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Gestalten, Requisiten und Bilder von Kaspar Fischer
Selten gab es an einer Ausstellung im Ortsmuseum so viel zu entdecken wie gerade jetzt: Zum 12. Todestag von Kaspar Fischer wird sein äusserst vielfältiger Nachlass gezeigt.
«Ob wohl die Meilemer wussten, was für ein spezieller Künstler in der Gemeinde wohnte?» – mit dieser Frage an die rund 80 Besucherinnen und Besucher eröffnete Lukas Spinner am letzten Freitag die Vernissage im Ortsmuseum.
Kaspar Fischer, der Schauspieler, Autor, Zeichner, Aquarellist und Plastiker lebte von 1988 bis zu seinem Tod als 61-Jähriger vor zwölf Jahren in Feldmeilen. Bekannt war er vor allem von seinen Theaterstücken her, die er jeweils im Zürcher Hechtplatz-Theater aufführte, ab und zu auch für die Meilener Mittwochgesellschaft, und als Illustrator von diversen Büchern. Und von seiner Nachbarin Lonni Jeker, Mitorganisatorin der aktuellen Ausstellung, wurde er auf eine ganz spezielle Weise wahrgenommen: «Er wandelte jeweils in seinem Garten herum und murmelte etwas vor sich hin. Auf diese Wiese studierte er seine Theaterstücke ein.» Liebenswert und freundlich sei Kaspar Fischer gewesen, erinnert sie sich.
Die Stücke mussten zuerst noch katalogisiert werden
Schon vor einiger Zeit keimte bei Lukas Spinner und Lonni Jeker die Idee einer Kaspar-Fischer-Ausstellung in dessen Wohngemeinde – schliesslich hatten sie vor zwei Jahren bereits eine Ausstellung zum grafischen Werk von Kaspar Fischers Vater Hans Fischer (fis) konzipiert. Und Lukas Spinner, bis zu seiner Pensionierung Pfarrer in Meilen, kannte fast die ganze Familie Fischer, hatte vor zwölf Jahren nach Kaspar Fischers Tod sogar die Abdankung gehalten.
Die Requisiten und Bilder für die Ausstellung zusammenzutragen, war einerseits einfach, andererseits schwierig. Einfach war es, weil Lukas Spinner und Lonni Jeker Unterstützung von einer ausgewiesenen Fischer-Kennerien erhielten: Kunsthistorikerin Annegret Diethelm verschaffte den beiden Zugang zum gesammelten Nachlass, der seit Jahren unberührt im Archiv der Zentralbibliothek Zürich lag. Doch dann stellte sich heraus, dass die Stücke noch gar nicht katalogisiert waren – das musste zuerst noch erledigt werden, die Ausstellung erwies sich als willkommener Anlass dazu. Als schwierig erwies sich dann der Transport der teilweise sperrigen Kunstwerke: Viele Helfer mussten mit anpacken.
Metamorphosen als zentrales Thema
Doch jetzt sind sie alle bereit und zu bestaunen, die lebensgrossen Masken und Verkleidungen aus allen möglichen Materialien, die wandgrossen Leporellos und Bilder, die filigranen Figuren aus Knöchelchen, Tannzapfen und Lehm, aber auch Fotos, Zeichnungen und Aquarelle. Kaspar Fischer verwirklichte sein künstlerisches Talent in einem zauberhaften Kosmos von Figuren, Tieren und Dingen. Ein zentrales Thema sind die Metamorphosen: Eines entsteht aus dem anderen, Köpfe werden ausgetauscht, und aus einer Henne wird ein Hut. In grossen, detailverliebten Zeichnungen komponiert die Ziege auf Notenpapier, dessen Linien die Katze mit Tinte zieht, die der Tintenfisch spendet, währenddem das Kudu zum Korkenzieher wird, und im Dschungel verstecken sich Fabelwesen an der Grenze zwischen Tier und Pflanze oder zwischen Lebewesen und Ding.
Im Keller des Ortsmuseums sind Fischers Theaterrequisiten ausgestellt, unter anderem auch das Lieblingsstück von Lukas Spinner, ein Rucksack, der mit zwei Tischtennisbällen zum Gesicht wird, das ratlos-melancholisch auf den Boden zu starren scheint.
Für alle, die sich eine kindliche Seele bewahrt haben
Kaspar Fischer verkörperte auf der Bühne jeweils selber all die Fabelwesen, die er aus Handtaschen, Sackleinen, Tüll und Stoff schuf. Oder er entführte die Zuschauer am Hellraumprojektor in ganz eigene Zauber- und Traumwelten. Dabei wurde er 1984 bis 1987 musikalisch von Theo Buser (61) begleitet, der an der Vernissage mit improvisierten Klängen aus dem selbstgebauten «Theodon» für authentische Stimmung sorgte. «Ich kenne die Sachen, die hier stehen, belebt, habe die Handtasche auf der Bühne als Raubtier erlebt», sagt er. Kaspar Fischer habe auch ab und zu in der ersten Reihe gesessen, wenn er selber als Musiker auftrat: «Ich habe sein spezielles Lachen noch heute im Ohr», sagt er. Die Meilemer Schau findet er «sehr gelungen».
Auch die Ausstellungsmacher sind zufrieden. «Es ist eine Ausstellung, die nie langweilig wird, und für die es keine Vorkenntnisse braucht», sagt Lukas Spinner. «Jeder, der sich eine kindliche Seele bewahrt hat, kann einfach herkommen und die Sachen auf sich wirken lassen – Kaspar Fischer spricht für sich.»
Ausstellung noch bis 18. März
Die Ausstellung «Erscheinungen aus dem Kosmos», Gestalten, Requisiten und Bilder von Kaspar Fischer im Ortsmuseum, Kirchgasse 14, dauert noch bis zum18. März. Öffnungszeiten: Samstag und Sonntag 14.00 bis 17.00 Uhr. Spezielle Veranstaltungen: 28. Januar, 14.30 Uhr und 12. Februar, 14.30 Uhr: Führung mit Kaspar Fischers Witwe Ingrid Heitmann Fischer und Lukas Spinner. 5. Februar, 17.30 Uhr: Neffe Kaspar Weiss spielt und erzählt Anekdoten von Kaspar Fischer. 3. März, 15.00 Uhr: Spaziergang durch die Ausstellung mit Fischers Freunden Mensch Bogner und Annegret Diethelm.