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Erste Anlage mit neuem Verfahren in Meilen
Energie aus Biomasse zu gewinnen liegt im Trend. Auf der Strecke bleibt jedoch oft die Energieeffizienz. Mit einem neuen Aufbereitungsverfahren wird in Meilen die optimale Nutzung der erneuerbaren Ressourcen erreicht.
Bereits seit einiger Zeit spricht das Bundesamt für Energie von Biomasse als einer der wichtigsten erneuerbaren Energiequellen der Schweiz. «Wir stehen als Energieversorgerin vor der stetigen Herausforderung, nachhaltige Lösungen mit einer möglichst hohen Energieeffizienz anzubieten», erklärt auch Dr. Jean-Claude Weber, Leiter Energieverteilung der Erdgas Zürich, und ergänzt: «Dank dem neuen Verfahren sehen wir gute Chancen, erneuerbare Ressourcen in Zukunft effizienter aufzubereiten, in unser bestehendes Erdgas-Netz einzuspeisen und sie im Wärme- und Treibstoffmarkt erfolgreich zu lancieren. Das neue Verfahren liefert eine deutlich höhere Effizienz.»
Vor mehr als zehn Jahren hat Erdgas Zürich mit Partnern begonnen, Erfahrungen in der Aufbereitung und Einspeisung von Bio-Erdgas zu sammeln. Stärken und Schwächen der Verfahren wurden auch auf ihre Praxistauglichkeit hin getestet.
Die aktuellen Messresultate der Anlage zeichnen nun bereits den nächsten Schritt vor: Die erfolgreiche Verbreitung und Vermarktung des Verfahrens in der ganzen Schweiz.
Kein Klärschlamm mehr auf den Feldern
Die gemeinsame Kläranlage der Gemeinden Meilen, Herrliberg und Uetikon am See (ARA Obermeilen) verfügt seit rund zehn Jahren über eine Hygienisierungsanlage für Klärschlamm. Der Schlamm wurde bisher nach der Vorentwässerung während mindestens 30 Minuten auf 70 °C erhitzt und anschliessend stabilisiert. Nach dieser Behandlung durfte er der Landwirtschaft zugeführt werden. Die dafür notwendige Wärme wurde durch zwei Blockheizkraftwerke (BHKWs) und einen Gaskessel geliefert.
Seit Januar 2006 darf Klärschlamm in der Schweiz nicht mehr in der Landwirtschaft ausgebracht, sondern muss fachgerecht verbrannt werden. Bei den bestehenden BHKWs wird somit künftig mehr überschüssige Wärme anfallen. Eine Machbarkeitsstudie hat gezeigt, dass der Verkauf des Klärgases an die Erdgas Zürich und der Kauf von Erdgas für den Betrieb einer kleinen Gasheizung die ökologischste und wirtschaftlichste Lösung für die ARA Obermeilen darstellt.
Effizienter als verstromen ist aufbereiten und einspeisen
Die Aufbereitung von Klärgas zu Bio-Erdgas ist für die Schweiz kein Novum. Seit Herbst 2004 wird das überschüssige Klärgas in der ARA Region Luzern aufbereitet und ins Erdgas-Netz der Städtischen Werke Luzern eingespeist. Auch in Bern wird seit anfangs 2008 Klärgas zu Bio-Erdgas aufbereitet. Neu in Meilen ist das effiziente Aufbereitungsverfahren, das zu einer ökologisch wirtschaftlichen Lösung führt.
Ziel des Projektes war, das in der Kläranlage Obermeilen produzierte Klärgas so aufzubereiten, dass es ins Erdgas-Netz der Erdgas Zürich eingespeist werden kann. Dazu muss das Klärgas mit einem Methananteil von rund 60 Volumenprozent auf Erdgas-Qualität aufbereitet werden. Aus Umweltschutzgründen ist es wesentlich sinnvoller, das Klärgas auf Erdgas-Qualität aufzubereiten, einzuspeisen und als erneuerbares Bio-Erdgas zu nutzen, als es in einem BHKW für die Erzeugung von Strom und Wärme zu nutzen. Stattdessen produziert die ARA Obermeilen die notwendige thermische Energie bedarfsgerecht mit Erdgas.
Das BCM-Verfahren ist vielseitig anwendbar
Im Juni 2008 hat Erdgas Zürich die erste BCM-Anlage in Meilen in Betrieb genommen. Das Verfahren kann nicht nur für die Aufbereitung von Klärgas, sondern generell für die Verwertung von organischen Abfällen eingesetzt werden. Unter dem Markennamen «BCMVerfahren» bietet die DGE GmbH aus Wittenberg (D) die neue Technologie seit zwei Jahren in Deutschland an. Erdgas Zürich hat die Exklusivlizenz für das neue Verfahren für die Schweiz und das Fürstentum Liechtenstein erworben.
Das Verfahren lässt sich in drei Stufen unterteilen: Zuerst erfolgt eine Wasserwäsche von Klär- bzw. Biogas. Dann wird das vorgereinigte Klär- bzw. Biogas drucklos mit einer Aminlösung behandelt. Das enthaltene Kohlendioxid wird fast vollständig entfernt. Am Ende wird das aufbereitete Biogas auf den benötigten Netzdruck verdichtet, odoriert und ins Erdgas-Netz eingespeist. Das Gas wird odoriert, damit es den typischen Gasgeruch annimmt, eigentlich ist es geruchlos, was ein Sicherheitsrisiko darstellt.
Das aufbereitete Biogas wird in der technischen Fachsprache auch Biomethan, Methangas, Reingas oder Rein-Biogas genannt. Erdgas Zürich verwendet dafür den Namen Bio-Erdgas. Die Anlage bei der ARA Obermeilen kostete 900'000 Franken, es sollen damit mehr als 840 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden.
(zvg)