AZ Meilen · Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
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2000 Meilemerinnen und Meilemer werden fotografiert
An der «Grüezi Meile» von morgen Samstag kann man sich von einem Profi fotografieren lassen. Ein solches Foto ist mehr als nur ein Schnappschuss – es ist Bestandteil eines umfassenderen Projekts.
Vor knapp zwei Jahren hatte der Meilemer Fotograf Thomas Flück eine Idee: Er schlug Gemeindepräsident Hans Isler vor, mit einer Porträtarbeit zu zeigen, dass Meilen trotz seiner Grösse und seines offiziellen Status als Kleinstadt keine Schlafgemeinde ist, sondern ein Dorf, in dem Menschen wohnen, arbeiten, spielen und in Vereinen aktiv sind. «Hans Isler hat mein Vorschlag gefallen», erzählt Flück, «und er fragte sich sogar, ob etwas Ähnliches auch in grösserer Form denkbar wäre.»
«Wir sind Meilen!»
In der Tat entstand aus der Idee nun etwas Grosses, das zudem ziemlich einzigartig ist. «Ein sozialdokumentarisches Foto-Kunstereignis der Zwischenmenschlichkeit» nennt es Initiant Thomas Flück. Einfacher ausgedrückt: Möglichst viele Meilemerinnen und Meilemer – am Ende sollen es mindestens 2000 Personen sein – lassen sich fotografieren und geben damit dem Dorf ein Gesicht, exponieren sich als Einwohnerin oder Einwohner, zeigen sich, ihre Verbundenheit zum Wohnort und ihre Bereitschaft, mit anderen ins Gespräch zu kommen. «Wir sind Meilen!» ist der Titel des Projekts.
Das Ziel: Die schleichende Anonymisierung stoppen, Hemmschwellen abbauen, die Gemeinschaft stärken. Das alles als Bestandteil eines noch grösseren, übergeordneten Wunsches: Es ist einer der Legislaturschwerpunkte des Gemeinderats, «die Zahl der aktiv am Dorfgeschehen teilnehmenden Einwohnerinnen und Einwohner deutlich zu erhöhen», wie er es formuliert. Diesem Ziel dient auch die «Grüezi Meile» von morgen Samstag an der Kirchgasse (siehe Vorschau auf Seite 5), wo Flück viele Fotos zu machen hofft, womit sich der Kreis wieder schliesst.
Vernissage ist im August
Bereits seit dem 15. April ist der Fotograf mit seiner Kamera in Meilen unterwegs und spricht Menschen an. An Veranstaltungen, vor Geschäften, im Altersheim, in der Badi, in den Beizen…: «Überall im Dorf frage ich die Leute, ob sie in Meilen wohnen und wenn ja, ob ich sie fotografieren darf.» Unter jedes Bild kommt der Name der Person, eine Passion von ihr und – wenn sie möchte – ein Statement zu Meilen. Diese Angaben werden auf einem Fragebogen notiert. Anschliessend macht Flück rund zehn Bilder und wählt zu Hause das beste davon aus.
Am Samstag, 23. August findet dann ein grosses Fest für alle Einwohnerinnen und Einwohner statt. Am See werden die Porträtfotos zum ersten Mal gezeigt: als Schwarzweiss-Fotos im Format A3 auf einer rund 50 Meter langen Bilderwand. Später werden die Fotos an einem öffentlich zugänglichen Ort für längere Zeit ausgestellt, denn es geht Flück nicht nur um die Vernissage im August: «Die Aktion soll vielmehr den ganzen Sommer lang ein einzigartiges Dorfereignis sein und auch später noch zu Gesprächen anregen, eine Art gemeinsame Manifestation werden.»
Nur keine Scheu
Schon jetzt gibt es Meilemer, die auf Thomas Flück zukommen und ihn ansprechen, weil ihre Nachbarin oder ihr Kollege bereits von ihm fotografiert worden ist: «Ich bin auch von Meilen, ich will auch mitmachen.» 652 Personen hat der Fotograf bis Redaktionsschluss dieses Meilener Anzeigers bereits abgelichtet. «Wenn es so weiter geht, kann das Ziel von rund 2000 Porträts erreicht werden», hofft er. Damit wäre dann gut jeder sechste Einwohner des Dorfes für die Nachwelt festgehalten. Möglicherweise werden die Bilder später auch im Internet zu sehen sein. Wer möchte, bekäme im Falle einer Realisierung persönliche Logindaten und könnte mit den anderen kommunizieren. Das ist aber wie gesagt Zukunftsmusik. Was hingegen sicher ist: Wer sich morgen Samstag fotografieren lässt, wird Teil eines Projekts, das weit herum einzigartig ist.
(ka)