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Moderne Privatklinik mit Geschichte

Die beiden renovierten und umgebauten Patientehäuser «Panorama» (im Vordergrund) und «Parco».

Abschluss der Bauarbeiten auf der Hohenegg

 

Vor knapp zehn Jahren stand die Zukunft der psychiatrischen Klinik Hohenegg ob Meilen auf der Kippe. Heute erstrahlt sie in neuem Glanz: Die sieben Jahre dauernden Um- und Neubauarbeiten wurden offiziell abgeschlossen.
Am ersten Januar 2005 entschied die damalige Gesundheitsdirektorin des Kantons Zürich, der psychiatrischen Klinik Hohenegg aus Spargründen den Leistungsauftrag zu entziehen und sie von der Spitalliste zu streichen. Das bedeutete: Die Hohenegg erhielt definitiv keine staatlichen Gelder mehr.
Im Jahr zuvor hatte die Bevölkerung, darunter viele Meilemer, auf beispiellose Weise gegen diesen Entscheid gekämpft: Über tausend Personen demonstrierten auf dem Gemeindehausplatz für das Überleben der Hohenegg, mehr als 73'000 hatten eine Petition für die Klinik unterschrieben, welche Gesundheitsdirektorin Verena Diener in Zürich überreicht wurde – erfolglos.
Statt zu resignieren und die Klinik zu schliessen, wagte die Trägerschaft, die Stiftung Hohenegg, die Flucht nach vorne. Sie gründete im Herbst 2005 die Privatklinik Hohenegg, spezialisiert auf halbprivat oder privat versicherte Patienten mit Depression, Burnout, Angsterkrankungen oder psychosomatischen Störungen. Das Wagnis lohnte sich. Die Klinik war von Anfang an gut ausgelastet, die Anzahl Betten konnte schrittweise auf 70 erhöht werden, obwohl die Hohenegg das einzige Vertragsspital in der Schweizer Psychiatrie ist, das ohne staatliche Beiträge auskommen muss.

Umbau und Sanierung bei laufendem Betrieb
Der neue Status erforderte konsequenterweise nicht nur eine medizinisch-therapeutische, sondern auch eine bauliche Veränderung. Die denkmalgeschützten, markanten Häuser, erbaut 1910 bis 1912 von den Architekten Rittmeyer & Furrer, waren zwar im Laufe der Zeit immer wieder den neuesten Bedürfnissen angepasst worden, Hotelkomfort und Ambiance entsprachen aber nicht den Anforderungen einer Privatklinik, und auch die historische Substanz war im Innern nach und nach weniger geworden.
Zwischen 2007 und 2014 wurde die Klinik deshalb bei laufendem Betrieb in drei Etappen umgebaut, saniert und erweitert, wobei die Zürcher Architekten Romero & Schaefle die Anlage auf den Stand der Gegenwart brachten und dabei ihre Qualitäten sorgfältig unterstrichen.
Am Freitag fanden die Bauarbeiten mit einer Feier ihren Abschluss, bei der sich die geladenen Gäste im Neubau «Terrazza» trafen. Das Empfangsgebäude mit seinem prominenten, mächtigen Dach aus Naturschiefer-Schindeln steht seit 2011 im östlichen Teil der Anlage, dort, wo früher die Minigolf-Anlage war. Es beherbergt neben der Réception eine zentrale Halle oder Lounge mit Cafébar und Cheminée sowie die Speiseräume für die drei Stationen der Klinik. Die Küche ist im Untergeschoss untergebracht, die Verwaltung im Obergeschoss.

Ein Leuchter speziell für die Hohenegg
Wie sehr die Zürcher Architekten darauf achteten, dass der neue Auftritt geschmackvoll, hochwertig und stilgerecht ist, zeigt sich nicht nur in den Details. So wurde beispielsweise der prächtige Leuchter in der Halle in Anlehnung an den Geist des Jugendstils speziell für die Hohenegg entwickelt.
Die Gäste des Abschlussfests konnten auch das Patientenhaus «Parco» in Augenschein nehmen, das als letztes umgebaut wurde und über 28 Zimmer verfügt. Beim Umbau beider Patientenhäuser «Parco» und «Panorama» wurde versucht, die ursprüngliche Gebäudestruktur möglichst zu erhalten – neuere Aus- und Anbauten wurden deshalb zurückgebaut. Die denkmalgeschützten Fassaden präsentieren sich frisch renoviert, im Inneren glaubt man sich in eine Zeit vor hundert Jahren zurückversetzt: Zwischen Tradition und Moderne schwebend, wurden die Räume einerseits mit moderner Technik versehen, anderseits stilvoll mit Klassikern oder speziell entworfenen Möbeln eingerichtet. Die Wände der Räume wurden in zarten Farbtönen gestrichen, die der Künstler Jean Pfaff eigens für die Hohenegg entwickelt hat. «Alles passt zusammen, vom Schalter bis zum Wandsockel», staunte etwa alt Gemeinderat und Architekt Jürg Herter bei der Besichtigung.
Das Raumgefühl entspricht demjenigen in einem Grandhotel des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Alles wirkt, als ob es immer so gewesen wäre – auch wenn dem nicht so ist. Eugen Klöti, ehemaliger Direktor der Hohenegg und bis vor kurzem Stiftungsratsmitglied, erzählte, dass es früher statt der geräumigen Einzelzimmer grosse Patientensäle gab, und dass vor bald 100 Jahren die Patientinnen jeweils mitsamt ihren Zofen anreisten.
Auch ein neues Physio- und Fitness-Gebäude wurde erstellt, das im Stil einer Remise im Norden des Therapiezentrums platziert wurde, in dem früher die Küche untergebracht war. Das ehemalige Direktionsgebäude wurde zum Ärztehaus.

