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Gratis-Karussellfahrt jeweils am Montag von 11 bis 12 Uhr: Meilemer Chilbi-Brauch seit über 60 Jahren

«Chumm, mir wänd an d’Meiler Chilbi!»
Erzählung von Johann Caspar Bühler


In Johann Caspar Bühlers Buch «Anno dazumal» findet sich eine herrliche Beschreibung der Meilener Chilbi, wie sie vor mehr als hudert Jahren über die Bühne ging.
Seine Kindheitserlebnisse hatte das «Schuldenbäuerlein», wie Johann Caspar Bühler auch genannt wurde,  allerdings in Hombrechtikon. Immer wieder kam er jeweils im August auf das Thema zu sprechen und berichtete, wie dieses Fest in der Mitte des 19. Jahrhunderts gefeiert wurde.
Etwa ab 1885, als er in Meilen wohnte, erlebte er dann auch die Chilbi am See. Eine Besonderheit war offenbar allerorts, dass am Chilbimontag morgens früh die Hauptübung der Feuerwehr abgehalten wurde, wobei das Löschwasser zunehmend alkoholhaltig wurde…
Seine Erzählung unter dem Titel «Chilbi am Zürisee 1902» verfasste Johann Caspar Bühler im Stil einer alten Sage:
Und es begab sich in denselben Tagen, da feierten die Einwohner von Milene das Fest der Tempelweihe. Und sehr grosse Zurüstungen fanden allda statt. Und das Rad der Schuldbetreibung stand stille. Die Ältesten des Volkes und die Vorsteher sorgten für Plazierung der aus fernen Ländern und von weit überm Meer hergezogenen Gaukler und Zauberer, Schlangen- und Geisterbeschwörer.
In grosser Menge – wie noch nie – hatten sie sich eingefunden und versprachen Unglaubliches, Nochniedagewesenes zu leisten.
Vorläufig aber tummelte sich ihre halbnackte Jugend noch lachend und schreiend herum auf dem Platze des Hauses des Gerichtes. Die Schlächter aber und ihre Knechte metzgeten gar manchen Ochsen, manches Rind und manches Kalb, – nur die goldenen Kälber liessen sie am Leben. Die Mundschenken zubereiteten in ihren Gewölben ein mildes, wohltuendes, friedliches Getränk, und die Mundbäcker bereiteten einen weichen feinen, saftigen Teigg, und legten Butter dazu. Die sorgliche Hausfrau rüstete die Kuchen des Festes, den Braten und den Salat; sie schrupperte den Boden und wichste ihn, sie steckte frische Vorhänge auf und überzog die Betten, damit nichts fehle zur Bequemlichkeit der vielen Tausenden im ganzen Lande, die da sagten: «Chumm, mir wänd an d’Meiler Chilbi!»
Strahlend schön wie noch nie stieg sie auf, die alte Sonne Josuas, und betrachtete gwundrig ihre Schwestern in Hofstetten und Obermeilen. Und es rasseln die Züge, und es braust das Dampfschiff, und Gäste kommen in Menge. Und als der z’Imbis eingenommen, da tat der Hausvater Geld in den Beutel, und ging mit Muttern und Kindern hin ins Dorf. Grossvater sass noch ein Weilchen daheim auf dem Stallbänkli, als aber der Festjubel immer grösser wurde, klopft er sein Pfeifchen aus, ergreift den Stock und humpelt hin ins Dorf. Und eine gewaltige Menge Volkes war allda, aber mitten drin war «Frieden», war ein «Blumental», weidete ein «Lämmli» furchtlos in der Nähe des «Löwen». Und ein guter «Sternen» mit vielen Trabanten waltete allda.
Und alles Volk jubelte, und sprang und tanzte, die fremden Gaukler trieben ihren Zauber, die Reitschulen waren behangen mit festlich gekleideten Knaben und Mädchen, die Wegglikrämer und Pflaumenhändler hatten gute Losung und alle Welt war zufrieden und machte ein vergnügtes Gesicht, und einer sagte zum andern: «Ach, wenn es nu alli Tag Meiler Chilbi wär.»
Gegen Abend ist das Chilbigeld aufgebraucht, trauert ein armes Kind. Es hat zuerst seinen Fünfer verritten und dann für den letzten Zweiräppler von der guten Krämerin von einem Paar roter Zucker-Schüeli, die sonst fünf Rappen gekostet hätten, das eine erhalten. Wenn ihr etwa so ein armes Kind an einer Chilbi sich schüüch herumdrücken seht, gebt ihm einen Zehner oder Zwanziger oder kauft ihm ein paar Guetseli!
Und als am Morgen des zweiten Tages alles Volk noch in süssem Schlafe lag und träumte von den genossenen Freuden, ertönts auf einmal schaurig schön und fährt durch Mark und Bein, das Feuerhorn. Es knallen die Mörser, es läuten die Glocken – Feuerreiter sprengen, Velofahrer pedalen, Rettungs-Chörler rennen durch die Strassen dahin.
Heraus mit den Geräten! Kommandoworte ertönen – und die sich gestern so gemütlich mit den Weinschläuchen verweilet, nahmen nun am zweiten Tage die gewaltigen Wasserschläuche herfüre und machten alles nass. Ein Chilbimäntig ohne Füürsprützemusterig, das machte ja eine Gattung wie eine Bratwurst ohne Wurst!
Am Nachmittag aber, da trafen sich die Völker wieder im Dorf. Und wieder wurde gerittschuelet, gekrömlet, gesungen und getanzt, und höher und höher stieg die Lust. Und alle Völker, die da gekommen waren aus Süd und Nord, aus Ost und West, waren einmütig im Lobe über alles und sie bedankten sich für alles und versprachen übers Jahr wieder zu kommen, «denn es sei halt nu cheibe schön gsi an der Meilerchilbi.»
Die Erinnerungen an seine Burschenzeit fasste das Schuldenbäuerlein sogar als Gedicht ab – wie immer etwas holprig und im gewohnten Mischmasch von Hoch- und Zürichdeutsch:

