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Ein Blick auf die Pracht vergangener Tage

Im barocken Landsitz war einst eine Textilfabrik zu Hause


Europäischer Tag des Denkmals mit Schwerpunkt in Meilen

Vor allem die Führungen in den prachtvollen Landsitz Seehof waren begehrt, auch wenn dem Publikum am Ende nur Garten und Keller geöffnet wurden.
Bereits eine halbe Stunde bevor am Samstagmorgen die Gratis-Eintritte zu den verschiedenen Führungen verteilt wurden, bildete sich am Infostand der kantonalen Denkmalpflege beim Bahnhof eine mit Schirmen, warmen Schuhen und Regenschutz ausgerüstete Menschentraube, die den Vertretern der Denkmalpflege dicht auf die Pelle rückte.
Vermutlich ist es dem grösstenteils älteren und gesitteten Publikum zu verdanken, dass es bei der Vergabe der nur gerade zwanzig Eintritte pro Führung ruhig und anständig zuging, denn trotz einer kurzfristig angesetzten dritten Extra-Führung hatten mehrere Interessenten kein Glück und mussten sich wohl oder übel einer der anderen Attraktionen zuwenden, so etwa einem Dorfrundgang, einer Besichtigung des Landgutes Seehalde oder einer Führung im Ortsmuseum.

Wärme im Löwen
Wer mochte, konnte sich vor dem garstigen Wetter auch an die offiziellen Eröffnung des Denkmal-Tags im Löwen retten. «Wir sind stolz darauf, dass Meilen als Schwerpunkt ausgewählt wurde», sagte Gemeindepräsident Hans Isler im denkmalpflegerisch perfekt strahlenden Jürg-Wille-Saal unter den Deckengemälden von 1892.
In den letzten zwei Jahrzehnten seien viele Meilemer Häuser mit Begleitung der Denkmalpflege restauriert worden, sagte Thomas Müller, Ressortleiter Dokumentation. Der rund 350-jährige «Löwen» hat vor sieben Jahren eine umfassende und sorgfältige Renovation erfahren und konnte ebenfalls anlässlich einer Führung erforscht werden.  Zudem fand ein kostenloses Mittagskonzert mit Gesang, Querflöte und Klavier im Löwen-Saal statt.

Gartenanlage wie aus einer anderen Welt
Die zwanzig Glücklichen, die zur ersten Seehof-Führung zugelassen wurden, trafen sich derweil an der Seestrasse 642 vor dem prachtvollen Gebäude, einem Schutzobjekt von kantonaler Bedeutung.
Die heutigen Eigentümer, das Ehepaar Eichenberger-Aeberli, öffnete eigenhändig das grosse, schmiedeiserne Tor zur seeseits des Hauses gelegenen Gartenanlage – es erwies sich als Tor zu einer anderen Welt. Mit Kies bedeckte Gartenwege, akkurat gestutzte Buchshecken, Zitronenbäumchen, Lavendel, Engelstrompeten, Statuen, ein plätschernder Brunnen und ein Wasserspiel, rechts und links begrenzt von mannshohen Mauern, das alles verströmt Ruhe und südländische Grandezza: Der dreigeschossige Seehof auf der Nordseite der Gartenanlage schirmt die grüne Oase gegen die Seestrasse hin ab, der lärmige Alltag scheint weit weg, der Blick geht über den nebelverhangenen See.
Wie Kunsthistoriker Pietro Wallnöfer erläuterte, war der erfolgreiche Textilproduzent Felix Oeri-Lavater Bauherr des 1768 erbauten barocken Herrschaftssitzes. Der Architekt ist unbekannt. Oeri benutzte nur die oberste Etage für Wohnzwecke, richtete in den unteren Etagen des Seehofs eine Weberei ein und vermarktete die Stoffe von Meilen aus. Nach dem Verkauf an das Stift Einsiedeln wechselte der Seehof im Laufe der Jahrhunderte mehrmals seine Eigentümer, gehörte mal dem Staat Zürich, mal der Gemeinde Meilen, mal einem Gemeindeammann, einem Wirt oder dem Dorfarzt.
1872 war der Dichter C.F. Meyer eingemietet und schrieb im Seehof eine Ode an die Kastanienbäume im Garten («Schwarzschattende Kastanie»). 1906 wurde das Haus für knapp 80'000 Franken von Dr. Johannes Aeberli übernommen, dem Grossvater der heutigen Eigentümerin. Sie liess das Gebäude vor gut zehn Jahren gemeinsam mit ihrem Gatten nach allen Regeln der Denkmalpflege-Kunst aussen und innen renovieren.

Im Keller war Schluss
Die Vorfreude der Besucherinnen und Besucher auf die prachtvollen Räume war jedoch verfrüht: Da die Wohnungen an verschiedene private Parteien vermietet sind, die keinen Wert auf drei Mal zwanzig fremde Besucher legen, war im Kellergewölbe schon Schluss. Bei einem offerierten Glas Weisswein musste man sich deshalb mit einer virtuellen Führung in Form von Fotos begnügen. Die Deckengemälde, Stuckaturen, Eichenparkette, Cheminées, von Hand bemalten Tapeten und kunstvollen Treppengeländer im Gebäudeinnern wären ganz bestimmt auch einen Besuch wert gewesen – vielleicht an andermal?
(ka)




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