Spaziergänger willkommen

Die gesamte Aussenanlage steht unter Denkmalschutz und wurde von Vogt Landschaftsarchitekten neu aufgebaut, mit Mauern, Bäumen, Büschen und Blumen. Auf der Hauptachse zwischen den Gebäuden dürfen übrigens auch Spaziergänger flanieren. Ein öffentliches Café wie in der «alten» Hohenegg gibt es allerdings nicht mehr, dies aus Gründen der Diskretion den Patientinnen und Patienten gegenüber.
«Ich könnte mir fast vorstellen, dass die Kantonsregierung im Nachhinein das Sparpotenzial anders beurteilen und nicht mehr ganz so entscheiden würde wie damals», sagte Gemeindepräsident Christoph Hiller in seiner Ansprache. Für den Gemeinderat von Meilen sei es ein grosses Glück, die prosperierende «Hohenegg» in seinem Sprengel zu wissen. Er bedankte sich dafür, dass die renommierte Klinik den Namen Meilen – wenn auch im angebrachten diskreten Rahmen – in die Welt hinaus trägt.
Dank galt auch der Hausbank der Hohenegg, der ZKB, die bei der Finanzierung des insgesamt rund 40 Millionen Franken teuren Projekts mitgeholfen hat, sowie den Krankenkassen: «Hätten sie nicht an die Hohenegg geglaubt, wären Betrieb und Sanierung nicht möglich gewesen», sagte Stiftungsratspräsident Hans-Rudolf Fuhrer. Und er richtete ein grosses Lob an die Planer und Handwerker: «Sie pflegten eine Liebe zum Detail, die nicht Manierismus ist, sondern Ehrerbietung für das Objekt.»
Wer sich im Detail über den Um- und Neubau informieren möchte, findet im neuesten Themenheft der Architekturzeitschrift Hochparterre, das ganz der Klinik Hohenegg gewidmet ist, eine Fülle von Informationen und Bildern.


Aus dem aktuellen Inhalt

  • Informations- und Fragestunde vor der Gemeindeversammlung vom 1. Dezember 2014.
    Am Montag, 1. Dezember findet in der reformierten Kirche die Gemeindeversammlung statt. Vor der Gemeindeversammlung wird um 19.00 Uhr eine Informations- und Fragestunde mit dem Gemeinderat durchgeführt.
    Folgende Themen werden behandelt: Konstituierung Gemeinderat 2014 – 2018; Legislaturziele 2014 – 2018;  Erstvermietung der Liegenschaft an der Seestrasse 654 nach dem Wiederaufbau; Fragen aus dem Publikum.
  • Heimatbuch Meilen im neuen Gewand
    Druckfrisch ab Presse lag das Jahrbuch von Meilen am Donnerstag letzter Woche im Ortsmuseum zum Anschauen und Lesen bereit. Die «Abholete» wurde von Reden, Musik und einem Apéro umrahmt.
  • Neue Leistungsvereinbarung mit dem Verein «Spitex Zürichsee»
    Per 1. Januar 2015 fusionieren die Vereine «Spitex Meilen/Uetikon am See» und die «Allgemeine Spitex-Dienste Männedorf» zum Verein «Spitex Zürichsee».
    Damit die zukünftige Zusammenarbeit gesichert ist, mussten die angeschlossenen Gemeinden Meilen, Uetikon am See und Männedorf gemeinsam eine neue Leistungsvereinbarung ausarbeiten und beschliessen.
  • Am Sonntag beginnt die Adventszeit
    Übermorgen Sonntag bei voraussichtlich trockenem Wetter ist Meilen wieder fest in der Hand von Marktfahrern, Besuchern, Samichlaus und Engeln. Der Weihnachtsmarkt vom ersten Adventssonntag ist einer der grössten der Region und lockt auch dieses Jahr mit einem grossen und breiten Angebot.
  • Letzter Gratisbustag am Weihnachts-Märt
    Wie bereits im Herbst angekündigt, wird am Weihnachts-Märt vom nächsten Sonntag, 30. November zum letzten Mal ein Gratisbus-Tag durchgeführt.