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Kinderfasnachtsumzug 2008
Einen Trend, um es gleich vorwegzunehmen, einen klaren Trend gibt es von den Verkleidungen der Fasnachtskinder 2008 nicht zu vermelden. Phantasie war Trumpf.
Allenfalls lässt sich bei den Mädchen eine gewisse Tendenz zum Prinzessinnenhaften vermelden: von goldenen über samtüberzogene bis zu federgeschmückten Krönchen reichte die Spanne der Kopfputze, um die Beine raschelten meist rosafarbene oder violette Gewänder aus Samt, Glitzerstoffen und Polyester in Kombination mit den fasnachtsüblichen Moonboots und Daunenjacken.
Ausserdem gesichtet: ein Engel mit breiten goldenen Flügeln und einem Heiligenschein aus weissen Federn, ein Rotkäppchen (im Körbchen statt Wein und Kuchen Konfetti), eine Flamencotänzerin, ein Marienkäferchen mit Herzen auf den Flügeln, zwei Clowns mit mächtig vielen grünen Kraushaaren, eine Pippi Langstrumpf, ein Dalmatiner mit Reissverschluss auf dem Rücken, ein Sponge Bob (etwas unbeweglich in einer grossen gelben Schachtel), mehrere Spidermen…
Bei den Buebe waren auffallend viele wilde Tiere auszumachen: Löwen, Bären, Tiger, sogar Elefanten und Drachen, aber auch viele gefährliche Piraten, Indianer und Sheriffs mit dunklem Bartschatten versammelten sich wie jedes Jahr am Schübligziischtig auf dem Schulhausplatz beim DOP zur Kinderfasnacht.
Wer keine Lust hatte, die Umzugsstrecke über Dorfstrasse, Kirchgasse, Schulhausstrasse, Bahnhofstrasse und schliesslich zum Leue zu Fuss zu gehen, oder wer dazu schlicht noch zu klein ist, wurde auf einen der zwei von Traktoren gezogenen Fasnachtswagen gehoben, die neu mit grossflächigen Bildern von Edith Caffari geschmückt sind (Platten: Sponsor Guido Tüscher).
Dann ging’s los, im Schlepptau der zwanzigköpfigen Meilemer Söihundscheibe-Guggemusig. Sie ist heuer nach drei Jahren im alten Gewand ganz in ein neues Outfit gekleidet: mit viel gelbem Kunstpelz, rotem Samt und schwarzen Biesen, die Gesichter rot-gelb-schwarz geflammt – «hat aber nichts mit der deutschen Fahne zu tun», versicherte eine Musikerin lachend. Wäre im Euro-08-Jahr ja wohl auch nicht angezeigt.
Während sich die Kinder gegenseitig Konfetti in die Kragen stopften, möchtegern-coole Buben ohne Kostüme in der Menge Frauenfürze und Knallteufel zündeten (müsste wirklich nicht sein) und die Söihundscheibe alles gaben, bewegte sich der Umzug durch die sonnigen Strassen, vorbei an den Vorboten des grossen Fasnachtsumzugs vom kommenden Sonntag – seit einigen Tagen hängen seltsame Gestalten in den Bäumen entlang der Dorfstrasse.
Ihren würdigen Abschluss fand die Kinderfasnacht 2008 im Jürg Wille-Saal des Leue, wo sich Matrosen, Mexikaner und Leuchtkäfer an einem Becher heissen Tee wärmen konnten.