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300 Stämme aus dem Tobel geholt

Am Dienstag fand ein aussergewöhnlicher Helikopter-Einsatz in der Nähe des Weilers Toggwil statt: Sturmholz musste aus dem Tobel geflogen werden.

  • Da kommt ein Baumstamm geflogen: Einen Baum nach dem anderen holte der Heli aus dem Tobel. Fotos: MAZ

  • Die Crew am Boden befestigte Stahlseile an den Stämmen, um den Abtransport zu ermöglichen.

  • Die Crew am Boden befestigte Stahlseile an den Stämmen, um den Abtransport zu ermöglichen.

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Sturmholz, das sind jene unzähligen umgeknickten Bäume, die der Kraft von Wintersturm «Burglind» nicht standhalten konnten, und die nun Gefahr liefen, zur Beute von Borkenkäfern zu werden. Damit sich die Schädlinge nicht ausbreiten können, müssen vor allem die Fichten rasch entfernt werden, wie Revierförster Alexander Singeisen erklärte. Auch der Hochwasserschutz ist bei solchen Mengen an totem Holz ein Thema, weil bei starken Regenfällen die Gefahr von Verklausungen, einem Rückstau von Wasser, besteht.

Sortiert nach Qualität

Singeisen hatte den aussergewöhnlichen, aufwändigen und auch kostspieligen Einsatz koordiniert: «Meistens ist es möglich, Holz auf anderem Weg wegzuschaffen, zum Beispiel mit der Hilfe von Traktoren. Das war diesmal aber keine Option – es waren zu viele Stämme, das Tobel zu steil.» Der Heli, eine Bell 412 der Firma Heli Air, war einen ganzen Tag im Einsatz und beförderte dabei rund 300 Stämme aus dem Tobel auf eine angrenzende Lichtung, alle nach Qualität sortiert: Rechts das weniger schöne Energieholz, links das qualitativ bessere Bau- oder Konstruktionsholz. 

Tanklastwagen vor Ort

Damit alles reibungslos klappte, waren mehr als ein halbes Dutzend Männer im Einsatz: Als Flughelfer im Kontakt mit dem Helipiloten oder direkt bei den Stämmen, um das Stahlseil zu befestigen, an denen die Bäume hochgezogen wurden. Stamm um Stamm wurde zügig entfernt und abgeladen, um möglichst keine Wartezeiten entstehen zu lassen – Zeit ist in diesem Fall wirklich teures Geld. Sogar ein Tanklastwagen war vor Ort, so dass der Helikopter bei Bedarf aufgetankt werden konnte.

Eschenwelke bedroht Laubbäume

Neben den vom Borkenkäfer bedrohten Fichten wurden vor allem auch Eschen aus dem Tobel geholt. Sie leiden unter der Pilzkrankheit Eschenwelke. Die Welke betrifft nicht alle Eschen, manche scheinen dagegen immun zu sein, betroffene Bäume sind jedoch teilweise so krank und instabil, dass sie gefällt werden mussten, weil sie ein Sicherheitsrisiko darstellen. «Die Eschenwelke ist tatsächlich ein grosses Problem auch in Meilen», so Revierförster Singeisen. Bis jetzt konnte noch keine wirksame Therapie gegen die Baumkrankheit gefunden werden, die den nach der Buche zweithäufigsten Laubbaum der Schweiz bedroht.

Tobel bald wieder durchgehend begehbar

Die Kosten für die Aktion, die mehrheitlich Wald im Privateigentum betraf, übernimmt übrigens zum grössten Teil der Kanton, weil der betroffene Wald als «gerinnerelevanter Schutzwald» gilt.

Nun ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis das Dorfbachtobel wieder offen und nicht mehr gesperrt ist. Gestern Donnerstag fand nochmals ein Heli-Einsatz statt, nächste Woche dürfte das Tobel für Fussgänger gefahrlos begehbar sein. 

xeiro ag