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Begegnungen mit Johannes Calvin

Johannes Calvin (1509 – 1564) wird nach Meilen geholt

Referat, Konzert und Ausstellung zum 500. Geburtstag

 

Woran denken Sie, wenn Sie den Namen Johannes Calvin hören?
Kommt Ihnen da das Bild des hageren Protestanten in den Sinn, der mit unerbittlicher Logik von einem Gott zu berichten wusste, der die einen Menschen zum ewigen Heil und die anderen Menschen zur ewigen Verdammnis vorherbestimmt?
Denken Sie eher an den Vater des Kapitalismus, der die Menschen zu Leistung anspornte und so das neuzeitliche Profitstreben einläutete? Oder denken Sie an den theologischen Rechthaber, dem es nichts ausmachte, Michael Servet auf dem Scheiterhaufen verbrennen zu lassen?
Es könnten einem jedenfalls einige negativen Vorurteile in den Sinn kommen, wenn man diesen Namen hört. Und wie so oft haben auch diese Klischees zwar in einem Körnchen Wahrheit ihren Ursprung, aber dieser ursprüngliche Wahrheitsgehalt wurde im Laufe der Zeit eben auch mächtig verzerrt.

Reformator der zweiten Generation
Vor 500 Jahren wurde Johannes Calvin geboren. Dies haben die reformierten Kirchen in der ganzen Welt zum Anlass genommen, sich intensiv mit Leben und Werk des Genfer Reformators auseinander zu setzen. Dies hat dazu geführt, dass das oft mit Vorurteilen behaftete Calvin-Bild doch in einigen Zügen revidiert werden konnte.
Calvin ist ein Reformator der zweiten Generation. Luther und Zwingli waren schon einige Zeit am Werk, als er mit den neuen Gedanken in Kontakt kam. Dann aber fing er Feuer für die neue Gestalt der Verkündigung und wurde selber zu einem der wichtigsten theologischen Denker der Reformation – freilich ohne selber je im eigentlichen Sinne Theologie studiert zu haben.
Wer sich mit Johannes Calvin eingehender beschäftigt, lernt einen gewissenhaften Menschen kennen, der sein ganzes Leben in den Dienst der Ehre Gottes stellte. Ja, Gott allein und seine Gnade sollte den Menschen nahe gebracht werden.
Um seine Person hat er kein Aufhebens gemacht. Er wollte denn auch an einem unbekannten Ort begraben werden. So wissen wir zwar heute, auf welchem Friedhof er seine letzte Ruhe gefunden hat, was aber heute als sein Grab bezeichnet wird, ist mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht seine letzte Ruhestätte.


Harte Erfahrungen
Calvin hat sein Ziel, die Verbreitung und Festigung des «neuen Glaubens» mit grosser Beharrlichkeit verfolgt. Seine Briefe und andere Berichte zeigen aber, dass er dabei nicht engstirnig geworden ist, sondern vielmehr immer offen für das Gespräch war und stets die Versöhnung zerstrittener Parteien suchte. Mag sein, dass seine Gesichtszüge zunehmend härter geworden sind. Aber Calvin musste auch harte Erfahrungen machen.
So musste er seine Heimat Frankreich als Flüchtling verlassen, wurde mit grossen Bitten nach Genf berufen und von dort wieder vertrieben. Aber als er schliesslich wieder nach Genf zurückgerufen wurde, haben die Widerstände gegen ihn nicht einfach aufgehört. Seine Frau ist nach nur neun Ehejahren gestorben, und der einzige gemeinsame Sohn war kränklich und ist nicht alt geworden. Am Schluss haben Calvin zunehmend Krankheiten und Schmerzen geplagt.

Ein Mensch mit feu sacré
Calvin ist als Mensch und als Theologe immer eine Begegnung wert. Deshalb hat die reformierte Kirchgemeinde ihn auch in unserer Gemeinde «geholt». Am Freitag, 6. November um 19.15 Uhr wird im Kirchensaal des «Leue» der Theologieprofessor Dr. Pierre Bühler in einem Referat in Calvins Leben, Werk und sein theologisches «feu sacré» einführen. Gleichzeitig wird damit eine kleine Ausstellung eröffnet, die eigens für Kirchgemeinden konzipiert worden ist. Sie zeichnet in einfachen, klaren Schritten Weg und Wirken Calvins nach. Die Austellung wird den ganzen November hindurch zu sehen sein (vgl Kasten).
Am Sonntag, 8. November um 10.00 Uhr wird im Gottesdienst die von Calvin inspirierte Spiritualität im Zentrum stehen. Und am selben Sonntagabend um 17.00 wird in der Kirche am See eine Konzertmeditation zum Genfer Psalter statfinden. Der Motettenchor der Kantorei Meilen unter der Leitung von Barbara Meldau und Pfarrerin Jacqueline Sonego Mettner werden diesen Anlass gestalten.
Benjamin Stückelberger, Pfarrer


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