viel zu sehen, grosse und kleine Dinge. Auch anfassen ist erlaubt; man kann in alten Schulbüchern blättern oder eine Swissair-Tasche aus den Siebzigerjahren aus der Nähe bestaunen. Sie wurde in Meilen von der ehemaligen Firma Holzscheiter & Co. hergestellt, wie beim Posten «Industrie in Meilen» zu erfahren ist. 

Themen, die Meilen unverwechselbar machen

Eine Modelleisenbahn am Boden unter den Fenstern symbolisiert den Fortschritt der Zeit, der in Meilen eng mit der Anbindung ans Bahnnetz verbunden ist. Informiert wird auch über die Dorfentwicklung und den Verkehr in den letzten knapp zweihundert Jahren. 

Die Themen wurden in einer siebenköpfigen Arbeitsgruppe erarbeitet und weisen alle auf Meilemer Besonderheiten hin. «Die Geschichte der Seegemeinden ist ja sehr ähnlich, es sollten deshalb Themen gezeigt werden, die in Meilen anders waren – die Industrie in Meilen, das Schulsystem in Meilen, der Weinbau und weiteres», so Ralph Weingarten. 

Archiv zum Mitmachen und Beitragen

In einem kleineren Nebenraum stehen für alle, die sich weiter in Meilens lange Geschichte vertiefen möchten – der Name der Gemeinde existiert seit rund 1100 Jahren – Dokumente und Schriften aus dem Archiv des Ortsmuseums bereit. «Mit dieser Trennung konnte die Ausstellung im Ausstellungsraum von viel Ballast erleichtert werden», sagt Weingarten. Das Archiv wurde zudem bewusst so angelegt, dass es im Laufe der Zeit weiter wachsen soll. Michel Gatti, Kurator des OMM, hofft, mittelfristig sogar die 8000 Meilen-Fotos im Besitz des Museums im neuen Archivraum öffentlich zugänglich zu machen. Die Besucher sind aufgefordert, mit ihren Erinnerungen und mit Objekten an das Ortsmuseum beizutragen (Kontakt: info@ortsmuseum-meilen.ch oder Telefon 044 923 47 27). 

In weiteren Räumen werden ausserdem die Themen «Pfahlbauer» und «Burg Friedberg» behandelt – diese Ausstellungen wurden bereits vor einiger Zeit ganz neu gestaltet und laden zum Mitmachen ein; man kann aus Scherben ein Gefäss zusammensetzen oder aus Leder einen Schuh nähen. Alle Dauerausstellungen eignen sich jedenfalls bestens für eine oder zwei kurzweilige Stunden an einem kühlen Sonntag, vielleicht verbunden mit einem Spaziergang an den See.

Innenrenovation und neues Treppenhaus

Das ganze Ortsmuseum erfuhr in den letzten acht Monaten im Inneren eine Auffrischung. Am Freitag vergangener Woche trafen sich zur Einweihung Behördenmitglieder und Vertreter der Stiftung Ortsmuseum, Planer, Architekten, Handwerker, Sponsoren und stolze Leihgeber der Dauerausstellung in den renovierten Räumen. OMM-Präsident Werner Wunderli freute sich sichtlich: Über das energetisch sanierte Treppenhaus, über den neuen Teppich, die neuen Fenster und den helleren Anstrich an den Wänden. 

Weiterhin unbefriedigend ist die akustische Situation im Gewölbekeller mit seinem Ziegelboden, hier brachten eigens angebrachte akustische Elemente noch nicht den gewünschten Erfolg. Man sei aber daran, eine Lösung zu finden, sagte Wunderli, denn es ist geplant, dass in Zukunft im Gewölbekeller auch Kleinkunst wie Cabaret oder Lesungen stattfinden soll. Gut ist, dass der Feuchtigkeit im Raum dank neuer Lüftungssteuerung reduziert werden konnte. Die Renovation kostete rund 330'000 Franken, die neue Dauerausstellung schlägt mit an die 100'000 Franken zu Buche.

Bei der Einweihung wurde naturgemäss auf alle Seiten gedankt: Gemeinderätin Irene Ritz dankte speziell für die Freiwilligenarbeit, die im OMM seit Jahren geleistet wird, und alle Beteiligten betonten die gute Zusammenarbeit untereinander. 

Offen jeweils Samstag und Sonntag

Die neue Dauerausstellung ist jeweils gleichzeitig mit den Wechselausstellungen offen – oder für Gruppen und Interessierte auf Anmeldung (Telefon 044 923 21 60).

Morgen Samstag und übermorgen Sonntag finden um 14.00, 15.00 und 16.00 Uhr Führungen durch die Ausstellung «Alt Meilen» statt. Heute Freitag ist um 18.00 Uhr Vernissage der Wechselausstellung «Meilen kreativ». Sie dauert bis am 10. Dezember und ist offen jeweils Samstag und Sonntag 14.00 bis 17.00 Uhr. Ortsmuseum, Kirchgasse 14, Meilen.

www.ortsmuseum-meilen.ch

xeiro ag