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«Salvator» im Leue: Interview mit der Initiantin und dem Fastenprediger

Eva Maria Bartenschlager und Christoph Meier alias «Bruder Barnabas» in der «Löwen»-Küche

«Wer als Politiker keine Einladung erhält, hat etwas falsch gemacht»

 

Die Idee kam von Bergwacht-Mitglied Eva Bartenschlager vom Staldengut Toggwil. Die Münchnerin, seit einigen Jahren in Bergmeilen heimisch, machte den Meilemern Lust auf einen alten bayrischen Brauch, der auch am Zürichsee Fuss fassen soll: Die Fastenzeit-Predigt.Dabei sitzt man bei einem speziellen Bier, das wie der Anlass selber «Salvator» heisst, zusammen und freut sich diebisch daran, wie die hoffentlich zahlreich persönlich anwesende Dorfprominenz auf die Schippe genommen wird. Im Unterschied etwa zur Fasnacht geht es aber nicht um Verkleiden und Spottverse, sondern um – auch politisch – durchaus stichhaltige Kritik, witzig und pointiert vom Fastenprediger «Bruder Barnabas» vorgetragen. Die Fastenpredigt hält der ehemalige Meilemer, Kabarettist, Kommunikationsprofi und Buchautor Christoph Meier im Gewand des Bruder Barnabas. Er bereitet sich in vielen Gesprächen mit Meilemern und mit sorgfältigen Recherchen auf den Anlass vor.

 

Eva Maria Bartenschlager, wie wurde die Idee zum Meilemer «Salvator»-Anlass geboren?

Am Meilemer Bierfest vom letzten Oktober habe ich Katie Halter vom Verein Bergwacht gefragt, ob man hier im Dorf eigentlich auch einen «Salvator» kenne. Und als sie verneinte, habe ich ihr erklärt, wie das in meiner Heimat München funktioniert. Ihre spontane Reaktion war: «Das machen wir jetzt hier in Meilen auch!». Das Wahljahr 2010 eignet sich natürlich besonders gut für den Auftakt.

 

Was passiert am «Salvator»?

Man sitzt zusammen, isst Weisswürste mit Brezen und Kartoffelsalat, trinkt «Salvator»-Bier und lauscht der Fastenpredigt, die jeweils von einem bekannten Kabarettisten im Gewand von «Bruder Barnabas» gehalten wird. Danach gibt’s im Münchner Original-«Salvator» noch ein Singspiel – in Meilen werden sich statt dem Singspiel Politiker auf witzige Art und Weise selber präsentieren.


Erzählen Sie doch bitte noch mehr vom bayrischen Original.

In München wird zur Fastenpredigt und zum Singspiel jeder eingeladen, der was leistet, was macht, kurz, alle wichtigen Leute. Wer als Politiker keine Einladung erhält, hat etwas falsch gemacht und existiert quasi gar nicht… Auch eine sehr harsche Kritik kann übrigens eine Liebeserklärung sein; es wird ja grundsätzlich sehr übertrieben bei der Fastenpredigt, man holt die Eitelkeiten auf den Boden zurück und hält den Leuten einen Spiegel vor.

 

Christoph Meier, Sie halten am 4. März im «Leue» die erste Meilemer Fastenpredigt. Wie sehen Sie den Anlass?

Als liebevoll-freche Gratis-Seelsorge  in sehr angenehmem Ambiente, die für einmal im Kollektiv erlebt werden kann und zum herrlichen Paulaner Salvator-Bier serviert wird, das bestimmt helfen wird, die grösseren Klösse leichter zu schlucken. Das Timing ist unmittelbar vor den Wahlen natürlich gut; so nahe bei der Fasnacht besteht allerdings die Gefahr, dass die Lachmuskeln ungewohnter Meilemer überstrapaziert werden. Ziel ist, dass jeder mindestens 99 Mal über andere lachen kann – und dann vielleicht etwas leichter auch einmal über sich selber. Zur Kunst des «Derbleckens», wie es in München genannt wird, gehört ja auch die angemessene mimische und gestische Reaktion, wenn man drankommt. Aber nach hundert Jahren wissen die Münchner längst, dass das Allerschlimmste ist, nicht dranzukommen….

 

Wie haben Sie sich auf die Predigt vorbereitet?

Ich bin immer noch dran! Der letzte Satz wird wohl ein paar Minuten vor der Aufführung geschrieben. Aber  ich habe mich natürlich über alles, was politisch in den letzten Jahren in Meilen so lief – oder eben nicht lief – informiert, habe diversen Lästermäulern gelauscht, Internetseiten durchforstet, natürlich ganz intensiv die letzten Jahrgänge des Meilener Anzeiger studiert, mich auch bei benachbarten Gemeinden umgehört – aber alles will ich jetzt noch nicht verraten. Damit es den  Informanten nicht zu wohl wurde, hab ich immer auch über sie selbst nachgeforscht und natürlich auch vieles erfahren,  was nur hinter vorgehaltener Hand erzählt wird.  Mit Staunen, aber auch mit Schmunzeln habe ich die politische Pattsituation in Meilen zur Kenntnis genommen: Mir schwebt schon ganz Meilen als Ortsmuseum vor, das nur noch verwaltet und nicht regiert werden muss.


Eva Maria Bartenschlager, wie sieht der Ablauf des Abends aus?

Begrüssung, Anstich des Salvator-Biers durch Gemeindepräsident Hans Isler, der auch die erste Mass Bier kosten und hoffentlich für gut befinden und freigeben wird – ganz früher machte das in Bayern übrigens der Kurfürst! Dann hält Pater Barnabas alias Christoph Meier seine Predigt. Anschliessend wird gegessen, und zum Schluss folgt der Auftritt der Meilemer Politiker und Kandidaten selber.Ist schon klar, wer alles mitmacht?Die ersten hundert Plätze sind bereits belegt, und wir sind davon überzeugt, dass der Jürg-Wille-Saal gerammelt voll sein wird. Eingeladen ist auch die gesamte Polit- und sonstige Meilemer Prominenz. Es haben sich bereits mehrere Parteien in Gruppen für das «Singspiel» angemeldet. Wir sind sehr gespannt! Wer nicht mitmacht, wird ja doch vorgeführt, oder, wie wir Bayern sagen, die Promis werden derbleckt.

 

Derbleckt?

Wörtlich übersetzt heisst das «hochschiessen», und es kann im Positiven wie im Negativen verwendet werden. Beim «Salvator» geht es darum, Kritik zu ertragen und mit Kritik an sich selber umzugehen.Was soll der Anlass nicht sein?Kein Botellón! Das Bier dient einzig der «geistigen Nahrung», dem Lösen allfälliger Bretter vor dem Kopf. Es soll Hirn, Herz und Zunge lösen und aufnahmefähig machen. Der «Salvator» ist auch kein parteipolitisch einseitiger Anlass, und hoffentlich kein einmaliger. Wir hoffen, dass damit eine Tradition beginnt.

 

Der erste «Salvator» findet statt im Jürg-Wille-Saal des «Löwen» am 4. März ab 19.30 Uhr. Eintritt inklusive Weisswürste, Brezen, Kartoffelsalat, Apfelküchlein, Mineral und direkt importiertes Münchner Salvator-Starkbier: Nur gerade 60 Franken pro Person. Der Vorverkauf im Gasthof Löwen läuft. Tel. 043 844 10 50.

Hardmeier

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