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Gut besuchte Vernissage im Ortsmuseum
Scharenweise begaben sich am letzten Freitag die Besucher geistig auf die Reise: Im Ortsmuseum wurde eine interessante Ausstellung eröffnet.
Anlass für die Schau bildet der 150. Todestag des Landschaftsmalers Johann Jakob Meyer, der zu seiner Zeit für seine «federleichten» Stiche berühmt war. Das Ortsmuseum Meilen verfügt über unzählige Aquarelle und Stiche des Malers, zusammengetragen von Alfred und Margaretha Bolleter, die sogar eine Stiftung gründeten, der die Bilder heute gehören.
Da Meyer seine Jugend im Haus «zum Bau» an der Kirchgasse verbrachte und seine Mutter, Anna Wunderli, aus einem bekannten Meilemer Geschlecht stammte, lag es erst recht nahe, für das aktuelle Ausstellungsprojekt das Ortsmuseum zu wählen.
Stich statt Postkarte
«Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen – oder Bilder nach Hause bringen»: So begann Ausstellungskurator Dr. Ralph Weingarten seine Ansprache vor weit über hundert interessierten Vernissagebesuchern. Johann Jakob Meyer (1787 – 1858) lebte in einer Zeit, in der das Reisen erstmals im grossen Stil betrieben wurde. Die Passstrassen wurden ausgebaut, die Lust an der Fremde wuchs, und wer es sich leisten konnte, kaufte einen Stich als Souvenir von seiner Passüberquerung.
Diese Stiche wurden von Johann Jakob Meyer angefertigt, teilweise unter Mühen und Gefahren, denn die Konkurrenz war schon damals gross, und es zahlte sich aus, von bekannten Objekten immer wieder neue Ansichten zu liefern.
Gemächliche oder rasante Reisen
In der Ausstellung sind 32 Aquarelle vom Splügen und vom San Bernardino zu sehen, die ergänzt werden mit aktuellen Fotos, die der Meilemer Fotograf Tino Sand (34) beigesteuert hat: Er versuchte, die Stellen zu finden, von denen aus Johann Jakob Meyer 1823 seine Bilder gemalt hatte, um sie von dort aus im selben Format zu fotografieren. Insgesamt sechs Mal wanderte er in den Jahren 2007 und 2008 die 95 Kilometer lange Route von Chur bis Chiavenna – bewusst zu Fuss, um das Tempo dieser Art der Fortbewegung zu erleben. Wie rasant die Reisetätigkeit heute geworden ist, kommt auf seinen Fotografien trotzdem zum Ausdruck.
Nach der Ansprache von Ralph Weingarten spielten Barbara Meldau (Cembalo) und Cornelia Zehnder (Flöte) auf.
Der Text war zu lang
Lukas Spinner, Stiftungsrat der Bolleter Stiftung und ehemaliger Meilemer Pfarrer, erzählte den Besucherinnen und Besuchern danach, wie Meyer die Stiche von 1823 gemeinsam mit einem Autor als Buch herausgab, das sich aber nicht rechnete, weil der Texter zu viel schrieb, was das Werk teuer machte und sein Erscheinen verzögerte.
Bei einem Apéro mit Leckereien von Brigitte Beck äusserten sich die Besucherinnen und Besucher durchwegs begeistert über das Ausstellungsprojekt.
Wer die Stiche von Meyer und die Fotos von Sand auf sich wirken lassen möchte, hat noch bis am 26. Oktober die Gelegenheit dazu.
Die Ausstellung im Ortsmuseum an der Kirchgasse 14 ist geöffnet jeweils samstags 14 bis 17 Uhr und sonntags 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr. Führungen: 6., 21., 27. September und 12. Oktober 15 Uhr, 13. September 11 Uhr (Europäischer Tag des Denkmals).
(ch/ka)