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Stöckenweid-Einweihungsfest am 16. Mai
Nach zweieinhalbjähriger Bauzeit ist die «neue» Stöckenweid vollendet. Anlässlich eines Rundgangs wurden die Gebäude den Medien vorgestellt. Das grosse Fest für die ganze Bevölkerung steigt morgen Samstag.
Stiftungsratspräsident Kuno Müller führte mit sichtlichem Stolz durch die Räume, in denen 300'000 Arbeitsstunden stecken. Die Verantwortlichen dürfen sich freuen, denn das Ziel des Aus- und Umbauprojekts ist erreicht: Es wurde mehr Raum geschaffen. Mehr Raum für die Betreuten, die Betreuer und auch für die Kundinnen und Kunden der verschiedenen, in die Stiftung integrierten Läden und Werkstätten. Die gesamte Geschossfläche – ohne Treibhäuser – hat sich auf 4600 Quadratmeter verdreifacht.
Mehr als doppelt so viele Wohnplätze
Nach dem zeitlich planmässig erfolgten Abschluss der Bauarbeiten verfügt die Stöckenweid nun über insgesamt 45 Wohn- und 70 Arbeitsplätze für Behinderte. Zum Vergleich: In seinen Anfängen 1993 war das Heim nur für 22 Wohn- und 30 Arbeitsplätze vorgesehen. Mit den Jahren wurden es immer mehr Bewohner und mehr Angestellte, grösser wurde die Stöckenweid aber nicht – bis jetzt.
Es sind zudem nicht nur zahlenmässig mehr Plätze als früher, sie sind auch besser und schöner. So verfügt jetzt jede Bewohnerin und jeder Bewohner über ein eigenes Zimmer. Diese gruppieren sich jeweils um einen grossen Aufenthaltsraum samt Küche. Auch in allen Werkstätten werden gute räumliche Arbeitsbedingungen geboten. Farblich unterschiedliche Bodenbeläge helfen bei der Orientierung in den teilweise etwas verschachtelten Örtlichkeiten; überall wurde auf gute Lichtverhältnisse geachtet.
Leistungsfähige Küche
Seitdem im letzten Mai das neue Werkstattgebäude in Betrieb genommen worden ist, sind noch weitere Gebäude dazugekommen. So gibt es nördlich des alten Haupthauses jetzt einen langgestreckten Bau mit Saal und grosser Küche, letztere ebenerdig. Die leistungsfähige Küche versorgt alle Bewohner und Mitarbeiter bereits jetzt täglich mit insgesamt 100 bis 130 Mittagessen und bietet auch einen Catering-Service. Zum grosszügigen Saal mit seinem Gussboden in einem gedeckten Ziegelrot gehören ausserdem eine öffentliche Cafeteria sowie eine Bühne für Veranstaltungen. Der Saalanbau ist aussen in feine Holzlatten gehüllt, genau wie das Werkstattgebäude. Das jetzt noch kräftig hellbraune Holz wird mit der Zeit zu einem zarten Silbergrau verblassen; wie hübsch das aussehen wird, lässt sich jetzt schon am Werkstattgebäude ablesen.
Der Anbau nimmt Rücksicht
Im hundertjährigen Hauptgebäude ist weiterhin ein Teil der Bewohnerinnen und Bewohner untergebracht. Die betreffenden Zimmer wurden renoviert und aufgefrischt. Zudem bietet der neue weisse Anbau mit Verbindungstrakt Raum für weitere Wohngruppen; insgesamt sind es jetzt fünf Gruppen mit unterschiedlichen betreuungspädagogischen Schwerpunkten je nach Grad der Behinderung der Bewohner. Im Untergeschoss ist neu eine Physiotherapie-Praxis untergebracht, und auch die Verwaltung und allgemeine Therapieräume sowie Bäder, Lager, Hauswirtschaft und Kühlräume finden endlich ausreichend Platz.
Um das hunderjährige Haupthaus optisch nicht zu erdrücken, wurden viele Räume unter den Boden verlegt, wie Stiftungsratspräsident Kuno Müller beim Rundgang erklärte. Im Keller befinden sich nun auch die technischen Anlagen der Stöckenweid, so etwa die Wärmepumpe und die zusätzliche Pelletsheizung für die Abdeckung in Spitzenzeiten. Bereits jetzt gibt es Sonnenkollektoren für das Brauchwarmwasser, Wunschtraum ist vorläufig noch eine Photovoltaikanlage zur Stromgewinnung.
Neu und ein Bijou für gesundheits- und umweltbewusste Kundinnen und Kunden ist auch der zwischen der Gärtnerei und dem Werkstattgebäue situierte, vergrösserte und erweiterte Bioladen. Hier findet man alles für den täglichen Bedarf sowie Bio-Kosmetik und Bio-Wein. Bald kommt auch eine Floristik-Abteilung dazu (Eröffnung im Juni), bereits in Betrieb sind die Textilwerkstatt, die diversen Ateliers, die Schreinerei und die Bio-Gärtnerei. Letztere leidet allerdings noch immer unter einem akuten Mangel an Anbaufläche. «Wir hoffen sehr, in der Nachbarschaft weitere Flächen dazu pachten zu können», sagte Kuno Müller.
Mehrkosten von 3 Millionen Franken
Einziger Wermutstropfen bei der grossen Freude über das gelungene Werk: Weil das Projekt während der Planungs- und Bauzeit noch einige Ergänzungen und Verbesserungen erfuhr und Unvorhergesehenes die Kosten in die Höhe trieb, beläuft sich die Schlussabrechnung statt wie geplant auf Fr. 14,5 Mio. auf rund Fr. 17,5 Mio.
Die ungefähr 3 Millionen an Mehrkosten sind unter anderem begründet in zusätzlichen Sonnenkollektorenanlagen zur Reduktion der jährlichen Energiekosten (ca. Fr. 200'000.–), besseren Bodenbelägen (ca. Fr. 100'000.–), ergänzenden Betriebseinrichtungen und Ausstattungen (ca. Fr. 800'000.–), besserer und flexiblerer Bühneneinrichtung im Saal (ca. Fr. 300'000.–) und allgemeiner Teuerung seit Erstellung des Kostenvoranschlags (ca. Fr. 500'000.–). Kuno Müller betonte, dass mit vielen dieser Investitionen längerfristig Geld gespart werde und schlüsselte auch auf, wie die Finanzierung zurzeit geregelt ist: Bund und Kanton trugen rund 6 Millionen Franken bei, Gemeinden des Bezirks Meilen rund 1,1 Mio., die Stiftung Stöckenweid selber 1,7 Mio., Spenderinnen und Spender 3 Mio. Noch ist die Liegenschaft aber mit einer Hypothek von rund 5,7 Mio. Franken belastet, die – auch mit Hilfe von Spenden – nach und nach verkleinert werden soll.
Doch morgen Samstag treten alle Rechnungen für einen Tag in den Hintergrund: Die Stiftung Stöckenweid feiert Einweihung. Zwischen 11 und 18 Uhr ist die Bevölkerung herzlich eingeladen. Es gibt eine Festwirtschaft, eine Kaffeestube, Musik, ein Kinderkarussell, Führungen, und – um 15 Uhr – eine Theateraufführung.
(maz)