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Der Architekt, Maler und Bildhauer Hans Fischli wäre heuer 100-jährig geworden. Im Ortsmuseum sind ab 17. Oktober Bilder und Skulpturen aus dem Frühwerk des Künstlers zu sehen.
Die ausgestellten Werke stammen allesamt aus dem Nachlass des 1989 verstorbenen Hans Fischli und stehen im Eigentum der Kinder Peter, Elena und Sandro. Sie möchten die Gedenkausstellung auch als Hommage an Meilen verstanden wissen – «mein Vater hat sich hier zeitlebens sehr wohl gefühlt; in Meilen war sein Lebensmittelpunkt», sagt Peter Fischli, der als Teil des Duos Fischli/Weiss zu den renommiertesten Gegenwartskünstlern der Schweiz zählt und im Haus Schlehstud aufgewachsen ist.
Eines der ersten Häuser mit Flachdach
Sein Vater hat das langgezogene weisse Gebäude im Quartier Au mit Sicht auf See und Berge im Jahr 1933 im Alter von 24 Jahren erbaut. Das Gebäude erregte Aufsehen, war es doch zu seiner Zeit eines der ersten Flachdachhäuser in der Schweiz. Darin befand sich neben den Wohnräumen für die Familie auch das Atelier von Hans Fischli; hier sind die im Ortsmuseum gezeigten Bilder und Skulpturen entstanden. Das Haus ist erhalten und wird heute von einem Architekten bewohnt.
Für günstiges Bauland nach Meilen
Nach Meilen verschlagen hatte es Hans Fischli im Anschluss an prägende Studienjahre im Bauhaus im deutschen Dessau. Dort genoss er Unterricht bei Paul Klee, Wassily Kandinsky, Oskar Schlemmer und anderen Künstlergrössen, bevor er in die Schweiz zurückkehrte, um sich am Zürichsee niederzulassen. «Damals war das Land in den Seegemeinden noch günstig, rundherum gab es Kuhweiden, und die nächsten Nachbarn waren Bauern», erinnert sich Peter Fischli (siehe auch sein Text auf Seite 3 dieses Meilener Anzeigers).
Nach «Schlehstud» entstand – ebenfalls in den Dreissigerjahren – mit einem Atelier-Wohnhaus für den Maler und Bühnenbildner Oskar Schlemmer ein weiterer Markstein des Neuen Bauens in der Schweiz. Grossen Bekanntheitsgrad erreichte Hans Fischli aber vor allem durch seine Bauten «Palais des attractions» und «Kinderparadies» an der Landi 1939, der Landesausstellung in Zürich.
Erbauer des Pestalozzi-Dorfs
Hans Fischli war zudem Erbauer und Mitinitiant des Pestalozzi-Dorfes in Trogen, und zahlreiche weitere Projekte und Bauten für Jugendliche zeugen von seinem sozialen und pädagogischen Engagement. In Meilen war Fischli weder in Vereinen noch in anderen Gruppierungen präsent, aber er empfing gerne Gäste: Schüler, Künstlerfreunde und Lehrer, wie sich Sohn Peter erinnert.
Von 1954 bis 1961 stand Hans Fischli der Kunstgewerbeschule und dem Kunstgewerbemuseum Zürich als innovativer Direktor vor. Das Kunsthaus Zürich würdigte ihn in einer grossen Einzelausstellung 1968, und in Anerkennung seines breiten künstlerischen Schaffens erhielt er 1979 den Kunstpreis der Stadt Zürich. Das Kunsthaus Aarau widmete ihm drei Jahre nach seinem Tod eine umfassende Retrospektive.
Selten gezeigte Werke im Ortsmuseum
Die im Meilemer Ortsmuseum ausgestellten Zeichnungen, Bilder und Kleinplastiken wurden bisher nur selten gezeigt. Das ganze Jahr durch im Dorf zu bewundern ist im übrigen der von Fischli geschaffene marmorne Brunnen südlich des UBS-Gebäudes gegenüber dem Bahnhof – er sollte einst den Meilemer Dorfplatz schmücken.
An der Vernissage vom Samstag, 17. Oktober spricht Dr. Karl Jost, Verfasser einer Fischli-Monografie. Beginn 17 Uhr (bis 20 Uhr). Öffnungszeiten der Ausstellung: 18. Oktober 11 bis 18 Uhr, 21. Oktober 16 bis 20 Uhr, 24. und 25. Oktober 11 bis 18 Uhr.