Moorn isch Chilbi, säit de Hansli zur Mari
Gäll mir gönd dän au echli?
D Mari schäächt en aa
und säit: es chunt druffa,
eb mi d Muetter laht la gah.
Doch morndes wo de Hansli ist cho frööge choo,
säit d Muetter jaa und ist rächt froh,
weil Hans en braave Purscht und ihr anständig ist, –
doch na vill fröhner gwüss s Marili ist.
Die zwäi sind jung und läbesfroh,
und d Musig häts bald übernoh.
Viel tanzet händs, sind lustig gsii,
und fliissig schänkt de Hansli ii.
G’riitschuelet händs, sind Schiffli gfahre,
de Chasperli gschauet und ander Naare,
im Panorama, Schiessstand, Menascherie –
churz: überall sinds dine gsii,
und zletscht sinds ganz vergnüegt und froh –
so um di Zwölfi ume häizue choo.
S git nachli Most, s git na en Chuss,
s hät na chli z’Flisme geh zum Schluss –
und trotzdem: Ach, so schön ists gsii,
s mues äntli doch geschide sii. –
Doch wer na mag drei Wuche gwarte,
dem schickeds dänn Verlobigscharte…

Vieles hat seither geändert – nicht nur der Preis der «Föifertrüli», auf der eine Fahrt heute wohl zwei Franken kostet.
Seit 1942 geblieben ist der vom Blumentalwirt Albert Brupbacher gestiftete Brauch, eine Kinder-Reitschule am Montag von elf bis zwölf Uhr gratis fahren zu lassen. Hier gälte es nun nicht mehr, einem scheuen Chind einen Zweifrännkler zu schenken, aber vielleicht, ihm zu helfen, inmitten der rauen Bubenschar einen Platz in der Kutsche zu ergattern…
chw





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