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Meilemer Politbankett mit Kantonsrats-Kandidaten auf der Bühne
Am 3. April sind Kantonsratswahlen. Landauf, landab weibeln die Kandidierenden für Stimmen, meist an knochentrockenen Veranstaltungen. Auf der Leuenbühne aber gelang die Humorisierung der Politik.
Schon lange vor der offiziellen Saalöffnung drängten sich am Dienstagabend die Gäste im Treppenhaus. Der Andrang zum Politbankett war so gross, dass das OK sogar gezwungen war, eine Warteliste zu führen: Mehr als 300 Personen passen beim besten Willen nicht in den mit langen Tischen möblierten Saal.
Die Aussicht auf ein wenig Bekanntheit…
Offenbar hatte die Versuchsanordnung gezündet: Ausser der EDU schickten alle grösseren Kantonalparteien eine singende und tanzende Delegation von Kantonsrats-Kandidierenden nach Meilen. Spielverderber wollte niemand sein. «Es ist ein faszinierendes Phänomen, das man nicht erst seit den unsäglich lehrreichen Big-Brother-Sendungen kennt, wie die Aussicht auf ein wenig Bekanntheit, etwas Macht und – bei Politikern – die Fata Morgana von einigen zusätzlichen Wählerstimmen Menschen dazu bringt, den Rock zu lüften beziehungsweise die Hosen runter zu lassen», stichelte Christoph Meier alias Bruder Barnabas. «Barnabas», erstmals beim «Salvator»-Anlass vor einem Jahr auf der Bühne des Löwen, führte gekonnt rezitierend, deklamierend und singend durch den Abend – wie immer wortgewaltig, anspielungsreich und ohne Berührungsängste.
Mit und ohne Choreographie
Gemeindepräsident Christoph Hiller adelte den Anlass mit seiner Anwesenheit und brauchte sich mit seiner Begrüssungsrede nicht zu verstecken. Mitgebracht habe er fast den ganzen Gemeinderat, sagte er, etwas, was sonst nur bei der Wahl der Miss Meilen möglich werde, wobei das Politbankett ja auch ein wenig einer Viehschau gleiche. Allerdings sei natürlich eher Schlagfertigkeit gefragt als der Euterumfang.
Und dann galt: Bühne frei für die Kandidatinnen und Kandidaten. Der Reihe nach boten Grünliberale, CVP, SP, SVP, EVP, Grüne und FDP ihre Shows, von Rap bis Kinderlied, mit oder ohne Choreografie, aber immer mit einer Portion Selbstironie versetzt und, auch das ist eine lobende Erwähnung wert, immer begeistert applaudiert vom Publikum. Ganz unabhängig von der jeweiligen politischen Vorliebe.
Mehr als Schadenfreude
Am Ende des Abends war man sich einig: «Hosen abe» lohnt sich, und Politiker sind tatsächlich fähig, mehr Humor zustande zu bringen als Schadenfreude über den Misserfolg von Konkurrenten!
Mit dieser beruhigenden Gewissheit hielten es die meisten Gäste bis gegen Mitternacht im Jürg Wille-Saal aus und unterhielten sich quer über alle Parteigrenzen hinweg bestens.