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Interview mit der 14-jährigen Geigerin Shaina Kuo
Am Samstag, 2. Juni, um 20.00 Uhr findet in der Reformierten Kirche Meilen ein Konzert der Ministrings Luzern statt.
Judith Bollinger hat sich mit der erst 14-jährigen Meilemer Solistin Shaina Kuo unterhalten.
Shaina, du spielst am übernächsten Samstag zum ersten Mal vor dem Meilemer Publikum. Wie ist das für dich?
Ich freue mich, dass ich in dieser schönen Kirche mit der besonderen Akustik spielen darf. Meine Familie wohnt seit zwei Jahren in Meilen, und ich besuche hier die Sekundarschule. Dass viele Freunde und Bekannte zuhören, gibt mir Sicherheit beim Auftritt.
Für dein junges Alter hast du schon viel erreicht mit deinem Instrument, der Geige. Nennst du uns die wichtigsten Stationen deiner bisherigen Karriere?
Meinen Sie die Preise, die ich bekommen habe? Ich kann die wichtigsten hier aufzählen: In den USA habe ich den 1. Preis Dupage Symphony Orchestra competition und den 1. Preis Glyn Ellen Music competition erhalten. Am Schweizerischen Jugendmusikwettbewerb habe ich 2006 und 2007 teilgenommen. 2006 errang ich im Final den 3. und 2007 in Lausanne den 1. Preis.
Wie bist du zur Geige gekommen?
Aus erzieherischen Gründen. Meine Mutter ist der Überzeugung, dass man mit dem Erlernen eines Instrumentes in Disziplin geschult wird. Ich war vier Jahre alt, als ich in Chicago mit der Suzuki-Methode Violine spielen lernte und damit auch die erforderliche Disziplin. Seit ich 12 bin, übe ich zwei bis vier Stunden pro Tag.
Deine Familie stammt ursprünglich aus China, ist nach Taiwan ausgewandert, und deine Eltern sind schliesslich nach Chicago gezogen. Wie findest du den Zugang zur klassischen Konzertliteratur, die ja zum grossen Teil europäisches Kulturgut ist?
Mozart, Beethoven und Bach beispielsweise finde ich eher schwieriger in der Interpretation. Sehr gerne spiele ich Wieniawski, der zwar technisch anspruchsvoller ist. Auch meine Lehrerin, Susanne Lussi-Coray, die mich zur Zeit am Konservatorium Basel unterrichtet, führt mich nicht nur technisch, sondern auch interpretatorisch an die Werke heran. Viel habe ich auch in den Meisterkursen bei Renaud Capuçon in Fontainebleau, bei Jens Ellerman in München, beim Kanadier Robert Rozek in Zuoz und bei Zakhar Bron in Zürich gelernt.
Du trittst in Meilen mit den Ministrings Luzern auf. Stellst uns bitte das Orchester kurz vor.
Die Ministrings sind alle Jungmusiker zwischen 12 und 18 Jahren. Wir sind 16 Streicherinnen und Streicher mit einer Cembalistin. Wir spielen mit einem Konzertmeister, ohne Dirigent. Unser Leiter ist Herbert Scherz, der das Jugendorchester 1984 gegründet hat. Die Ministrings Luzern haben schon über 270 Konzerte gegeben und wurden in der Schweiz, in Deutschland, in den USA, in Tschechien und Kroatien mit begeisterten Kritiken gefeiert. Das Repertoire reicht von Werken des Barock über Klassik und Romantik bis in die Moderne und umfasst heute 89 Werke, die teils auf den Ministrings-CD eingespielt sind. Ich selbst spiele seit 2005 bei den Ministrings mit.
In Meilen spielt ihr Werke von Bach, Vivaldi, Sarasate und Holst. Du wirst das Violinsolo in den Zigeunerweisen op. 20 von Pablo de Sarasate spielen.
Ja, ich habe mir viele andere Soli angehört, aber Sarasate hat mir am besten gefallen. Ich liebe Zigeunermusik sehr. Dieses Stück ist technisch anspruchsvoll, speziell was den Einsatz des Bogens betrifft. Der erste Teil ist eher langsam, mit vielen Glissandi, aber interessant durch die schnellen Läufe. Im mittleren, lyrischen Teil hört man eine traurige Geschichte über Armut und Hunger, die eine Zigeunermutter ihrer Tochter erzählt. Der Schluss ist sehr schnell, voll Fröhlichkeit und Optimismus trotz allem und enthält viele Spiccati. Ich übe diese Zigeunerweise schon über ein halbes Jahr. Im April habe ich sie am internationalen Orchestertreffen in Hamburg gespielt. Sie gefällt den Zuhörern, weil es irgendwie Musik aus dem Herzen ist.
Welches sind deine nächsten Ziele?
Im Juni bin ich in einem internationalen Musiklager in Norwegen, im Sommer im Musiklager in Zuoz.
Und die Ziele für deine Zukunft?
Da ist erst mal die Aufnahme ins Kunst- und Sportgymnasium. Weil meine Deutsch- und Französischkenntnisse vielleicht noch nicht genügen – wir sprechen zu Hause Chinesisch und Englisch, und eine deutschsprachige Schule besuche ich erst seit letzten August – reicht es eventuell im nächsten Schuljahr noch nicht ganz.
Und nach der Matura?
Es wäre mein Wunsch, eine Ausbildung am Curtis-Institut of Music, ein Konservatorium in Philadelphia, absolvieren zu dürfen. Ich bin mir bewusst, dass die Konkurrenz gross ist, dennoch hege ich den Traum, Solistin zu werden.
Das Meilemer Publikum freut sich auf deinen Auftritt. Danke für das Interview und viel Glück und Erfolg für deine Zukunft.
Konzert in der Reformierten Kirche Meilen, Samstag, 2. Juni 2007, 20.00 Uhr. Eintritt frei, Kollekte für das Orchester.