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Zeit für einen kritischen Marschhalt

Gipfelkreuz auf dem Gross-Aubrig

Am dritten Septembersonntag wird der Eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag gefeiert.

So wollte es die Eidgenössische Tagsatzung im Jahre 1832. Staatlich verordnet und ungeachtet des Zeitgeistes wird er seither Jahr für Jahr von den Angehörigen der verschiedenen Konfessionen gefeiert.
Sein Name kommt etwas sperrig daher: Einfach und klar ist das Anliegen – die Dankbarkeit. Hingegen ist «Busse» missverständlich, denn heute denken bei diesem Wort viele gleich an Ordnungsbussen oder Büsserhemd und Züchtigung – was angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise nicht einmal fern läge. Deutlich anders war die Bedeutung von «Busse» in der Generation der Begründer.
Sie verstanden darunter einen kritischen Marschhalt, bei welchem falsche Ideen und Massstäbe erkannt werden, die Haltung sich ändert und die Menschen sich erneut auf Gott und zugleich auf zukunfttaugliches, faireres Handeln ausrichten. Das Gebet schliesslich umfasst diese Aspekte: Die Menschen erfahren sich darin als aufgehoben bei Gott.
Solche Gedanken waren früher Gemeingut. Die heutige Gesellschaft ist allerdings nicht mehr so einig christlich geprägt. Und doch hat sich das Wissen erhalten – auch die Bundesverfassung 1von 999 beginnt mit der Präambel «Im Namen Gottes des Allmächtigen!» Das Volk und seine Politiker haben es als Chance betrachtet, dass wir nicht nur auf unsere Tüchtigkeit vertrauen, sondern uns auch dem Allmächtigen gegenüber wissen. Das zeugt gleichermassen von Respekt wie von Vertrauen.
Heute ist die Globalisierung harte Realität. Die rasche Ausbreitung der Finanz- und Wirtschaftskrise führt dies drastisch vor Augen. Es braucht nicht viel, um zu erkennen, dass in den vergangenen Jahrzehnten vieles in eine falsche Richtung gelaufen ist. Menschliche Unersättlichkeit hat schweren Schaden angerichtet. In unserem Land geht die Sorge um die Arbeitsstellen und die materielle Sicherheit um. Schlimm sieht es in den Ländern des Südens und des Ostens aus. Die Krise verschärft das ohnehin gegenwärtige Problem von Armut und Hunger. Ganz abgesehen davon, dass wir heute erahnen, welche klimatischen Lasten der Raubbau an den Ressourcen der Natur unseren Nachkommen aufbürdet.
In seinem Wort zum Dank-, Buss- und Bettag 2009 fragt der Zürcher Kirchenrat: «Was ist zu tun? – Es sind in Wirtschaft und Politik die Verantwortungen zu bezeichnen, die diese unhaltbare Situation beeinflussen können. Und es sind jene zu mahnen, die diese Verantwortung wahrzunehmen haben. Die gegenwärtige Lage ruft nach einem Wirtschaften, das den Menschen wieder in den Mittelpunkt stellt. Dafür braucht es Werte wie Vertrauen, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und Mässigung. Diese Werte zu leben ist uns allen aufgetragen. Persönlicher Verzicht ist ein Weg dazu nicht um der Moral willen, sondern im Blick auf die Ressourcen dieses Planeten und ihre gerechte Verteilung. (…) Verantwortung kennt keine Grenzen. Der Eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag fordert uns auf, sie wahrzunehmen.»
Der Bettag erinnert uns aber auch an die Quelle der Hoffnung, die es Menschen möglich macht, riesige Probleme anzupacken und die nötigen Schritte einzuleiten. Diese Quelle erschliesst sich im Vertrauen zum menschenfreundlichen Gott, der in Christus versöhnt und ermutigt, wie in einem alten Berner Bettagsmandat steht: «Wir flehen zu Gott, dem allmächtigen Schöpfer und Vater, dass er auch uns verzeihe nach seiner Langmut, uns nicht richte nach unserm Verdienst, sondern nach seiner Gnade durch unsern Heiland. Wir flehen zu ihm um seinen Segen für das Land.»
Mathias Rissi, Pfarrer


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