AZ Meilen · Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
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Gewerbelunch mit dem Gemeinderat
Jeweils im Januar lädt der Gemeinderat die Vertreter des lokalen Gewerbes zu einem zwanglosen Gespräch ein. Das Ziel: Kontaktpflege mit dem heimischen Gewerbe plus Informationsaustausch zu Fragen, die für die Gewerbler von Interesse sein könnten.
Dieses Jahr standen vier Themenkreise auf dem Programm: Dorfzentrumsentwicklung, Verkehr im Dorfzentrum, Bauen und Wohnen für den Mittelstand sowie das geplante Glasfasernetz in der Gemeinde. Rund 50 Vertreterinnen und Vertreter von Gewerbe und Dienstleistern hörten sich bei einem Lunch im «Löwen» am letzten Dienstag mit Interesse an, was die Gemeinderäte zu sagen hatten.
Gemeinderat gegen beide Dorfzentrums-Initiativen
Den Anfang machte Gemeindepräsident Hans Isler. Er informierte über das weitere Vorgehen bei der Dorfkernentwicklung. Zwei Initiativen «aus dem Volk» wurden kürzlich eingereicht und sind abstimmungsreif. Über beide wird an der März-Gemeindeversammlung beschlossen. Die Initiative von Anna Burgherr fordert einen Kredit von 500'000 Franken für die Projektierung eines Dorfplatzes mit Unterniveaugarage und 250 Parkplätze. Der Gemeinderat ist dagegen: «Die Initiative hat diverse Schwachpunkte, die aus heutiger Sicht nicht tragbar sind», erklärte Hans Isler.
Auch die zweite Initiative, die – etwas später — von der IG Dorfkern lanciert wurde, und die einen Architekturwettbewerb für eine Erweiterung des Gemeindehauses und ein neues Parkhaus fordert (vgl. Artikel auf Seite XXX), findet nicht die Zustimmung des Gemeinderats. Das Ziel, innert 12 Monaten den Stimmberechtigten einen Projektierungskredit vorzulegen, sei nicht zu erreichen. «Ein Jahr reicht dafür schlicht nicht aus», sagte Isler. Das Resultat des Wettbewerbs würde bei realistischer Terminierung erst in der nächsten Amtsperiode feststehen, wobei bereits heute absehbar ist, dass dannzumal die am stärksten involvierten Gemeinderäte nicht mehr im Amt sind.
Der Gemeinderat wolle zudem vor einem weiteren Mitteleinsatz abklären, «was Meilen eigentlich will», allenfalls mit Hilfe von Befragungen und einer Dorfentwicklungskonferenz. «Was passiert, wenn eine oder beide Initiativen dennoch angenommen werden?», wollte einer der Anwesenden wissen. – «Dann führen wir den Auftrag oder die Aufträge natürlich aus», sagte Isler.
Einlenker Kreuzung Rosengarten kommt wieder
Gemeinderat Christoph Hiller beleuchtete den Handlungsbedarf in Dorfmeilen wegen des zu hohen und für Meilen so nicht tragbaren Verkehrsaufkommens auf der Dorfstrasse. Gemäss Verkehrsrichtplan ist im Dorfzentrum eine «Flaniermeile» vorgesehen. Eine gewisse Beruhigung des Verkehrs soll unter anderem damit erreicht werden, dass sowohl Zu- als auch Wegfahrt beim Gemeindehausparkplatz in näherer Zukunft via Bahnhofstrasse erfolgen, was die Dorfstrasse entlastet.
Ausserdem kommt im September an der Gemeindeversammlung der Einlenker Rosengartenstrasse wieder aufs Tapet, und Tempo 20 mit der damit verbundenen neuen Strassenraumgestaltung im Dorfkern– analog zur Kirchgasse — ist in greifbare Nähe gerückt: Orientierungsversammlung am 4. Mai, Urnenabstimmung am 27. September. Anhand von Beispielen aus anderen Gemeinden zeigte Christoph Hiller, dass die anfängliche Skepsis von Gewerbetreibenden gegenüber Tempo 20 später gewichen ist, und dass die Begegnungszonen heute gut akzeptiert werden.
Die Anzahl der Parkplätze im Zentrum soll derweil vorläufig konstant bleiben, jedoch sollen dies Kurzzeitparkplätze sein.
Wohnraum und Glasfasernetz
Irene Ritz ist die zuständige Gemeinderätin betreffend Gemeinde-Liegenschaften. Sie sagte, wie diverse Anfragen und Vorstösse gezeigt hätten, sei günstiger Wohnraum in Meilen rar, vor allem, wenn es um Mietwohnungen gehe. Die Landreserven der Gemeinde seien aber «ordentlich», so dass man zurzeit ein Konzept erstelle, in dem über das Thema «Abgabe von Land im Baurecht an Interessenten» nachgedacht werde. Der Bau günstigen Wohnraums sei jedoch nicht Aufgabe der öffentlichen Hand.
Last but not least kam Chris Eberhard von der Energie und Wasser Meilen AG (EWM AG) zu Wort. Seit Oktober 2008 werden in Meilen versuchsweise einige Regionen – Feldgüetliweg, Schönacher, Auf der Hürnen – zum Teil über ein Glasfasernetz mit Informationen versorgt. Sie telefonieren, sehen fern und surfen so, wie es in Zukunft die ganze Gemeinde tun soll: Ultraschnell und mit einem Dienstanbieter nach Wunsch.
Drei der vier angesprochenen Themenkreise haben eines gemeinsam: Die anstehenden Probleme sind nicht einfach zu lösen. Dass der Gemeindrat aber immer wieder das Gespräch mit dem Meilemer Gewerbe sucht, wurde von allen Seiten positiv gewertet. Im Januar 2010 findet der nächste Gewerbe- und Industrielunch statt und wird für das Meilemer Gewerbe sicher so interessant sein wie das WEF in Davos für die Wirtschaftsführer der Welt.
(maz)