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Neu gestaltete Kirchgasse
Sie war, nach der Seestrasse, einst der erste Meilemer Verkehrsweg, der geteert wurde. Jetzt spielt die Kirchgasse wieder eine Vorreiterrolle.
Erst hundert Jahre ist es her, da war die Kirchgasse noch eine wirkliche Gasse, wenn auch schon damals mit einer prächtigen Kirche am seeseitigen Ende: Es gab Miststöcke vor manchen Häusern und Kuhfladen am Boden, und der Kirchgass-Brunnen, heute zwischen Betten Benz und Uhren von Wyl, war der Ort, wo die Bewohner ihr Trinkwasser holten.
Dann kam der Fortschritt, und mit ihm tauchten die ersten Teerstrassen im Ortsbild auf. Nach der Seestrasse war die Kirchgasse der zweite Meilemer Verkehrsweg, der diesen praktischen neuen Belag erhielt.
Der Rest der Geschichte ist bekannt: Immer mehr Autos forderten immer mehr Raum, gleichzeitig verschob sich der Mittelpunkt des Dorflebens Richtung Dorf- und Rosengartenstrasse, die Kirchgasse wurde vom Prunkstück zum Sorgenkind.
Damit soll es jetzt vorbei sein. Der Gemeinderat setzte sich zum Ziel, eine städtebauliche Aufwertung der Gasse mit der längst fälligen Sanierung der Kirchgasse zu verbinden, dies nach dem Vorbild des bereits früher umgestalteten unteren Teils südlich der Schulhausstrasse.
Gleichzeitig soll die «neue» Kirchgasse auch eine Vorbildfunktion übernehmen: Nachdem die Trottoirs verschwunden sind, beziehungsweise sich auf derselben Höhe befinden wie die Fahrbahn, wirkt der gesamte Strassenraum ganz anders als vorher – mehr wie ein Begegnungsraum als wie eine normale Dorfstrasse. Die Wasserrinne, die sich als helles Granitband von Dorf- bis Seestrasse durchzieht, verstärkt diesen Eindruck noch, obwohl die Parkplätze (blaue Zone) erhalten blieben.
«Die Erneuerung der Kirchgasse bedeutet auch den Beginn der Zentrumserneuerung von Meilen», sagte der verantwortliche Gemeinderat Armin Hauser bei der feierlichen Wiedereröffnung am letzten Samstag. Denn, so führte Hauser sichtlich zufrieden weiter aus, die Kirchasse sei jetzt vom Baulichen her dafür bereit, dermaleinst offiziell als Begegnungszone mit Tempo 20 zu fungieren. Bereits jetzt zwingt die ungewohnte Optik die Autofahrer hoffentlich dazu, die Geschwindigkeit zu drosseln.
Zufrieden zeigten sich alle Beteiligten ausserdem darüber, wie rasend schnell, in wahrer Rekordzeit, Werkleitungen, Schächte, Wasserrinne, Teerbeläge und alle Anschlüsse an die vielen privaten Grundstücke links und rechts der Kirchgasse erneuert oder ersetzt worden sind. «Ohne Konzentration der Kräfte durch die einzelnen Unternehmungen wäre das Ganze niemals in nur sechs Wochen möglich gewesen», lobte Armin Hauser in seiner Ansprache anlässlich der Eröffnung. Geradezu erfreulich sei das Ganze auch auf der finanziellen Seite gewesen: die Kredite von Fr. 453'000.- seitens der Gemeinde sowie von Fr. 340'000.- seitens der EWM AG dürften mehr als eingehalten werden.
Ausnahmsweise wurde während der Sommerferienzeit und sogar an Samstagen gearbeitet. «Eine Wahnsinnsleistung der Bauarbeiter», findet Projektleiter Thomas Osterwalder vom Ingenieurbüro Osterwalder, Geisser & Brugger AG. Und René Egli, Geschäftsleitungsmitglied der Firma Hagedorn, die für die Tiefbau- und Strassenarbeiten zuständig war, gab die Lorbeeren zurück: «Damit alles so gut klappt, braucht es eine perfekte Vorbereitung.»
Ins Lob eingeschlossen wurden auch die Kirchgass’-Anwohner. Sie mussten einiges an Lärm und Dreck ertragen. Immerhin bemühten sich die Bauarbeiter, den Detaillisten beispielsweise bei der Anlieferung von Waren helfend beizustehen, wenn die Zugänge zu ihren Liegenschaften wieder einmal versperrt waren. «Siidefiin» sei die Zusammenarbeit gewesen, erklärte Bauführer Enrique Polla, und alle waren sich einig: Die Kirchgass-Geschäfte haben nun zum Ausgleich für die mühsame Bauzeit mindestens doppelte Umsätze völlig verdient…
Nach den Ansprachen von Armin Hauser, Gemeindepräsident Isler und einem Dankeswort von René Egli schritt man zur feierlichen Eröffnung der «neuen» Kirchgasse.
Statt zur Schere griff Hauser dabei zum Bagger, denn er musste kein Band durchschneiden, sondern eine Reihe von Granitblöcken aus dem Weg räumen, was ihm auch innert nützlicher Frist gelang.
Schliesslich durften sich alle Honoratioren in einen prächtigen roten Oldtimer setzen und damit Richtung Seestrasse rollen. Sie und die anderen Besucher der Eröffnung sowie all die nun nicht mehr lärmgeplagten Anwohner waren vor den Restaurants Blumental und Frieden zum Imbiss geladen.
(ch/ka)