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Mit Leidenschaft für Kammermusik

Die Bratschistin übt am liebsten im Musikzimmer zu Hause hoch über dem Zürichsee


Annette Bartholdy organisiert die «Vier Jahreszeiten»

Seit bald fünf Jahren sorgt sie mit der Konzertreihe «Vier Jahreszeiten» dafür, dass die Meilemerinnen und Meilemer regelmässig mit hochstehender Kammermusik versorgt werden: Annette Bartholdy ist Künstlerin aus Leidenschaft.
Der Musik gehört ein grosser Teil von Annette Bartholdys Herz, ganz klar. Doch auch ihre Familie ist der gebürtigen Bernerin über alles wichtig: Das strohblonde Töchterchen Jasmine (18 Monate), ihr Mann Patrick Sege, die Eltern und die Schwester «und alles was sonst noch zu einer Familie gehört – Hund und Haus inklusive», lacht Annette Bartholdy.

Kombination von Musik und Familie
Am geerbten Eichentisch im Landhaus hoch über Uetikon erzählt sie vom typischen Leben einer erfolgreichen Musikerin: Annette Bartholdy war auf dem ganzen Globus unterwegs und trat als Bratschistin an renommierten Festivals und Wettbewerben auf, solo oder mit ihrer eigenen Formation, dem Goldberg Trio Lucerne. Sie gewann Preise an mehreren nationalen und internationalen Wettbewerben und nahm auch zwei CDs auf, die hoch gelobt wurden.
Die Konzertreihe «Vier Jahreszeiten» ist für sie heute die ideale Kombination von Musik, «Sesshaftigkeit» und Familie. Viermal im Jahr organisiert sie Auftritte hochkarätiger Formationen in der reformierten Kirche Meilen: «Ich stelle das Programm so zusammen, wie es mir vorschwebt», erzählt sie. Ihre Leidenschaft ist die Kammermusik, «die Essenz, das Bewährte, das, was sich über Jahrhunderte gehalten hat, weil es grossartig ist.»
Die Konzertreihe hat jedes Jahr einen anderen roten Faden. Aktuell ist sie dem Komponisten Mendelssohn-Bartholdy gewidmet, mit dem Annette Bartholdy aber «nur geistig» verwandt ist – Bartholdy ist ihr Künstlername (und Bartholdy war übrigens auch für Felix Mendelssohn ein Künstlername).

Aufwändige Sponsorensuche
Die grösste Herausforderung bei der Organisation des Programms ist es jeweils, Sponsoren zu finden. «Das ist jedes Jahr sehr aufwändig», sagt Annette Bartholdy. Es ist ihr wichtig, den auftretenden Musikern Marktgagen zu bezahlen – «aus Respekt ihrer Arbeit gegenüber, und umso mehr, weil sie meine Kollegen sind.» Sie selber arbeitet gratis, und so resultiert am Ende der Veranstaltungsreihe jeweils eine schwarze Null.
Manchmal tritt Annette Bartholdy auch selber an ihrer Meilemer Konzertreihe auf. Das sind für sie immer besondere Momente, auf die sie sich sorgfältig vorbereitet. Sie übt aber nicht jahraus, jahrein jeden Tag, sondern blockweise – vor Auftritten rund vier Stunden täglich. Dann zieht sie sich in ihr Musikzimmer im ersten Stock des Hauses mit Blick über den See zurück, nimmt ihre rund 240-jährige Viola aus dem mit violettem Satin ausgeschlagenen Kasten und vertieft sich in die Noten.
Töchterchen Jasmine wird derweil von ihrer Schwester oder von Gatte Patrick gehütet. Letzterer, ein Ökonom, ist selber musikbegeistert und übernimmt gerne den Job, die Gäste in der reformierten Kirche persönlich und oft per Handschlag zu den Konzerten zu begrüssen.

Ein Verein für die «Vier Jahreszeiten»
Ab Februar ist Annette Bartholdy bereits wieder mit der Planung für die kommende fünfte Saison des Jahreszeiten-Zyklus beschäftigt: Programmgestaltung, Sponsorensuche… und, eventuell, die Gründung eines Vereins «Freunde der Konzertreihe Vier Jahreszeiten» stehen an. «Wir haben ein so treues Stammpublikum», erklärt die Künstlerin, «ich hätte gerne näheren Kontakt zu diesen Menschen.» Die Vereinsmitglieder könnten sich bei einem Anlass nach dem Konzert oder anlässlich von Probenbesuchen kennenlernen.

Eine Viola mit Geschichte
Der Kontakt zum Publikum ist Annette Bartholdy wichtig und führt manchmal sogar zu unglaublichen Begegnungen: Die Viola von 1767, auf der sie heute spielt, wurde ihr vor zehn Jahren von einem Ehepaar angeboten, das eines ihrer Konzerte besucht hatte. Mit dem wertvollen Stück aus der Werkstatt des bekannten Instrumentebauers Tomaso Balestrieri sei sie im Verlaufe der Jahre richtiggehend zusammengewachsen, sagt sie.
Bald kommt das Instrument wieder zu grossen Ehren. Neben Auftritten ist im 2009 die Aufnahme der Goldberg Variationen von Bach auf CD mit dem Goldberg Trio Lucerne geplant.
(ka)




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