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Das Fest der eigenen Stimme

 

Ostern für Kinder bedeutet das Glück des Findens der versteckten Osternester und viel Schokolade. Wunderbar. Ein neuer Gedanke ist mir dieses Jahr gekommen. Ostern könnte für Kinder und andere Leute das Fest der eigenen Stimme werden.
Es ist nicht leicht für Kinder, heute die eigene Stimme zu finden. Ein Recht auf Nachdenklichkeit und auf Langeweile scheint es nicht zu geben. Wer bin ich, wozu gibt es mich, was kann ich, was soll ich, wie finde den Weg zu andern – diese Fragen haben kaum Platz in den Agenden, die sich ab dem Krabbelalter füllen und füllen.
Unsere Kinder haben – Gott sei Dank – genug Wasser, genug Essen, Luft zum Atmen, Kleider, ein Dach über dem Kopf, Gesundheitsversorgung, Schulen, ein Land ohne Krieg und Verfolgung. Aber sie bekommen kaum Gelegenheit, um zu realisieren, wie grossartig und wenig selbstverständlich das ist. Sie werden zugedröhnt mit Krims und Krams und bald schon mit vielen Forderungen von innen und von aussen. Zeit, die Seele baumeln zu lassen, ist wenig. Langeweile, welche der Seele Raum gibt zum Wachsen und sich selber Wahrnehmen – das kennen viele Kinder nicht. Nachdenklichkeit und eine Sprache für das grosse Fragen wird selten gelehrt.

Zur eigenen Stimme finden
Ich springe zu den Jüngern und Jüngerinnen Jesu. Was hat sie dazu gebracht, seinem Ruf zu folgen und alles, was sie bisher ausgefüllt hat, zurück zu lassen? Ich denke mir, dass es die Freude und Befriedigung war, mit ihm zum Eigentlichen des Lebens zu finden. Er hat sie angestiftet, gross von sich, vom Leben, von Gott und von der Liebe zu denken. Er hat ihnen eine Sicht auf die Menschen und das Leben vermittelt, die sie frei gemacht hat und Mut, sich auf ihre Weise dem Himmel, der auf Erden werden soll, anzunähern. Ich denke mir, dass sie mit ihm zu ihrer eigenen Stimme gefunden haben. Sie wagten es, den Traum von einem Leben, wo Menschen sich entfalten und friedlich zusammenleben, zu träumen und danach zu leben. Der Ruf der Berufung hat sie näher und klarer zu ihrer eigenen Stimme gebracht. So denk ich mir das. Diese Art von Berufung fehlt heute. Es hat einfach niemand Zeit dafür – nicht einmal die Kinder.

Das grosse Wünschen wieder lernen

Jesus zieht heute nicht durch unsere Strassen, aber wir feiern Ostern. Ostern war auch für die Jünger und Jüngerinnen das Wiederfinden ihrer Stimme. Sie waren still geworden an Karfreitag. Der grosse Traum schien ausgeträumt. Der Traum vom Genug für alle, der Traum davon, dass die verarmte Witwe genauso wichtig war wie der epileptische Knabe oder der hoch gelehrte Pharisäer. Platz war in diesem gelebten Traum für diese alle, am gleichen gedeckten Tisch. Sie hatten sich getraut, mit ihren eigenen Stimmen nach Gerechtigkeit zu rufen, um Hilfe zu schreien oder auch still zu werden und ganz von vorne mit dem Lesen und Lernen wieder anzufangen. Am gemeinsamen Tisch hatten ihre Stimmen gejubelt und gesungen, ein gemeinsames Lied, getragen von der je eigenen Stimme. Der Traum schien ausgeträumt an Karfreitag. Doch Ostern brachte den Jüngerinnen und Jüngern die Stimme zurück. Zögernd zuerst und dann immer mutiger verliessen sie sich erneut auf das Wort von der Liebe, die sich in Gerechtigkeit und Frieden, heiter, zärtlich und vertrauensvoll in diese Welt hinein buchstabiert und spricht und singt.

Singen wie die Kantorka
Ostern und unsere Kinder. Es müsste einen Brauch geben, wo die Kinder ihre Stimme finden. Sie müssten dabei Zeit bekommen, um nachdenklich zu werden, in die Tiefe zu staunen, sich berühren zu lassen vom Leid und von der Freude und dabei dem grossen Traum der Menschen vom Frieden auf die Spur kommen. Sie würden anfangen, so gross vom Menschen zu denken wie Jesus, der Mensch Gewordene, es getan hat. Und auf einmal würden sie merken, wie in ihnen drin eine Stimme lebendig wird, ihre eigene Stimme, die mehr will als «Deutschland sucht den Superstar»; die sich und andern mehr zutraut als Angst und Neid. Es wäre eine schöne Stimme, wie diejenige der Kantorka in Otfried Preusslers Geschichte von Krabat, selbstbewusst und vertrauensvoll, mutig und liebend.
Mit diesen Stimmen würden die Kinder singen, den Osterruf singen: Halleluja, Christ ist erstanden; ist wahrhaft auferstanden.
Pfarrerin Jacqueline Sonego Mettner

Hardmeier

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