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Goldonis Ferientrilogie im Atelier Theater
Geld, Liebe, Abenteuer: In der Ferientrilogie von Goldoni kommen auf der Bühne des Atelier Theater Meilen fast alle irgendwie zu kurz, nur die Zuschauer nicht. Sie dürfen sich bestens amüsieren.
Ferienzeit! Endlich ausspannen, endlich Abenteuer erleben, endlich Zeit füreinander haben. Da sind die Erwartungen und die Vorfreude natürlich gross, aber umso grösser können auch die Enttäuschungen ausfallen, wenn alles ein bisschen anders kommt, als man denkt. Das war auch schon im 18. Jahrhundert so, als Carlo Goldoni (1707–1793) seine Komödientrilogie verfasste. Darin verbringen zwei benachbarte bürgerliche Familien ihre Ferien gemeinsam auf dem Land, wobei schon die Vorbereitungen für allerlei Turbulenzen sorgen. Denn schliesslich geht es um lebenswichtige Fragen wie: Wer reist mit wem und in welchen Kleidern? In wessen Landhaus kann man die Zeit vergnüglich gestalten? Und wie kommt man ohne Geld zu all den sommerlichen Amüsements? Denn, auch wenn man sich die Ferien eigentlich gar nicht leisten kann, kann man es sich um des guten Rufes willen noch viel weniger leisten, nicht zu verreisen.So geht es auch dem mittellosen Leonardo, der die reizende Bürgerstochter Giacinta zwar verehrt, aber vor allem heiraten muss, damit ihre Mitgift seine völlige Pleite verhindert. Von diesen Geldnöten ahnt Giacinta nichts, verlobt sich also, liebt aber eigentlich einen anderen, den reichen Guglielmo, an dem wiederum Leonardos Schwester Vittoria Gefallen findet.
Glück und Flucht
Alles ist ein bisschen kompliziert, es wird getrickst und getäuscht, um den materiellen Schein zu wahren und schliesslich doch aufs Land zu fahren. Dort versammeln sich neben weiteren Schmarotzern und Liebeshungrigen auch wagemutige Spieler, freche Diener und viele andere. Das Spiel der Liebe wird immer vertrackter, bis am Ende der Ferien fast jeder genau bei demjenigen landet, dem er zu Beginn hat entfliehen wollen. Was bleibt, ist die Welt des bedrückenden Alltags. Da ist auch Tschechow nicht mehr weit: die nicht befolgten Gefühle, das verpasste Leben, unglückliche Paare.
Seele unter der Maske
Mit den in ihren Widersprüchen gefangenen und darum so menschlichen wie auch zeitlosen Figuren verabschiedete sich Goldoni endgültig von der damals vorherrschenden Commedia dell'arte, der alten Masken-Stegreifposse, ohne allerdings in vielen urkomischen Szenen deren Tradition zu verleugnen. Die nach dem Vorbild Molières geschaffenen Charakterkomödien sollten laut Goldoni dem Schauspieler eine Seele geben, denn die Seele unter der Maske sei wie das Feuer unter der Asche. Auf das Feuer des sechzehnköpfigen Schauspielensembles des Atelier Theater darf man also gespannt sein. Zu hoffen ist, dass sich die Begeisterung des Publikums daran entzündet. Der Regisseur Christian Seiler, bekannt vom AG Theater Rämibühl und der Schauspielschule Zürich, hat die drei Stücke neu übersetzt und gekürzt und zu einem Stück vereint.Die Premiere findet am Donnerstag, 29. Oktober statt. Ihr folgen Aufführungen am 31. Oktober und am 1./4./6./7./8./11./13./14./15./18./20./21./22./25./27./28./29. November im Theater Heubühne, General Willestr. 169, Feldmeilen. Vorstellungsbeginn ist wochentags um 19.30 Uhr, sonntags um 17.00 Uhr. Spieldauer: ca. 2 1/2 Stunden inkl. Pause. Theaterbar und Abendkasse offen ab 18.45 Uhr, sonntags ab 16.15 Uhr. Alle Theaterplätze sind nummeriert. Vorverkauf: Buchhandlung am Kreisel, Tel. 044 261 08 47, General-Wille-Str. 119, Feldmeilen.Reservationen via E-Mail: ateliertheater@gmx.ch (mit Bestätigung).