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Orientierungsversammlung zum neuen Verkehrskonzept Dorf

Blick Richtung Kreuzplatz und Dorfstrasse: Die Stiftung, der das «Rothaus» gehört, ist bereit, einen Teil ihres privaten Gartens für die öffentliche Nutzung freizugeben (rechts)

Flaniermeile für Rücksichtsvolle

Der Gemeinderat stellte sein Verkehrskonzept für das Dorfzentrum vor, das im November an die Urne kommt. Geplant ist nun Tempo 50 statt Tempo 20 – und das mit gutem Grund.
Seitdem die Busse im Zentrum von Meilen über einen eigenen Bushof verfügen, hat sich die Verkehrssituation rund um den Bahnhof zwar leicht entspannt, «der Leidensdruck bleibt aber gross», sagte Sicherheitsvorstand Christoph Hiller an der öffentlichen Orientierungsversammlung vom letzten Montag im «Löwen».
«Flaniermeile», aber wie?
So soll nun das letzte Mosaikstein im Verkehrskonzept der Gemeinde Meilen gesetzt werden, um das stark befahrene Zentrum für den Durchgangs- und Schleichverkehr weniger attraktiv zu machen und gleichzeitig aufzuwerten: Im November können die Meilemer an der Urne sowohl über die Umgestaltung der Dorfstrasse als auch über die Umgestaltung des Verkehrsknotens Rosengartenstrasse (Einfahrt ins Migros-Parkhaus von der Seestrasse her) abstimmen. Bereits abgesegnet wurden vor einiger Zeit die Grundlagen dafür, der Verkehrsrichtplan und der Masterplan Verkehr. Damals hat der Souverän festgelegt, dass die Dorfstrasse, so wie heute bereits die Kirchgasse, zur «Flaniermeile» werden muss. Mit welchen Mitteln dies aber geschehen soll, blieb offen.
Oliver Schwarz Architekten, die schon für den Bushof verantwortlich zeichneten, schlagen für die «neue» Dorfstrasse unter anderem Anrampungen vor, die die Einfahrt ins Dorf auf der Höhe Kreuzplatz und beim Bushof als Tor erscheinen lassen; die Verkehrsführung des Triangels Burgstrasse/Dorfstrasse bei der Textilreinigung Wild würde ganz neu gestaltet. Entlang der Dorfstrasse ist eine seitliche Wasserrinne mit Wasserspielen an ihren Enden sowie auf der Höhe des Volg geplant. Die Autos würden paarweise unter neu gepflanzten Bäumen ausschliesslich auf der Nordseite der Dorfstrasse abgestellt, und am Hüniweg gäbe es einige zusätzliche Parkplätze, so dass es am Ende eine Handvoll mehr wären als heute. Auch die Bahnhofstrasse würde in die Umgestaltung mit einbezogen, denn die Zufahrt zum Gemeindehaus-Parkplatz könnte neu zwischen ZKB und Bauamt erfolgen, um die Dorfstrasse zu entlasten. Kosten würde das Ganze rund 3,64 Mio. Franken.

Kein neues Temporegime
Für die Dorfstrasse war die Rede bisher immer von «Tempo 20». Doch das ist Geschichte. «Der Gemeinderat war auf Studienreise», sagte Christoph Hiller, «und hat sich einen Samstag lang in der ganzen Schweiz unterschiedliche Lösungsansätze in der Praxis angeschaut.» Dabei kam das Gremium zum Schluss, dass es für die friedliche Koexistenz von Fussgängern, Velofahrern und Automobilisten weitaus entscheidender ist, wie der Strassenraum gestaltet ist, als was für ein Temporegime herrscht. Oder anders gesagt: Wenn die Autofahrer wegen der optischen und tatsächlichen Verengung der Strasse sowieso nicht schneller sein können als 30 km/h (was übrigens der aktuellen gemessenen Durchschnittsgeschwindigkeit auf der Dorfstrasse entspricht), brauchen keine speziellen Tempobeschränkungen signalisiert zu werden. «Wir appellieren an die Vernunft und Rücksichtnahme der Meilemer», sagte Hiller.
Ein gutes Projekt nicht gefährden
Bei diesem Entscheid hat sicher auch eine Rolle gespielt, dass sowohl die Ladenbesitzer von der Dorfstrasse als auch Anwohner von der Bruechstrasse ihren Widerstand gegen Tempo 20 angekündigt hatten. «Wir wollen ein gutes Projekt nicht gefährden», sagte Hiller, «und haben lieber den Spatz in der Hand, zumal Tempo 20 oder Tempo 30 bei Bedarf auch nachgerüstet werden könnte.»
Indes: Der Vorschlag der Gemeinde stiess bei einem Grossteil der rund sechzig Anwesenden auf blanke Empörung. Die Anwesenden schienen zu glauben, dass damit das Schicksal der Dorfstrasse als «Raserstrecke» besiegelt sei. Christoph Hiller konnte nur nochmals betonen, dass das Tempo faktisch schon heute bei durchschnittlich genau 32 km/h liege und dank der Umgestaltung sowieso nicht schneller werde. Zweifel gab es auch an den baulichen Massnahmen, insbesondere die geplante Strassenbreite von nur 5,5 Metern wurde kritisiert – zu befürchten sei ein Chaos, müssten beispielsweise der Ortsbus und ein Lastwagen kreuzen.

Zufahrt zum Migros-Parking von der Seestrasse her

Auf etwas weniger Skepsis stiess die zweite Vorlage, die Umgestaltung des Verkehrsknotens Rosengarten. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass – anders als bei früheren Anläufen – diesmal keine teure Lichtsignalanlage geplant ist. Das Kreditbegehren beläuft sich auf rund Fr. 840'000.–. Mit einer zusätzlichen  Einfahrt in das Migros-Parking von der Seestrasse her – zurzeit herrscht Einbahnverkehr – würde die Dorfstrasse entlastet. Anwohner befürchten allerdings, dass sich die Autos an Samstagen bis auf die Seestrasse zurückstauen.

Zwei Vorlagen an der Urne
Dass die Vorlage Rosengartenstrasse gleichzeitig mit der Vorlage Dorfstrasse am 29. November an die Urne kommt, ist übrigens neu und wurde, so Gemeindepräsident Hans Isler, «wegen dem sachlichen Zusammenhang der beiden Vorlagen» in letzter Minute so entschieden.
Werden die beiden Kredite angenommen, kann der neue Verkehrsknoten Rosengarten im Dezember 2010 fertiggestellt werden, die neue Dorfstrasse im Sommer 2011. Doch zuerst geht der Gemeinderat nochmals über die Bücher; die Vernehmlassung läuft noch bis Ende Mai. Ergibt sich eine grosse Anzahl Änderungen, ist eine weitere Orientierungsversammlung möglich. Die erste wurde nach knapp drei Stunden mit dem obligaten Apéro beendet.
(ka)







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