AZ Meilen · Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
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Fasnachtsumzug der Söihundscheibe am letzten Sonntag
Ein hellblauer Winterhimmel, milde Temperaturen und erwartungsvolle Zuschauer: Was begehrt das Fasnachtsherz mehr? Der Umzug vom letzten Sonntag konnte sich bei besten Verhältnissen so richtig entfalten.
Ein gelungener Fasnachtsumzug am Zürichsee bewegt sich nicht nur in eine Richtung, und er ist interaktiv – Zuschauer müssen oder dürfen immer damit rechnen, ins Geschehen involviert zu werden.
Das beginnt bereits bei den obligaten Schüssen aus der Konfettikanone um punkt 14.14. Uhr, entzündet von blau-weiss gekleideten Kanonieren. Da wandern alle Hände der zahlreichen Umstehenden an der Kreuzung Dorfstrasse/Kirchgasse zu den Ohren, denn die Böller sind nicht eben leise und fahren auch gehörig in den Magen.
Danach regnete es Spezialkonfetti aufs Publikum, zündholzschachtelgrosse Ausschnitte aus alten Telefonbüchern. Der hallende «Böller» der Konfettikanone war während des Umzugs immer wieder zu hören, und die Guggenmusiker von den Dörfligeischtern aus Walde SG sorgten ebenfalls für eine mitreissende Geräuschkulisse. Die dorfeigenen Gugger von den Söihundscheibe dagegen waren zum grössten Teil auf den Umzugswagen beschäftigt.
Tee mit Pfeffer
Erfüllung eines geheimen Wunsches oder Alptraum? Wer schon immer einmal ein Bad in einer mit Konfetti gefüllten Wanne nehmen wollte, hatte am Sonntag die Gelegenheit dazu. Immer wieder wurden Zuschauer von fünf freundlichen Clowns in die Mangel genommen und «getaucht». Konfetti bis auf die Knochen waren damit wohl garantiert.
Bequemer hatten es da die Zuschauer, die in der «Oppositions-Chischte» spazieren gefahren wurden; allerdings wirkten sie etwas ausgestellt im vergitterten Gehäuse.
Von einem aufwändig geschmückten Suppenwagen gab es etwas Heisses zum Aufwärmen, von einem anderen einen fruchtigen Tee – allerdings mit einem «Schuss» aus der Pfeffermühle aufgepeppt.
Zum Mitmachen luden auch andere Wagen ein: eine koksende Martina Hingis forderte zum (Weiss-wie-Schnee-)Waschen auf oder zu einem kleinen Tennisspielchen, Tempo-30-Sünder durften auf einem Gocart von einer mobilen Rampe aus über Schwellen brettern, oder sich von Polizisten auf Fahrrädern mit rosa Handschellen verhaften lassen. Letztere hätten eigentlich auf Tempo-30-Gebiet eingesetzt werden sollen, wurden aber wegen Nichtgebrauchs ausgemustert…
Euro 08 ja gern, Rauch nein danke
Meilen ist, anders als Zürich, bereits jetzt gewappnet für die Euro 08 – die Euro-Fan-Meile(n) auf einem der grössten Fasnachtswagen jedenfalls stiess auf Begeisterung, was möglicherweise auch an den knackigen Fussballer-Wädli lag, die da spazierengefahren wurden. Dass Meilen sich nicht immer und über alle Events freut, wurde mit einem der ersten Wagen persifliert: Tatsache ist, dass die Köhlerin Doris Wicki wegen zu starker Rauchentwicklung ihr Handwerk an der beef nicht wie geplant ausüben durfte. Dass sie Meilen deswegen nicht gram ist, demonstrierte sie mit ihrer Anwesenheit auf dem Wagen, der einen Kohlemeiler und den Gemeinderat bei der Krisensitzung zeigte.
Auf die Schippe genommen wurde die neue SVP-Bundesrätin beziehungsweise ihr Name: Schlümpfe tummelten sich in rauen Mengen auf einem festlich geschmückten Wagen. Weitere Sujets waren dem Schacher Seppeli und der Sterbehilfeorganisation Dignitas gewidmet.
Nach gut anderthalb Stunden war der Fasnachtsspuk zu Ende. Der eine oder andere Zaungast wurde aber sicher am Abend nochmals daran erinnert, als ihm die Konfetti aus den Kleidern rieselten…