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Das «Altersforum» erwies sich als Bedürfnis
Wie sehr sich die Meilemerinnen und Meilemer für Altersarbeit interessieren, war vielen Senioren wohl selber gar nicht klar. Bis am letzten Samstag: 270 Personen fanden sich pünktlich um halb neun zum «Altersforum» im Löwensaal ein. Im Gepäck hatten sie Interesse und Engagement.
Das Altersforum ist das Resultat einer Initiative der Kommission für Altersarbeit, die von Gemeinderat Beat Hodel geleitet wird. Diese Kommission hat Ende 2008 das neue Meilemer Altersleitbild fertig gestellt. Ausgehend vom Ist-Zustand wurden darin die Leitsätze und Konzepte der Altersarbeit festgehalten, inklusive Mängelliste. «Eine Auslegeordnung» habe man damals gemacht, sagt Beat Hodel. Diese Auslegeordnung dürfe aber nicht in der Schublade verschwinden, nun sollte es einen Schritt weiter gehen: Ziel des Altersforums vom Samstag war es, Menschen über 55 dafür zu aktivieren, allfällige Mängel zu benennen und die bestehende Probleme gemeinsam anzupacken.
Reibungsloser Ablauf
«Ich war schon extrem überrascht, wie viele Leute sich zum Forum angemeldet haben», sagte Beat Hodel. Noch überraschter war er darüber, dass auch tatsächlich alle kamen «und fast alle blieben bis zum Schluss», schmunzelt er. Ein Grund dafür war sicher die professionelle, reibungslose Organisation des Anlasses. Dem Begrüssungskaffee folgte ein Referat von Soziologieprofessor François Höpflinger, danach sorgte die selbständige Sozialplanerin Anke Brändle-Ströh dafür, dass sich verschiedene Gruppen in Räume zurückziehen und sich unter der Leitung einer Moderatorin jeweils eines bestimmten Themenkreises in Ruhe vertieft annehmen konnten, bevor man die Wünsche und Anregungen an grossen Stellwänden im Saal zusammenfasste.
«Wer ist das im Spiegel?»
Das Referat von Professor Höpflinger erwies sich unter dem Titel «Unsere Zukunft gestalten» als humorvoller Einstieg mit einer gekonnten Mischung aus aktuellen Fakten und Anekdoten. Der Soziologieprofessor berichtete zum Beispiel, dass immerhin deutlich mehr als zwei Drittel der über 75-Jährigen ihre Gesundheit als gut bis sehr gut einschätzten und jede und jeder vierte in diesem Alter regelmässig Freiwilligenarbeit leistet. Dazu passte auch eine Feststellung, die Höpflinger aus eigener Erfahrung beisteuerte: «Der Mann, den ich im Spiegel sehe, sieht oft sehr viel älter aus als ich mich subjektiv fühle», oder anders gesagt: Die heutigen Rentner sind jünger als ihr Spiegelbild. Dieses Potenzial gelte es zu nutzen. «Engagement in jeglicher Form beugt der Langeweile vor und nützt den eigenen Lebensumständen», sagte Höpflinger.
Viele würden sich engagieren
In sieben Gruppen zeigten die Meilemerinnen und Meilemer dann, dass sie sich engagieren wollen und können. Diskutiert wurde unter anderem über Sicherheit, medizinische Grundversorgung, Mobilität, Information, Spiritualität, Sterben – und Wohnen. Die letzte Gruppe verzeichnete, wie zu erwarten war, am meisten Teilnehmende. Bereits im Januar hatte die Alterskommission einen Fragebogen verschickt und dann die 1500 eingegangenen Antworten ausgewertet und für das Forum aufbereitet. So zeigte sich beispielsweise, dass gute öffentliche Verkehrsbedingungen für Seniorinnen und Senioren, die in der bisherigen Wohnung bleiben möchten, etwas vom Wichtigsten sind. Immerhin ein Drittel der Befragten wäre auch bereit, sich an einer privatrechtlichen Trägerschaft – einer Genossenschaft oder Stiftung etwa – zu engagieren, falls in Meilen zusätzlich neuer Wohnraum für ältere Menschen gebaut würde. Das ist wichtig, denn im Gegensatz zu anderen Themen wie öffentlicher Verkehr ist der Wohnungsbau in erster Linie Privatangelegenheit und nicht Sache der Gemeinde, die aber allenfalls private Initiativen Unterstützung bieten kann.
Auswertung bis in einigen Monaten
«In den Gruppen wurde engagiert diskutiert und wirklich gearbeitet», freute sich Gemeinderat Beat Hodel. Er habe ausserdem von mehreren Teilnehmenden spontan ein sehr positives Feedback erhalten: «Das ist gewaltig und für uns auch eine Verpflichtung, die Ergebnisse dieses Forums sorgfältig auszuwerten.» In einigen Monaten sollen erste Ergebnisse vorliegen. «Auch wenn bestimmt nicht jeder einzelne Wunsch erfüllt werden kann, sind wir zuversichtlich, dass das Altersforum Früchte tragen wird, wenn sich die Senioren weiterhin so aktiv einbringen.»
(ka)